Cash-Poo­ling – und die gewer­be­steu­er­recht­li­che Hin­zu­rech­nung der Schuld­zin­sen

Die Grund­sät­ze einer aus­nahms­wei­se zuläs­si­gen Sal­die­rung von Zins­auf­wen­dun­gen bei wech­sel­sei­tig gewähr­ten Dar­le­hen gel­ten bei der Ermitt­lung des Gewer­be­steu­er­mess­be­tra­ges auch für Dar­le­hen inner­halb eines Cash-Pools.

Cash-Poo­ling – und die gewer­be­steu­er­recht­li­che Hin­zu­rech­nung der Schuld­zin­sen

Die viel­fäl­ti­gen wech­sel­sei­ti­gen Schuld­ver­hält­nis­se inner­halb eines Cash-Pools sind im Fal­le der Sal­die­rung bank­ar­beits­täg­lich zusam­men­zu­fas­sen und fort­zu­schrei­ben. Nur der für einen dann gege­be­nen­falls ver­blei­ben­den Schuld­sal­do ent­ste­hen­de Zins ist hin­zu­rech­nungs­fä­hi­ges Ent­gelt i.S. des § 8 Nr. 1 Buchst. a Satz 1 GewStG. Die­ses hin­zu­rech­nungs­fä­hi­ge Ent­gelt ist nicht mit danach ent­stan­de­nen Gut­ha­ben­zin­sen zu ver­rech­nen.

Soll- und Haben­zin­sen, die aus wech­sel­sei­tig gewähr­ten Dar­le­hen inner­halb eines Cash-Pools ent­ste­hen, sind mit­hin bei der gewer­be­steu­er­recht­li­chen Hin­zu­rech­nung der Schuld­zin­sen in begrenz­tem Umfang mit­ein­an­der ver­re­chen­bar. Dabei sind die viel­fäl­ti­gen wech­sel­sei­ti­gen Schuld­ver­hält­nis­se inner­halb eines Cash-Pools bank­ar­beits­täg­lich zusam­men­zu­fas­sen und fort­zu­schrei­ben. Nur der Zins, der für einen gege­be­nen­falls ver­blei­ben­den Schuld­sal­do ent­steht, ist hin­zu­rech­nungs­fä­hig. Der BFH hat sich damit erst­mals mate­ri­ell-recht­lich zur Behand­lung von Cash-Pools im Steu­er­recht geäu­ßert.

In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te eine GmbH geklagt, die Teil einer Unter­neh­mens­grup­pe ist. Die Gesell­schaf­ten der Grup­pe betei­lig­ten sich zur Zins- und Finan­zie­rungs­op­ti­mie­rung an einer Liqui­di­täts­bün­de­lung ihrer Kon­ten (Cash-Poo­ling). Hier­zu unter­hiel­ten die Klä­ge­rin und die ande­ren Toch­ter­un­ter­neh­men bei ver­schie­de­nen Kre­dit­in­sti­tu­ten Quell­kon­ten und die Mut­ter­ge­sell­schaft zu jedem die­ser Quell­kon­ten ein par­al­le­les Ziel­kon­to. Die Kon­ten wur­den in unter­schied­li­chen Wäh­run­gen geführt. Der Sal­do jedes Quell­kon­tos der Klä­ge­rin wur­de bank­ar­beits­täg­lich auf Null gestellt, indem ein etwai­ges Gut­ha­ben auf das Ziel­kon­to der Mut­ter­ge­sell­schaft über­wie­sen wur­de oder ein etwai­ger Nega­tiv­sal­do durch eine Über­wei­sung vom Ziel­kon­to der Mut­ter­ge­sell­schaft aus­ge­gli­chen wur­de. Die dadurch ent­ste­hen­den wech­sel­sei­ti­gen Ver­bind­lich­kei­ten zwi­schen der Klä­ge­rin und der Mut­ter­ge­sell­schaft wur­den mit 5, 5 % p.a. ver­zinst. In ihrer Buch­hal­tung führ­te die Klä­ge­rin für jedes Quell­kon­to ein geson­der­tes Ver­rech­nungs­kon­to, berech­ne­te täg­lich die Zin­sen und buch­te die­se monat­lich sal­diert als Auf­wand oder Ertrag. In ihrem auf dem 31.12 2010 auf­ge­stell­ten Jah­res­ab­schluss nahm die Klä­ge­rin eine Sal­die­rung von Zins­auf­wen­dun­gen und ‑erträ­gen vor und erfass­te im Ergeb­nis kei­ne Zins­auf­wen­dun­gen. Ent­spre­chend erklär­te die Klä­ge­rin in ihrer Gewer­be­steu­er­erklä­rung für 2010 kei­ne Zins­auf­wen­dun­gen aus dem Cash-Pool. Das Finanz­amt war hin­ge­gen der Auf­fas­sung, dass eine Sal­die­rung der Zins­auf­wen­dun­gen und ‑erträ­ge aus dem Cash-Pool unzu­läs­sig sei. Die­ser Auf­fas­sung schloss sich auch das Nie­der­säch­si­sche Finanz­ge­richt 1 an und wies die Kla­ge ab. Dem­ge­gen­über sieht der Bun­des­fi­nanz­hof eine Ver­rech­nung der Zins­auf­wen­dun­gen und ‑erträ­ge als mög­lich an. Der Bun­des­fi­nanz­hof hob das Urteil des Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richts auf und ver­wies die Sache an das Finanz­ge­richt zurück:

Nach dem Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs gilt hin­sicht­lich der gewer­be­steu­er­recht­li­chen Hin­zu­rech­nung von Schuld­zin­sen zwar grund­sätz­lich ein Sal­die­rungs­ver­bot, auf­grund des­sen weder die meh­re­ren Schuld­ver­hält­nis­se noch die dar­aus ent­ste­hen­den Schuld­zin­sen mit­ein­an­der ver­rech­net wer­den dür­fen.

Aus­nahms­wei­se kön­nen wech­sel­sei­tig zwi­schen zwei Per­so­nen gege­be­ne Dar­le­hen gewer­be­steu­er­recht­lich aber als ein­heit­li­ches Dar­le­hens­ver­hält­nis beur­teilt wer­den, wenn sie gleich­ar­tig sind, der­sel­ben Zweck­be­stim­mung die­nen und regel­mä­ßig tat­säch­lich mit­ein­an­der ver­rech­net wer­den. Die­se Vor­aus­set­zun­gen hat der Bun­des­fi­nanz­hof im vor­lie­gen­den Fall bejaht. Des­halb kön­nen sämt­li­che in den Cash-Pool ein­be­zo­ge­nen Quell­kon­ten bank­ar­beits­täg­lich mit­ein­an­der ver­rech­net wer­den. Der dann ent­ste­hen­de Sal­do ist fort­zu­schrei­ben, indem er mit dem Sal­do ver­rech­net wird, der sich am jewei­li­gen Fol­ge­tag ergibt. Nur soweit danach am jewei­li­gen Tag ein Schuld­sal­do zu Las­ten der Klä­ge­rin ver­bleibt, ist der dar­auf ent­fal­len­de Zins ein hin­zu­rech­nungs­fä­hi­ges Ent­gelt im Sin­ne des Gewer­be­steu­er­rechts. Ein sol­cher Schuld­sal­do ent­fällt auch nicht dadurch, dass an einem spä­te­ren Tag ein Gut­ha­ben­sal­do zuguns­ten der Klä­ge­rin ent­steht. Da das Finanz­ge­richt für die inso­weit not­wen­di­gen Berech­nun­gen noch kei­ne hin­rei­chen­den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen getrof­fen hat­te, wies der BFH die Sache zur erneu­ten Prü­fung an das Finanz­ge­richt zurück.

Nach § 8 Nr. 1 Buchst. a Satz 1 GewStG wird dem Gewinn aus Gewer­be­be­trieb ein Vier­tel der Sum­me aus Ent­gel­ten für Schul­den wie­der hin­zu­ge­rech­net, soweit sie bei der Ermitt­lung des Gewinns abge­setzt wor­den sind und soweit die Sum­me der nach § 8 Nr. 1 GewStG vor­zu­neh­men­den Hin­zu­rech­nun­gen den Betrag von 100.000 EUR über­steigt.

Schuld in die­sem Sin­ne ist eine Belas­tung des Ver­mö­gens, die als betrieb­lich ver­an­lass­te Ver­pflich­tung gegen­über einem ande­ren recht­lich ent­stan­den oder wirt­schaft­lich ver­ur­sacht ist 2. Abwei­chend von der Rechts­la­ge vor dem Erhe­bungs­zeit­raum 2008 ist es uner­heb­lich, ob es sich bei der Schuld um eine lang­fris­ti­ge Ver­bind­lich­keit (Dau­er­schuld) oder eine kurz­fris­ti­ge Ver­bind­lich­keit han­delt und für wel­chen Zweck der Gegen­wert der Schuld ver­wen­det wur­de 3. Wei­ter­hin ist die Form der Schuld­auf­nah­me eben­so uner­heb­lich wie der Aus­weis in der Bilanz 4.

Bei der Prü­fung, ob die Vor­aus­set­zun­gen des § 8 Nr. 1 Buchst. a Satz 1 GewStG vor­lie­gen, muss grund­sätz­lich jedes Schuld­ver­hält­nis für sich betrach­tet wer­den. Die Zusam­men­fas­sung meh­re­rer Schuld­ver­hält­nis­se ist grund­sätz­lich nicht mög­lich (Sal­die­rungs­ver­bot) 5. Dies gilt ent­spre­chend für die Ent­gel­te für Schul­den, näm­lich für die Gegen­leis­tun­gen für die Zur­ver­fü­gung­stel­lung von Fremd­ka­pi­tal. Dazu zäh­len in ers­ter Linie die lau­fen­den Zin­sen i.S. des bür­ger­li­chen Rechts 6.

Danach ist grund­sätz­lich auch eine Sal­die­rung von Schuld- und Haben­zin­sen aus­ge­schlos­sen; dies gilt selbst dann, wenn ein Gut­ha­ben- und ein Dar­le­hens­kon­to in einem wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hang ste­hen, ohne ein­an­der nicht denk­bar sind und die Dar­le­hens­mit­tel nur zweck­ge­bun­den ver­wen­det wer­den dür­fen. Die wirt­schaft­li­che Betrach­tungs­wei­se tritt hin­ter die von den Ver­trags­par­tei­en gewähl­te bür­ger­lich-recht­li­che Gestal­tung zurück. Es kommt nicht dar­auf an, wie die Par­tei­en ihre Bezie­hun­gen hät­ten gestal­ten kön­nen, ent­schei­dend ist, wie sie sie gestal­tet haben 7.

Meh­re­re Ver­bind­lich­kei­ten sind aller­dings aus­nahms­wei­se als eine ein­heit­li­che Schuld zu wer­ten, näm­lich dann, wenn die ein­zel­nen Schuld­ver­hält­nis­se wirt­schaft­lich zusam­men­hän­gen und es dem Zweck des § 8 Nr. 1 Buchst. a GewStG wider­sprä­che, die­sen Zusam­men­hang unbe­rück­sich­tigt zu las­sen. Die­ser Zweck liegt dar­in, den Ertrag des im Betrieb arbei­ten­den Kapi­tals in vol­lem Umfang der Besteue­rung nach dem Gewer­be­er­trag zu unter­wer­fen ("objek­ti­ve Wirt­schafts­kraft des Gewer­be­be­triebs") und im Wesent­li­chen eine Gleich­stel­lung von Erträ­gen aus eigen- und fremd­fi­nan­zier­tem Kapi­tal her­bei­zu­füh­ren 8.

Dem­entspre­chend kön­nen nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des BFH meh­re­re bei einem Kre­dit­ge­ber unter­hal­te­ne Kon­ten eben­so wie wech­sel­sei­tig zwi­schen zwei Per­so­nen gege­be­ne Dar­le­hen gewer­be­steu­er­recht­lich nur dann als ein­heit­li­ches Dar­le­hens­ver­hält­nis beur­teilt wer­den, wenn sie gleich­ar­tig sind, der­sel­ben Zweck­be­stim­mung die­nen und regel­mä­ßig tat­säch­lich mit­ein­an­der ver­rech­net wer­den 9.

Für Dar­le­hens­ge­wäh­run­gen inner­halb eines Cash-Pools hat der BFH bis­lang kei­ne hier­von abwei­chen­den Grund­sät­ze auf­ge­stellt 10. Die Lite­ra­tur knüpft an die zivil­recht­li­che Qua­li­fi­zie­rung der Kapi­tal­strö­me im Cash-Pool als Dar­le­hens­ver­trä­ge an 11 und folgt die­ser im Zwei­fels­fall bei der gewer­be­steu­er­li­chen Hin­zu­rech­nung 12. Eine davon abwei­chen­de gewer­be­steu­er­recht­li­che Behand­lung wird allen­falls hin­sicht­lich der ‑hier von der Klä­ge­rin nicht wahr­ge­nom­me­nen- Funk­ti­on des Cash-Pool-Mana­gers gefor­dert 13.

Die bis­he­ri­gen Grund­sät­ze einer mög­li­chen Zusam­men­fas­sung wech­sel­sei­tig zwi­schen zwei Per­so­nen gewähr­ter Dar­le­hen fin­den auch auf die im Cash-Poo­ling wech­sel­sei­tig gege­be­nen Dar­le­hen Anwen­dung. Ent­schei­dend ist danach auch in die­sen Fäl­len, ob die Dar­le­hen gleich­ar­tig sind, der­sel­ben Zweck­be­stim­mung die­nen und regel­mä­ßig tat­säch­lich mit­ein­an­der ver­rech­net wer­den.

Die Ent­schei­dung des Finanz­ge­richt ent­spricht nicht die­sen Rechts­grund­sät­zen. Denn zum einen ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Finanz­ge­richt für die Fra­ge der Sal­die­rung allein auf die ent­gelt­aus­lö­sen­den Schuld­ver­hält­nis­se abzu­stel­len. Die­se Schuld­ver­hält­nis­se bestan­den nicht zwi­schen der Klä­ge­rin und den Kre­dit­in­sti­tu­ten, son­dern allein zwi­schen der Klä­ge­rin und der AG. Zum ande­ren schei­det eine Sal­die­rung von Zins­er­trä­gen und Schuld­zin­sen bezo­gen auf ein Quell­kon­to nicht allein des­halb aus, weil ver­schie­de­ne, iso­liert von­ein­an­der zu erfas­sen­de Schuld­ver­hält­nis­se vor­lie­gen. Die Sal­die­rung setzt eigen­stän­di­ge Schuld­ver­hält­nis­se viel­mehr vor­aus.

Durch das Cash-Poo­ling ent­stand eine Viel­zahl von Schuld­ver­hält­nis­sen i.S. des § 8 Nr. 1 Buchst. a Satz 1 GewStG zwi­schen der Klä­ge­rin und der AG.

Nach den für den Bun­des­fi­nanz­hof man­gels zuläs­si­ger und begrün­de­ter Ver­fah­rens­rügen bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt (§ 118 Abs. 2 FGO) wur­de im Streit­fall zwi­schen der AG und der Klä­ge­rin durch den Rah­men­kre­dit­ver­trag vom 01.06.2007 ein als phy­si­sches oder ech­tes Cash-Poo­ling zu qua­li­fi­zie­ren­des Ver­fah­ren ver­ein­bart, das ech­te Zah­lungs­strö­me zwi­schen den Quell­kon­ten der Klä­ge­rin und den Ziel­kon­ten der AG aus­lös­te. Inhalt die­ser Ver­ein­ba­rung ist es, dass der Sal­do der von der Klä­ge­rin bei den drei Kre­dit­in­sti­tu­ten gehal­te­nen Quell­kon­ten bank­ar­beits­täg­lich auf Null gestellt wird (Zero-Balan­cing), indem ent­we­der ein vor­han­de­nes Gut­ha­ben auf dem von der AG bei dem jewei­li­gen Kre­dit­in­sti­tut unter­hal­te­nen Ziel­kon­to gut­ge­schrie­ben oder ein nega­ti­ver Sal­do durch Über­wei­sung vom Ziel­kon­to der AG aus­ge­gli­chen wird.

Für jedes der von der Klä­ge­rin unter­hal­te­nen Quell­kon­ten wur­den hier­durch in zivil­recht­li­cher Hin­sicht bank­ar­beits­täg­lich ent­ste­hen­de wech­sel­sei­ti­ge Geld­dar­le­hen i.S. der §§ 488 ff. des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs zwi­schen der Klä­ge­rin und der AG begrün­det, indem ent­we­der die Klä­ge­rin für die Über­wei­sung eines Gut­ha­ben­sal­dos einen Dar­le­hens­rück­zah­lungs­an­spruch gegen die das Ziel­kon­to füh­ren­de AG oder die AG für den Aus­gleich eines nega­ti­ven Sal­dos einen Dar­le­hens­rück­zah­lungs­an­spruch gegen die das Quell­kon­to füh­ren­de Klä­ge­rin erhielt 14.

Wei­ter hat das Finanz­ge­richt fest­ge­stellt, dass hin­sicht­lich der bank­ar­beits­täg­lich ent­ste­hen­den wech­sel­sei­ti­gen Dar­le­hens­schul­den im Rah­men­kre­dit­ver­trag eine Ver­zin­sung von 5, 5 % p.a. vor­ge­se­hen war und inso­weit täg­lich für jedes Quell­kon­to in der Buch­füh­rung der Klä­ge­rin ein ent­spre­chen­der Zins­auf­wand oder ‑ertrag gebucht wur­de.

Die­se wech­sel­sei­tig gewähr­ten Dar­le­hen waren gleich­ar­tig, dien­ten der­sel­ben Zweck­be­stim­mung und wur­den auch tat­säch­lich mit­ein­an­der ver­rech­net. Dem­entspre­chend kommt grund­sätz­lich eine Zusam­men­fas­sung der Schuld­ver­hält­nis­se und eine Sal­die­rung der Zin­sen in Betracht.

Die wech­sel­sei­tig gege­be­nen Dar­le­hen waren gleich­ar­tig. Denn sie wur­den jeweils zu iden­ti­schen Zins­sät­zen gewährt und unter­la­gen auch im Übri­gen durch­gän­gig den­sel­ben Ver­trags­be­din­gun­gen. Inso­weit unter­schei­den sich die hier im Rah­men des Cash-Poo­ling wech­sel­sei­tig gewähr­ten Dar­le­hen noch weni­ger von­ein­an­der als etwa der Kon­to­kor­rent­kre­dit einer­seits und der Trat­ten­kre­dit ande­rer­seits, die zu einem ein­heit­li­chen Dar­le­hen zusam­men­ge­rech­net wur­den 15. Uner­heb­lich ist inso­weit, dass die Kon­ten auch in unter­schied­li­chen Wäh­run­gen geführt wur­den. Denn auch dann lie­gen Geld­dar­le­hen vor. Die unter­schied­li­chen Wäh­run­gen betref­fen ledig­lich deren Wert­an­satz.

Die Dar­le­hen dien­ten wei­ter der­sel­ben Zweck­be­stim­mung. Denn die Dar­le­hen waren jeweils Instru­ment der Liqui­di­täts­bün­de­lung im Rah­men des zur Zins- und Finan­zie­rungs­op­ti­mie­rung im Kon­zern prak­ti­zier­ten Cash-Poo­lings. So wur­den die Gut­ha­ben auf den Quell­kon­ten dem Ziel­kon­to gut­ge­schrie­ben, nega­ti­ve Sal­den der Quell­kon­ten durch Über­wei­sun­gen vom Ziel­kon­to aus­ge­gli­chen, und zwar unab­hän­gig davon, ob tat­säch­lich Gut­ha­ben zum Aus­gleich von Schuld­sal­den bei ande­ren Toch­ter­ge­sell­schaf­ten benö­tigt wur­den. Im Ergeb­nis soll­ten mit dem Cash-Poo­ling die Anspruchs­be­zie­hun­gen zwi­schen allen ande­ren am Cash-Pool betei­lig­ten Toch­ter­ge­sell­schaf­ten und der Bank auf "Null" gestellt wer­den (hier­zu auch Alt­mep­pen, ZIP 2006, 1025, 1026).

Die Dar­le­hen wur­den auch tat­säch­lich mit­ein­an­der ver­rech­net. Denn nach den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt führ­te die Klä­ge­rin sämt­li­che Quell­kon­ten zwar ganz­jäh­rig getrennt von­ein­an­der, ver­rech­ne­te die­se aber buch­mä­ßig am Jah­res­en­de. So hat­te die Klä­ge­rin im Streit­jahr 2010 Zins­er­trä­ge in Höhe von … EUR und Zins­auf­wen­dun­gen in Höhe von … EUR ver­bucht, aber die­se zum Jah­res­en­de sal­diert und in ihrem Jah­res­ab­schluss 2010 aus dem Cash-Poo­ling dem­entspre­chend auch kei­ne Zins­auf­wen­dun­gen aus­ge­wie­sen. Damit wur­den offen­kun­dig spä­tes­tens zum Jah­res­en­de die aus zivil­recht­li­cher Sicht vor­lie­gen­den viel­fäl­ti­gen aus­ge­reich­ten und emp­fan­ge­nen Dar­le­hen zusam­men­ge­fasst und gegen­ein­an­der ver­rech­net.

Die Sal­die­rung führt im Ergeb­nis dazu, dass eine gewer­be­steu­er­recht­li­che Hin­zu­rech­nung der Ent­gel­te für Schul­den nur inso­weit in Betracht kommt, als nach der bank­ar­beits­täg­li­chen Ver­rech­nung sämt­li­cher in den Cash-Pool ein­be­zo­ge­ner Quell­kon­ten ein Schuld­sal­do ver­bleibt. Denn nur die­ser spie­gelt den bank­ar­beits­täg­li­chen Fremd­fi­nan­zie­rungs­be­darf der Klä­ge­rin wider. Dem­ge­mäß sind im Rah­men der Sal­die­rung die viel­zäh­li­gen Schuld­ver­hält­nis­se, die zwi­schen der Klä­ge­rin und der AG ent­stan­den waren, für jeden Bank­ar­beits­tag zusam­men­zu­fas­sen, fort­zu­schrei­ben und fort­lau­fend fest­zu­stel­len, ob und in wel­cher Höhe die Klä­ge­rin gegen­über der AG einen Schuld­sal­do auf­wies. Nur der für einen dann gege­be­nen­falls ver­blei­ben­den Schuld­sal­do ent­ste­hen­de Zins ist hin­zu­rech­nungs­fä­hi­ges Ent­gelt i.S. des § 8 Nr. 1 Buchst. a Satz 1 GewStG.

Dem­ge­mäß führt die Sal­die­rung sämt­li­cher wech­sel­sei­tig gege­be­ner Dar­le­hen und die Ver­rech­nung der dar­aus resul­tie­ren­den Schuld- und Haben­zin­sen zwar dazu, dass erhal­te­ne Dar­le­hen zunächst mit einem gege­be­nen­falls aus diver­sen vor­an­ge­gan­ge­nen Dar­le­hens­aus­rei­chun­gen sich erge­ben­den posi­ti­ven Gesamt­sal­do zu ver­rech­nen sind. Ver­bleibt aber durch ein sol­ches emp­fan­ge­nes Dar­le­hen nach der Ver­rech­nung noch immer ein nega­ti­ver Gesamt­sal­do, ent­fällt die­ser nicht etwa rück­wir­kend durch einen an einem Fol­ge­tag ent­stan­de­nen posi­ti­ven Sal­do. Denn die Grund­sät­ze über die gewer­be­steu­er­recht­li­che Sal­die­rung wech­sel­sei­tig gege­be­ner Dar­le­hen kön­nen nicht bewir­ken, dass der am Ende eines Tages ver­wirk­lich­te Tat­be­stand der Schuld und die dafür ent­stan­de­nen Ent­gel­te nach­träg­lich ent­fal­len. Dies gilt umso mehr, als nach der Rechts­la­ge ab dem Erhe­bungs­zeit­raum 2008 die Hin­zu­rech­nungs­vor­schrift des § 8 Nr. 1 Buchst. a Satz 1 GewStG nicht mehr danach unter­schei­det, ob es sich bei der Schuld um eine lang­fris­ti­ge Ver­bind­lich­keit (Dau­er­schuld) oder eine kurz­fris­ti­ge Ver­bind­lich­keit han­delt. Dies ent­spricht dem Rege­lungs­zweck des § 8 Nr. 1 Buchst. a GewStG, der dar­auf abzielt, den Ertrag des im Betrieb arbei­ten­den Kapi­tals in vol­lem Umfang der Besteue­rung nach dem Gewer­be­er­trag zu unter­wer­fen ("objek­ti­ve Wirt­schafts­kraft des Gewer­be­be­triebs") und dabei die Erträ­ge aus eigen- und fremd­fi­nan­zier­tem Kapi­tal im Wesent­li­chen gleich­zu­stel­len.

Dem­ge­mäß las­sen die Fest­stel­lun­gen, dass die aus dem Cash-Poo­ling erwirt­schaf­te­ten Zins­er­trä­ge der Klä­ge­rin im Erhe­bungs­zeit­raum 2010 ihre Zins­auf­wen­dun­gen in Höhe von rund … EUR über­schrit­ten, nicht den Schluss zu, dass tat­säch­lich an kei­nem Bank­ar­beits­tag in 2010 die Klä­ge­rin gegen­über der AG kei­nen Schuld­sal­do auf­wies. So ist es nicht aus­ge­schlos­sen, dass etwa die Zins­auf­wen­dun­gen in Höhe von rund … EUR im Wesent­li­chen in den ers­ten Mona­ten des Jah­res auf­ge­lau­fen waren und erst in den nach­fol­gen­den Mona­ten der dar­über hin­aus­ge­hen­de Zins­er­trag von rund … EUR erwirt­schaf­tet wur­de.

Die Sache ist nicht spruch­reif. Das Finanz­ge­richt hat auf Grund­la­ge sei­ner Rechts­auf­fas­sung zu Recht bis­her noch kei­ne Fest­stel­lun­gen dazu getrof­fen, ob und gege­be­nen­falls inwie­weit sich die auf den ver­schie­de­nen Quell­kon­ten vor­han­de­nen Gut­ha­ben- und Schuld­sal­den am jewei­li­gen Bank­ar­beits­tag gegen­sei­tig aus­ge­gli­chen haben und in wel­cher Höhe bezo­gen auf die Bank­ar­beits­ta­ge die Klä­ge­rin gegen­über der AG jeweils einen Schuld­sal­do auf­wies. Die ent­spre­chen­den Fest­stel­lun­gen sind im zwei­ten Rechts­gang nach­zu­ho­len.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 11. Okto­ber 2018 – III R 37/​17

  1. Nds. FG, Urteil vom 14.09.2017 – 6 K 243/​14[]
  2. BFH, Urtei­le vom 29.03.2007 – IV R 55/​05, BFHE 217, 103, BSt­Bl II 2007, 655, Rz 24, m.w.N.; und vom 06.06.2013 – IV R 28/​10, BFH/​NV 2013, 1810, Rz 27[]
  3. Blümich/​Hofmeister, § 8 GewStG Rz 36; Kös­ter in Lenski/​Steinberg, Gewer­be­steu­er­ge­setz, § 8 Nr. 1 Buchst. a Rz 52[]
  4. Kös­ter in Lenski/​Steinberg, a.a.O., § 8 Nr. 1 Buchst. a Rz 55[]
  5. BFH, Urtei­le vom 19.02.1991 – VIII R 422/​83, BFHE 164, 374, BSt­Bl II 1991, 765, Rz 28 ff.; vom 21.07.2010 – IV R 2/​08, BFH/​NV 2011, 44, Rz 23; vom 15.09.2011 – I R 51/​10, BFH/​NV 2012, 446, Rz 19[]
  6. BFH, Urteil in BFHE 217, 103, BSt­Bl II 2007, 655, Rz 19, m.w.N.[]
  7. BFH, Urteil vom 10.11.1976 – I R 133/​75, BFHE 120, 545, BSt­Bl II 1977, 165, unter Bezug­nah­me auf das BFH, Urteil vom 06.06.1973 – I R 257/​70, BFHE 109, 465, BSt­Bl II 1973, 670, Rz 18 bis 20; Kös­ter in Lenski/​Steinberg, a.a.O., § 8 Nr. 1 Buchst. a Rz 65[]
  8. vgl. BFH, Urtei­le vom 20.06.1990 – I R 127/​86, BFHE 161, 568, BSt­Bl II 1990, 915, Rz 8; in BFH/​NV 2011, 44, Rz 23, m.w.N.; in BFH/​NV 2012, 446, Rz 19, m.w.N.[]
  9. BFH, Urtei­le vom 31.07.1962 – I 255/​61 U, BFHE 75, 751, BSt­Bl III 1962, 540; in BFHE 109, 465, BSt­Bl II 1973, 670; vom 24.05.1989 – I R 85/​85, BFHE 158, 79, BSt­Bl II 1989, 900; vom 21.02.1991 – IV R 86/​89, BFHE 164, 84, BSt­Bl II 1991, 474; vom 07.09.2005 – I R 119/​04, BFH/​NV 2006, 606; Deloitte/​Bunzeck, GewStG, § 8 Nr. 1a Rz 14[]
  10. BFH, Beschluss vom 10.12 2001 – I B 44/​01, BFH/​NV 2002, 536[]
  11. BGH, Urteil vom 16.01.2006 – II ZR 76/​04, GmbHR 2006, 477[]
  12. Kös­ter in Lenski/​Steinberg, a.a.O., § 8 Nr. 1 Buchst. a Rz 71; Schnit­ter in Frotscher/​Drüen, GewStG, § 8 Rz 43; Gür­off in Glanegger/​Güroff, GewStG, 8. Aufl., § 8 Nr. 1 Buchst. a Rz 40; Deloitte/​Bunzeck, a.a.O., § 8 Nr. 1a Rz 16; Hidien/​Pohl/​Schnitter, Gewer­be­steu­er, 15. Aufl., S. 531[]
  13. s. Franke/​Gageur, Betriebs-Bera­ter 2008, 1704, 1706, und Kös­ter, Deut­sche Steu­er-Zei­tung 2008, 703, 706, die die ent­spre­chen­de Anwen­dung des Ban­ken­pri­vi­legs nach § 19 der Gewer­be­steu­er-Durch­füh­rungs­ver­ord­nung befür­wor­ten[]
  14. zur Qua­li­fi­zie­rung als Dar­le­hens­ver­hält­nis s. etwa BGH, Urtei­le in GmbHR 2006, 477, Rz 12 ‑Cash Pool I-; vom 20.07.2009 – II ZR 273/​07, Deut­sches Steu­er­recht 2009, 1858 ‑Cash Pool II-; BFH, Urteil vom 29.03.2007 – IX R 10/​06, BFHE 217, 531, BSt­Bl II 2007, 645, Rz 17; Frei­tag in Stau­din­ger, § 488 BGB Rz 92; Pech/​Reiner in Ekkenga/​Schröer, Hand­buch der AG-Finan­zie­rung, 2014, Kapi­tel 14, Rz 503; Alt­mep­pen, Zeit­schrift für Wirt­schafts­recht ‑ZIP- 2006, 1025 f.; Avven­to, Das Gebot der Voll­wer­tig­keit im GmbH- und Akti­en­recht, 2015, S. 95[]
  15. BFH, Urteil in BFHE 109, 465, BSt­Bl II 1973, 670[]