Der Steu­er­be­ra­ter, die Ver­pach­tung sei­nes Man­dan­ten­stamms und die Betriebs­auf­spal­tung

Pacht­ein­nah­men, die ein Steu­er­be­ra­ter aus der Ver­pach­tung des Man­dan­ten­stamms sei­ner frei­be­ruf­li­chen Ein­zel­pra­xis an die von ihm beherrsch­te Steu­er­be­ra­tungs-GmbH erzielt, unter­lie­gen der Gewer­be­steu­er, weil inso­weit eine frei­be­ruf­li­che Betriebs­auf­spal­tung anzu­neh­men ist.

Der Steu­er­be­ra­ter, die Ver­pach­tung sei­nes Man­dan­ten­stamms und die Betriebs­auf­spal­tung

In der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist geklärt, dass der Man­dan­ten­stamm eines Steu­er­be­ra­ters als eigen­stän­di­ges Wirt­schafts­gut Gegen­stand eines Pacht­ver­trags sein kann und dass es sich dabei um "den wesent­lichs­ten und wert­hal­tigs­ten" Teil des Betriebs­ver­mö­gens han­delt 1. Aner­kannt ist eben­falls, dass die ver­mie­ten­de oder ver­pach­ten­de Tätig­keit einer frei­be­ruf­li­chen Besitz­ge­sell­schaft im Rah­men einer frei­be­ruf­li­chen Betriebs­auf­spal­tung zu Ein­künf­ten aus Gewer­be­be­trieb führt 2. Zwar betraf jener Fall die Ver­mie­tung von Räum­lich­kei­ten, Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­den und Gerä­ten. Es ist jedoch nicht dar­ge­tan und auch nicht ersicht­lich, inwie­fern dies anders sein soll­te, wenn der Man­dan­ten­stamm Gegen­stand eines Pacht­ver­trags ist und wie sich im Streit­fall die wesent­li­che Betriebs­grund­la­ge der (ehe­ma­li­gen) Frei­be­ruf­ler­pra­xis dar­stellt. Bei die­ser Sach­la­ge (Über­la­ge­rung der Ver­pach­tung durch eine Betriebs­auf­spal­tung) bedarf es kei­ner Klä­rung, ob bereits die Ver­pach­tung des Man­dan­ten­stam­mes für sich genom­men (ohne Betriebs­auf­spal­tung) stets zu gewerb­li­chen Ein­künf­ten füh­ren muss 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 8. April 2011 – VIII B 116/​10

  1. vgl. BFH, Urteil vom 18.12.1996 – I R 129/​95, BFHE 182, 366, BSt­Bl II 1997, 546[]
  2. z.B. BFH, Urteil vom 13.11.1997 – IV R 67/​96, BFHE 184, 512, BSt­Bl II 1998, 254[]
  3. dafür Brandt in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 18 EStG Rz 22 "Ver­pach­tung des Man­dan­ten­stam­mes"[]