Ein­heit­li­cher Gewer­be­be­trieb – und der Rechts­schutz

Behan­delt das Finanz­amt zwei Kiosk­be­trie­be als ein­heit­li­chen Gewer­be­be­trieb und erlässt nur einen Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid, kann der Inha­ber der Kios­ke hier­ge­gen nur ein­mal Ein­spruch ein­le­gen und Kla­ge erhe­ben mit der Begrün­dung, der Steu­er­ge­gen­stand sei unrich­tig bestimmt.

Ein­heit­li­cher Gewer­be­be­trieb – und der Rechts­schutz

Nach § 2 Abs. 1 GewStG bil­det jeder ste­hen­de Gewer­be­be­trieb einen Steu­er­ge­gen­stand der Gewer­be­steu­er. Unter­hält ein Unter­neh­mer gleich­zei­tig meh­re­re sach­lich selbst­stän­di­ge Gewer­be­be­trie­be, unter­liegt jeder die­ser Gewer­be­be­trie­be für sich der Gewer­be­steu­er 1. Eine natür­li­che Per­son (Ein­zel­un­ter­neh­mer) kann daher – im Gegen­satz zu Per­so­nen- und Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten – meh­re­re gewerb­li­che Betrie­be unter­hal­ten 2. Steu­er­ge­gen­stand gemäß § 2 Abs. 1 Satz 1 GewStG ist dann jeweils der ein­zel­ne Gewer­be­be­trieb. Für jeden Gewer­be­be­trieb ist ein eige­ner Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid zu erlas­sen, wobei der Gewer­be­er­trag jeweils um den Frei­be­trag nach § 11 Abs. 1 Satz 3 GewStG zu kür­zen ist 3.

Steu­er­schuld­ner und Adres­sat der Gewer­be­steu­er­mess­be­schei­de ist aber die­sel­be Per­son, der Unter­neh­mer (§ 5 Abs. 1 Satz 1 GewStG). Behan­delt das Finanz­amt zwei gewerb­li­che Betä­ti­gun­gen des­sel­ben Unter­neh­mers als ein­heit­li­chen Gewer­be­be­trieb und erlässt dem­entspre­chend nur einen Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid, kann der Unter­neh­mer die­sen auch nur ein­mal anfech­ten mit der Begrün­dung, dass der Steu­er­ge­gen­stand unrich­tig bestimmt sei.

Die Zuläs­sig­keit einer zwei­ten gegen den Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid gerich­te­ten Kla­ge ergibt sich auch nicht aus dem Umstand, dass der Klä­ger zwei­mal Ein­spruch gegen den Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid für 2011 ein­ge­legt und der Beklag­te über die Ein­sprü­che durch getrenn­te Ein­spruchs­ent­schei­dun­gen ent­schie­den hat. Auch bei wie­der­hol­ter Ein­spruchs­ein­le­gung gegen die­sel­ben Beschei­de han­delt es sich inhalt­lich um einen Ein­spruch 4. Die­ser Ein­spruch konn­te nur ein­mal zurück­ge­wie­sen wer­den; der zwei­ten Ein­spruchs­ent­schei­dung kommt daher kein eige­ner Rege­lungs­cha­rak­ter zu.

Ob es sich bei zwei durch den­sel­ben Klä­ger erho­be­nen und gegen den­sel­ben Steu­er­be­scheid gerich­te­ten Kla­gen bei dem­sel­ben Finanz­ge­richt eines Finanz­ge­richts um ein und die­sel­be Kla­ge han­delt und bei mehr­fa­cher Ein­tra­gung der Kla­ge die Vor­gän­ge unter einem Akten­zei­chen (nur) akten­mä­ßig zu ver­bin­den sind 5 oder ob für die zwei­te Kla­ge gemäß § 17 Abs. 1 Satz 2 GVG i. V. m. § 155 FGO das Pro­zess­hin­der­nis der ander­wei­ti­gen Rechts­hän­gig­keit besteht, das durch eine Ver­bin­dung der Ver­fah­ren gemäß § 73 Abs. 1 Satz 1 FGO zu besei­ti­gen ist 6 kann vor­lie­gend offen blei­ben, da ein Ver­bin­dungs­be­schluss am 12.11.2014 jeden­falls ergan­gen ist.

Finanz­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 20. Novem­ber 2014 – 3 K 99/​14

  1. BFH, Urteil vom 24.10.2012 – X R 36/​10, BFH/​NV 2013, 252[]
  2. BFH, Urteil vom 09.08.1989 – X R 130/​87, BFHE 158, 80, BSt­Bl II 1989, 901[]
  3. BFH, Urtei­le vom 24.06.2009 – X R 36/​06, BFHE 225, 407, BSt­Bl II 2010, 171; vom 12.01.1983 – IV R 177/​80, BFHE 138, 90, BSt­Bl II 1983, 425[]
  4. FG Ham­burg, Urteil vom 28.06.2007 – 3 K 237/​06, EFG 2008, 768[]
  5. so BFH, Beschluss vom 09.08.2001 – III R 58/​99, BFH/​NV 2002, 49; BFH, Urteil vom 13.09.1988 – VIII R 218/​85, BFH/​NV 1989, 354; FG Ham­burg, Urteil vom 28.06.2007 3 K 237/​06, EFG 2008, 768[]
  6. so BFH, Beschluss vom 26.05.2006 – IV B 151/​04, BFH/​NV 2006, 2086; Schall­mo­ser in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, AO/​FGO, § 66 FGO Rz. 31; Paetsch in Beermann/​Gosch, AO/​FGO, § 66 FGO Rz.20[]