Ein­schiffs­ge­sell­schaft – und die Gewer­be­steu­er­pflicht nach Auf­ga­be der Eigen­be­triebs­ab­sicht

Die Absicht zum lang­fris­ti­gen Betrieb von Han­dels­schif­fen ist Vor­aus­set­zung für die Anwen­dung der Gewinn­ermitt­lung nach der Ton­na­ge.

Ein­schiffs­ge­sell­schaft – und die Gewer­be­steu­er­pflicht nach Auf­ga­be der Eigen­be­triebs­ab­sicht

Wie der Bun­des­fi­nanz­hof mit Urteil vom 26.09.2013 1 ent­schie­den hat, setzt die Gewinn­ermitt­lung nach § 5a EStG u.a. die Absicht des Steu­er­pflich­ti­gen zum lang­fris­ti­gen Betrieb von Han­dels­schif­fen vor­aus. Dar­an fehlt es u.a., wenn eine Ein­schiffs­ge­sell­schaft ihr Schiff bereits vor sei­ner Indienst­stel­lung ver­äu­ßert hat 2. Die dage­gen gerich­te­ten Ein­wän­de grei­fen nicht durch. Es liegt ins­be­son­de­re kei­ne unzu­läs­si­ge Rechts­fort­bil­dung vor. Wie der Bun­des­fi­nanz­hof im zitier­ten Urteil aus­führ­lich dar­ge­legt hat, ergibt sich aus dem Sinn und Zweck des § 5a EStG, dass nur der lang­fris­tig ange­leg­te Betrieb von Han­dels­schif­fen begüns­tigt wer­den soll, und ins­be­son­de­re aus der in § 5a Abs. 3 EStG ent­hal­te­nen Bin­dungs­frist, dass die­ser Wil­le des Gesetz­ge­bers im Gesetz selbst auch hin­rei­chend zum Aus­druck kommt.

Danach konn­te die Ein­schiffs­ge­sell­schaft ihren Gewinn im Streit­jahr nicht nach § 5a EStG und ihren Gewer­be­er­trag folg­lich nicht nach § 7 Satz 3 des Gewer­be­steu­er­ge­set­zes (GewStG) i.V.m. § 5a EStG ermit­teln. Denn nach den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt hat­te sie das Schiff "A" schon mit Ver­trag vom … Mai 2004 und damit noch vor Beginn der Jah­res­frist ver­äu­ßert. Die­se Frist begann im Streit­fall frü­hes­tens mit der Über­nah­me des Schiffs von der Werft am … Juli 2004. Zu die­sem Zeit­punkt hat­te die Ein­schiffs­ge­sell­schaft den Ver­trag über die Ver­äu­ße­rung des Schiffs aber bereits geschlos­sen. Damit steht unwi­der­leg­bar fest, dass die Ein­schiffs­ge­sell­schaft schon bei Beginn der Jah­res­frist nicht mehr die Absicht zum lang­fris­ti­gen Betrieb von Han­dels­schif­fen i.S. des § 5a EStG hat­te und der Ein­satz des Schiffs daher nicht im Rah­men eines Betriebs von Han­dels­schif­fen i.S. des § 5a EStG erfolg­te. Ob Abwei­chen­des gilt, wenn der schuld­recht­li­che Ver­äu­ße­rungs­ver­trag spä­ter nicht durch­ge­führt wird, etwa weil er rück­ab­ge­wi­ckelt wird, bedarf im Streit­fall kei­ner Ent­schei­dung, denn ein sol­cher Fall liegt hier nicht vor.

Dahin­ste­hen kann daher, ob der für die Anwen­dung der Gewinn­ermitt­lung nach § 5a EStG erfor­der­li­che Antrag wirk­sam und frist­ge­recht 3 gestellt wur­de. Eben­so wenig kommt es dar­auf an, ob das Finanz­ge­richt dadurch gegen § 5a Abs. 4a Satz 3 EStG oder gegen § 119 Nr. 6 FGO ver­sto­ßen hat, dass es sich nicht mit der Fra­ge befasst hat, ob und ggf. in wel­cher Höhe die von der Ein­schiffs­ge­sell­schaft erst nach Erlass der ursprüng­li­chen Beschei­de vom 15.11.2005 erklär­ten Ver­gü­tun­gen nach § 5a Abs. 4a Satz 3 EStG hin­zu­zu­rech­nen und ent­spre­chend bei der Berech­nung des Gewer­be­er­trags nach § 7 Satz 3 GewStG i.V.m. § 5a EStG zu berück­sich­ti­gen sind.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 22. Janu­ar 2015 – IV R 10/​12

  1. BFH, Urteil vom 26.09.2013 – IV R 46/​10, BFHE 243, 223, BSt­Bl II 2014, 253[]
  2. vgl. BFH, Urteil in BFHE 243, 223, BSt­Bl II 2014, 253[]
  3. zu Letz­te­rem s. das BFH, Urteil vom 16.01.2014 – IV R 15/​13, BFHE 244, 364, BSt­Bl II 2014, 774[]