Gemeind­li­che "Steu­er­oa­sen" und die Kom­mu­nal­auf­sicht

Ein Land­rat darf kom­mu­nal­auf­sicht­lich gegen „Steu­er­oa­sen“-Gemein­de vor­ge­hen.

Gemeind­li­che "Steu­er­oa­sen" und die Kom­mu­nal­auf­sicht

Für eine als „Steu­er­oa­se“ bekann­te nord­frie­si­sche Gemein­de mit nur 39 Ein­woh­nern, in der sich wegen des nied­ri­gen Gewer­be­steu­er­he­be­sat­zes zahl­rei­che Unter­neh­men nie­der­ge­las­sen haben, hat­te der Land­rat des Krei­ses Nord­fries­land als Kom­mu­nal­auf­sichts­be­hör­de im März 2011 die rück­wir­ken­de Anhe­bung des Hebe­sat­zes für die Gewer­be­steu­er von 200 auf 310 v.H. sowie die Fest­set­zung der Hebe­sät­ze für die – bis­lang gar nicht erho­be­nen – Grund­steu­ern auf 270 v.H. ange­ord­net. Für das lau­fen­de Jahr 2011 zeich­ne sich auf­grund der gesetz­li­chen Umla­ge­ver­pflich­tun­gen nach dem Finanz­aus­gleichs­ge­setz ein Defi­zit im Haus­halt der Gemein­de von meh­re­ren Mil­lio­nen Euro ab, das auch aus Rück­la­gen nicht mehr aus­ge­gli­chen wer­den kön­ne. Damit ver­let­ze die Gemein­de ihre Pflich­ten zu ord­nungs­ge­mä­ßer Haus­halts­wirt­schaft und gefähr­de ihren Bestand.

Das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schied nun im Ver­fah­ren des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes, dass die Anord­nung des Land­ra­tes im Inter­es­se des Gemein­wohls zum Schut­ze vor einer tota­len Über­schul­dung der Gemein­de voll­zo­gen wer­den darf. Die in der Haus­halts­sat­zung der Gemein­de fest­ge­setz­ten Hebe­sät­ze führ­ten wegen der Rege­lun­gen über den Finanz­aus­gleich zur Zah­lungs­un­fä­hig­keit. Die Gemein­de zei­ge nicht auf, wie sie die unmit­tel­bar dro­hen­de dra­ma­ti­sche Ver­schul­dung abwen­den wol­le. Der Land­rat grei­fe mit der Anord­nung, die Hebe­sät­ze in Höhe der in § 10 Abs. 2 des Finanz­aus­gleichs­ge­set­zes fest­ge­leg­ten sog. Nivel­lie­rungs­sät­ze anzu­he­ben, nicht in ver­fas­sungs­wid­ri­ger Wei­se in die Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie der Gemein­de ein, weil jedes Unter­schrei­ten die­ser Sät­ze zu Fehl­be­trä­gen füh­re, wel­che die Gemein­de nicht aus­glei­chen kön­ne.

Schles­wig-Hol­stei­ni­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 21. Juni 2011 – 2 MB 30/​11