Gewer­be­er­trag – und die Min­dest­be­tei­li­gungs­quo­te

Nach § 7 Satz 1 GewStG 2009 ist Gewer­be­er­trag der nach den Vor­schrif­ten des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes oder des Kör­per­schaft­steu­er­ge­set­zes zu ermit­teln­de Gewinn aus dem Gewer­be­be­trieb, ver­mehrt und ver­min­dert um die in den §§ 8 und 9 GewStG 2009 bezeich­ne­ten Beträ­ge.

Gewer­be­er­trag – und die Min­dest­be­tei­li­gungs­quo­te

Dem Gewinn aus Gewer­be­be­trieb hin­zu­ge­rech­net wer­den nach § 8 Nr. 5 GewStG 2009 (u.a.) die nach § 8b Abs. 1 KStG 2002 außer Ansatz blei­ben­den Gewinn­an­tei­le (Divi­den­den) und die die­sen gleich­ge­stell­ten Bezü­ge und erhal­te­nen Leis­tun­gen aus Antei­len an einer Kör­per­schaft, Per­so­nen­ver­ei­ni­gung oder Ver­mö­gens­mas­se im Sin­ne des Kör­per­schaft­steu­er­ge­set­zes, soweit sie nicht die Vor­aus­set­zun­gen des § 9 Nr. 2a oder 7 GewStG 2009 erfül­len, nach Abzug der mit die­sen Ein­nah­men, Bezü­gen und erhal­te­nen Leis­tun­gen in wirt­schaft­li­chem Zusam­men­hang ste­hen­den Betriebs­aus­ga­ben, soweit die­se nach § 8b Abs. 5 KStG 2002 unbe­rück­sich­tigt blei­ben. Nach dem im Streit­fall ein­schlä­gi­gen § 9 Nr. 2a Satz 1 GewStG 2009 wird die Sum­me des Gewinns und der Hin­zu­rech­nun­gen u.a. gekürzt um die Gewin­ne aus Antei­len (u.a.) an einer nicht steu­er­be­frei­ten Kapi­tal­ge­sell­schaft i.S. des § 2 Abs. 2 GewStG 2009, wenn die Betei­li­gung zu Beginn des Erhe­bungs­zeit­raums min­des­tens 15 v.H. des Grund- oder Stamm­ka­pi­tals beträgt und die Gewinn­an­tei­le bei der Ermitt­lung des Gewinns (§ 7 GewStG 2009) ange­setzt wor­den sind.

Zwar könn­te der Geset­zes­text so ver­stan­den wer­den, dass § 8 Nr. 5 GewStG 2009 einer­seits und § 9 Nr. 2a GewStG 2009 ande­rer­seits sich streng genom­men aus­schlie­ßen. Denn einer­seits steht die Hin­zu­rech­nung gemäß § 8 Nr. 5 GewStG 2009 unter dem Vor­be­halt der Kür­zungs­vor­aus­set­zun­gen gemäß § 9 Nr. 2a GewStG 2009, ande­rer­seits ver­lan­gen bei­de Vor­schrif­ten, dass die ent­spre­chen­den Gewinn­an­tei­le bei der Ermitt­lung des Gewinns über­haupt ange­setzt wor­den sind. Dar­an fehlt es aber, wenn die Gewinn­an­tei­le infol­ge der Frei­stel­lung nach § 8b Abs. 1 KStG 2002 außer­bi­lan­zi­ell in Abzug gebracht wur­den. Das Schach­tel­pri­vi­leg könn­te des­we­gen im Ergeb­nis leer­lau­fen 1. Eine der­ar­ti­ge Les­art des Geset­zes­tex­tes wird den Norm­zu­sam­men­hän­gen aber nicht gerecht. Viel­mehr ist § 8 Nr. 5 GewStG 2009 inso­weit als Son­der­re­ge­lung auf­zu­fas­sen, die abs­trakt auf die Vor­aus­set­zun­gen des § 9 Nr. 2a GewStG 2009 abstellt; das Ansatz­er­for­der­nis in § 9 Nr. 2a Satz 1 letz­ter Satz­teil GewStG 2009 ist bei die­sem Ver­ständ­nis ver­zicht­bar. Das alles hat der Bun­des­fi­nanz­hof bereits in sei­nem Beschluss vom 09.11.2011 2 zum Aus­druck gebracht und dar­auf ist des­we­gen zu ver­wei­sen.

Gegen­stand des vor­lie­gen­den Rechts­streits ist vor die­sem Rege­lungs­hin­ter­grund die für den gesetz­li­chen Tat­be­stand der Kür­zung nach § 9 Nr. 2a Satz 1 GewStG 2009 erheb­li­che Fra­ge, ob die GmbH mit ihrer Betei­li­gung das stich­tags­be­zo­ge­ne Betei­li­gungs­er­for­der­nis ‑Betei­li­gung von min­des­tens 15 v.H. des Grund- oder Stamm­ka­pi­tals zu Beginn des Erhe­bungs­zeit­raums- erfüllt. Nur dann, wenn ein Grund- oder Stamm­ka­pi­tal nicht vor­han­den ist, tritt an des­sen Stel­le nach § 9 Nr. 2a Satz 2 GewStG 2009 das Ver­mö­gen oder ‑bei Erwerbs- oder Wirt­schafts­ge­nos­sen­schaf­ten- die Sum­me der Geschäfts­gut­ha­ben. Ansons­ten belässt die Rege­lung kei­ne Aus­nah­men. Ins­be­son­de­re eine Gewinn­be­tei­li­gung oder auch eine Stimm­rechts­mehr­heit genügt den tat­be­stand­li­chen Anfor­de­run­gen nicht. Die besag­ten Aus­nah­men sind im Streit­fall nicht ein­schlä­gig und an einer ent­spre­chen­den Kapi­tal­be­tei­li­gung man­gelt es bei der GmbH. Die­ser Man­gel lässt sich in Anbe­tracht des ein­deu­ti­gen und unmiss­ver­ständ­li­chen Tat­be­stan­des von § 9 Nr. 2a Satz 1 GewStG 2009 nicht im Aus­le­gungs­we­ge besei­ti­gen. Den vom Finanz­ge­richt ange­stell­ten Erwä­gun­gen ist nichts Wei­te­res hin­zu­zu­fü­gen.

Glei­ches gilt im Ergeb­nis für die Ein­wän­de, wel­che die GmbH gegen die durch das Unter­neh­men­steu­er­re­form­ge­setz 2008 vom 14.08.2007 3 von zuvor 10 v.H. auf 15 v.H. ange­ho­be­ne Min­dest­be­tei­li­gungs­quo­te gel­tend macht. Es ist rich­tig, dass die­ser Anhe­bung nach Lage der Din­ge zuvör­derst fis­ka­li­sche und haus­hal­te­ri­sche Erwä­gun­gen zugrun­de gele­gen haben mögen 4. Doch ist nicht erkenn­bar, dass sol­che Erwä­gun­gen den Gesetz­ge­ber dar­an hin­dern könn­ten, wie gesche­hen zu ver­fah­ren. Ver­fas­sungs­recht­li­che Grund­sät­ze tun das nicht. Auch inso­fern genügt es, auf das Urteil der Vor­in­stanz zu ver­wei­sen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 30. Mai 2014 – I R 12/​13

  1. s. Prinz/​Simon, Deut­sches Steu­er­recht 2002, 149[]
  2. BFH, Beschluss vom 09.11.2011 – I B 62/​11, BFH/​NV 2012, 449; s. auch Blümich/​Gosch, § 9 GewStG Rz 294; Gosch, KStG, 2. Aufl., § 8b Rz 75[]
  3. BGBl I 2007, 1912, BSt­Bl I 2007, 630[]
  4. s. BT-Drs. 16/​5491, S 23 f.[]