Gewer­be­steu­er bei EU-Gesell­schaf­ten

Mit einem gleich lau­ten­den Erlaß der obers­ten Finanz­be­hör­den der Län­der hat die Finanz­ver­wal­tung die not­wen­di­gen Reak­tio­nen auf die Urtei­le des Euro­päi­schen Gerichts­hofs über die Rechts­fä­hig­keit von Han­dels­ge­sell­schaf­ten gezo­gen, die in einem ande­ren EU-Land als dem Grün­dungs­staat tätig wer­den (dop­pelt ansäs­si­ge Gesell­schaf­ten).

Gewer­be­steu­er bei EU-Gesell­schaf­ten

Der EuGH hat in sei­nen Urtei­len vom 9.03.1999 – C‑212/​97 – und vom 5.11.2002 – C‑208/​00 – ent­schie­den,
dass die in den Arti­keln 43 und 48 des EG-Ver­tra­ges garan­tier­te Nie­der­las­sungs­frei­heit einer Rege­lung ent­ge­gen­steht, die die Auf­lö­sung einer nach dem Recht eines ande­ren Mit­glied­staa­tes gegrün­de­ten Gesell­schaft durch Begrün­dung oder Ver­le­gung des Sit­zes der tat­säch­li­chen Geschäfts­lei­tung in einem ande­ren Mit­glied­staat vor­sieht, sofern das Recht des Grün­dungs­staa­tes dies ohne Auf­lö­sung zulässt. Das hat zur Fol­ge, dass durch die Ver­le­gung des Geschäfts­sit­zes die Exis­tenz der Gesell­schaft unbe­rührt bleibt und die­se in dem ande­ren Mit­glieds­staat als rechts­fä­hig zu behan­deln ist. Die Fol­ge die­ser Recht­spre­chung läßt sich unschwer an der wach­sen­den Zahl der hier in Deutsch­land täti­gen eng­li­schen "Limi­ted" able­sen.

Die nach dem Recht eines ande­ren EU – Staa­tes gegrün­de­ten Gesell­schaf­ten mit Geschäfts­le itung im Inland erlan­gen nach bis­he­ri­ger gewer­be­steu­er­li­cher Ver­wal­tungs­auf­fas­sung erst mit der Ein­tra­gung in das deut­sche Han­dels­re­gis­ter ihre Rechts­fä­hig­keit im Inland (Abschn. 13 Abs. 2 Satz 4 Gew­StR). Die­se Ver­wal­tungs­auf­fas­sung ist durch die Urtei­le des EuGH über­holt, da die­se Gesell­schaf­ten im Inland regel­mä­ßig unab­hän­gig von einer Ein­tra­gung auch in das deut­sche Han­dels­re­gis­ter stets allein auf­grund ihrer ord­nungs­ge­mä­ßen Grün­dung im Sitz­land voll rechts­fä­hig sind. Auf die Ein­tra­gung im deut­schen Han­dels­re­gis­ter kommt es mit­hin nicht mehr an.

Die­ser Erlass ist in allen noch nicht bestands­kräf­ti­gen Fäl­len bei Begrün­dung der dop­pel­ten Ansäs­sig­keit einer in den Gel­tungs­be­reich des EGV fal­len­den Gesell­schaft anzu­wen­den. Wirkt sich dies zum Nach­teil eines Steu­er­pflich­ti­gen aus, ist sie für Gewer­be­steu­er­zwe­cke aus Bil­lig­keits­grün­den erst­mals ab Erhe­bungs­zeit­raum 2004 anzu­wen­den.

Gleich lau­ten­der Erlass der obers­ten Finanz­be­hör­den der Län­der vom 20.05.2005 – Finanz­mi­nis­te­ri­um des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len – G 1402 – 22 – V B 4 – u.a.