Gewer­be­steu­er für Grund­stücks­un­ter­neh­men

Nach § 9 Nr. 1 des Gewer­be­steu­er­ge­set­zes ist der gewerb­steu­er­lich rele­van­te Gewinn auf Antrag bei Unter­neh­men, die aus­schließ­lich eige­nen Grund­be­sitz oder neben eige­nem Grund­be­sitz eige­nes Kapi­tal­ver­mö­gen ver­wal­ten und nut­zen oder dane­ben Woh­nungs­bau­ten betreu­en oder Ein­fa­mi­li­en­häu­ser, Zwei­fa­mi­li­en­häu­ser oder Eigen­tums­woh­nun­gen errich­ten und ver­äu­ßern, um den Teil des Gewer­be­er­trags zu kür­zen, der auf die Ver­wal­tung und Nut­zung des eige­nen Grund­be­sit­zes ent­fällt. Das Glei­che gilt, wenn in Ver­bin­dung mit der Errich­tung und Ver­äu­ße­rung von Eigen­tums­woh­nun­gen Teil­ei­gen­tum im Sin­ne des Woh­nungs­ei­gen­tums­ge­set­zes errich­tet und ver­äu­ßert wird und das Gebäu­de zu mehr als 66 2/​3 Pro­zent Wohn­zwe­cken dient.

Gewer­be­steu­er für Grund­stücks­un­ter­neh­men

Die­se Kür­zungs­mög­lich­keit ent­fällt jedoch, wenn der Grund­be­sitz zumin­dest teil­wei­se dem Gewer­be­be­trieb eines Gesell­schaf­ters oder Genos­sen dient oder soweit der Gewer­be­er­trag Gewin­ne aus der Auf­de­ckung stil­ler Reser­ven aus dem Grund­be­sitz ent­hält, der inner­halb von drei Jah­ren vor der Auf­de­ckung der stil­len Reser­ven zu einem unter dem Teil­wert lie­gen­den Wert in das Betriebs­ver­mö­gen des auf­de­cken­den Gewer­be­be­triebs über­führt oder über­tra­gen wor­den ist, und soweit die­se Gewin­ne auf bis zur Über­füh­rung oder Über­tra­gung ent­stan­de­nen stil­len Reser­ven ent­fal­len.

Hier­zu hat der Bun­des­fi­nanz­hof jetzt fest­ge­stellt, dass die­se Vor­schrift im Wege der teleo­lo­gi­schen Reduk­ti­on in der Wei­se ein­zu­schrän­ken ist, dass dem Grund­stücks­un­ter­neh­men die erwei­ter­te Kür­zung des Gewer­be­er­trags nach § 9 Nr. 1 Satz 2 GewStG auch dann zu gewäh­ren ist, wenn das über­las­se­ne Grund­stück zwar dem Gewer­be­be­trieb eines Gesell­schaf­ters oder Genos­sen dient, die­ses den Grund­be­sitz nut­zen­de Unter­neh­men jedoch mit allen sei­nen (posi­ti­ven wie nega­ti­ven) Ein­künf­ten von der Gewer­be­steu­er befreit ist.

Lie­gen die­se Vor­aus­set­zun­gen nicht vor, ist die Kür­zung (ent­ge­gen der Rege­lung in Abschnitt 60 Abs. 4 Satz 9 der Gewe­be­steu­er­richt­li­ni­en) selbst dann aus­ge­schlos­sen, wenn nur ein gering­fü­gi­ger Teil des über­las­se­nen Grund­be­sit­zes dem Gewer­be­be­trieb dient.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 26. Juni 2007 – IV R 9/​05