Gewer­be­steu­er im Kon­zern

Die Gewer­be­steu­er­be­frei­ung der Organ­trä­ge­rin nach § 3 Nr. 20 Buchst. c Gewer­be­steu­er­ge­setz erstreckt sich nach einem aktu­el­len Urteil des Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richts nicht auf die Organ­ge­sell­schaft.

Gewer­be­steu­er im Kon­zern

Die Befrei­ung einer Organ­ge­sell­schaft von der Gewer­be­steu­er gemäß § 3 Nr. 20 GewStG erstreckt sich auch dann nicht auf eine ande­re Organ­ge­sell­schaft des­sel­ben Organ­krei­ses, die die Befrei­ungs­vor­aus­set­zun­gen ihrer­seits nicht erfüllt, wenn die Tätig­kei­ten der Gesell­schaf­ten sich gegen­sei­tig ergän­zen. Die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen einer gesetz­li­chen Steu­er­be­frei­ung müs­sen von der jewei­li­gen Organ­ge­sell­schaft selbst erfüllt wer­den 1.

Nach § 2 Abs. 2 Nr. 2 Satz 2 GewStG gel­ten Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten, die der­art in ein ande­res inlän­di­sches gewerb­li­ches Unter­neh­men ein­ge­glie­dert sind, dass die Vor­aus­set­zun­gen des § 14, 17 oder 18 KStG erfüllt sind, als Betriebs­stät­ten des ande­ren Unter­neh­mens (sog. gewer­be­steu­er­recht­li­che Organ­schaft). Trotz die­ser Fik­ti­on bil­den die ein­ge­glie­der­ten Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten (die Organ­ge­sell­schaf­ten) und das ande­re Unter­neh­men (der Organ­trä­ger) kein ein­heit­li­ches Unter­neh­men. Sie blei­ben viel­mehr selb­stän­di­ge Gewer­be­be­trie­be, die ein­zeln für sich bilan­zie­ren und deren Gewer­be­er­trä­ge getrennt zu ermit­teln sind (sog. gebro­che­ne oder ein­ge­schränk­te Ein­heits­theo­rie) 2. Die Organ­schaft führt dazu, dass die per­sön­li­che Gewer­be­steu­er­pflicht der Organ­ge­sell­schaf­ten für die Dau­er der Organ­schaft dem Organ­trä­ger zuge­rech­net wird 3. Des­halb ist der ein­heit­li­che Gewer­be­steu­er­mess­be­trag für die zum Organ­kreis gehö­ren­den Gewer­be­be­trie­be – das sind die Gewer­be­be­trie­be des Organ­trä­gers und der Organgesellschaft(en) – allein gegen­über dem Organ­trä­ger fest­zu­set­zen.

Um den für die Fest­set­zung des Steu­er­mess­be­tra­ges nach dem Gewer­be­er­trag maß­ge­ben­den Gewer­be­er­trag des Organ­krei­ses zu ermit­teln, sind die getrennt ermit­tel­ten Gewer­be­er­trä­ge des Organ­trä­gers und der Organgesellschaft(en) zusam­men­zu­rech­nen und die Sum­me um die sich auf­grund der Zusam­men­rech­nung etwa erge­ben­den steu­er­li­chen Dop­pel­be­las­tun­gen oder unge­recht­fer­tig­ten steu­er­li­chen Ent­las­tun­gen zu kor­ri­gie­ren. Je nach­dem, um wel­chen Rechen­pos­ten es sich han­delt, sind die Kor­rek­tu­ren ent­we­der bereits bei den selb­stän­dig ermit­tel­ten Gewer­be­er­trä­gen der zum Organ­kreis gehö­ren­den Betrie­be oder nach­fol­gend durch Hin­zu­rech­nun­gen zu bzw. Abzü­gen von der Sum­me der getrennt ermit­tel­ten Gewer­be­er­trä­ge vor­zu­neh­men. Rechts­grund­la­ge der Kor­rek­tu­ren ist § 2 Abs. 2 Nr. 2 Satz 2 GewStG 4.

Nie­der­säch­si­sches Finanz­ge­richt, Urteil vom 19. März 2009 – 6 K 441/​08 (Revi­si­on zum BFH ein­ge­legt – I R 41/​09)

  1. BFH in BSt­Bl II 2004, 244[]
  2. s. zur inso­weit stän­di­gen Recht­spre­chung BFH, Urtei­le vom 18. Sep­tem­ber 1996 I R 44/​95, BFHE 181, 504, BSt­Bl II 1997, 181; vom 22. April 1998 I R 109/​97, BFHE 186, 443, BSt­Bl II 1998, 748[]
  3. s. BFH, Urteil vom 27. Juni 1990 I R 183/​85, BFHE 161, 157, 160, BSt­Bl II 1990, 916, 918[]
  4. s. BFH, Urtei­le vom 6. Novem­ber 1985 I R 56/​82, BFHE 145, 78, BSt­Bl II 1986, 73, m. w. N.; vom 2. Febru­ar 1994 I R 10/​93, BFHE 173, 426, BSt­Bl II 1994, 768; vom 25. Juli 1995 VIII R 54/​93, BFHE 178, 448, BSt­Bl II 1995, 794; in BFHE 181, 504, BSt­Bl II 1997, 181; in BFHE 186, 443, BSt­Bl II 1998, 748; vgl. zum Gan­zen BFH in BSt­Bl II 2004, 244 zu § 2 Abs. 2 Nr. 2 Satz 2 GewStG 1984[]