Gewer­be­steu­er­be­frei­ung für Wirt­schafts­för­de­rungs­ge­sell­schaf­ten

Nach § 3 Nr. 25 GewStG 1991/​1999/​2002 sind von der Gewer­be­steu­er Wirt­schafts­för­de­rungs­ge­sell­schaf­ten befreit, wenn sie von der Kör­per­schaft­steu­er befreit sind. Nach § 5 Abs. 1 Nr. 18 Satz 1 KStG 1991/​1996/​1999/​2002 sind von der Kör­per­schaft­steu­er Wirt­schafts­för­de­rungs­ge­sell­schaf­ten befreit, deren Tätig­keit sich auf die Ver­bes­se­rung der sozia­len und wirt­schaft­li­chen Struk­tur einer bestimm­ten Regi­on durch För­de­rung der Wirt­schaft, ins­be­son­de­re durch Indus­trie­an­sied­lung, Beschaf­fung neu­er Arbeits­plät­ze und Sanie­rung von Alt­las­ten beschrän­ken, wenn an ihnen über­wie­gend Gebiets­kör­per­schaf­ten betei­ligt sind.

Gewer­be­steu­er­be­frei­ung für Wirt­schafts­för­de­rungs­ge­sell­schaf­ten

Vor­aus­set­zung für die Steu­er­be­frei­ung nach Satz 2 der genann­ten Vor­schrift ist, dass das Ver­mö­gen und etwa erziel­te Über­schüs­se nur zur Errei­chung des in Satz 1 genann­ten Zwecks ver­wen­det wer­den.

Die Vor­schrift bezweckt eine Struk­tur­ver­bes­se­rung durch För­de­rung der Wirt­schaft. Unter­neh­men sol­len Anrei­ze gebo­ten wer­den, sich in einer bestimm­ten Regi­on anzu­sie­deln oder ihren Betrieb zu erwei­tern. Dabei sind die im Gesetz genann­ten För­der­maß­nah­men nicht abschlie­ßend; viel­mehr sind ver­gleich­ba­re gleich­ge­rich­te­te Maß­nah­men eben­falls begüns­tigt 1. Vor­aus­set­zung ist aber zum einen eine "För­de­rung der Wirt­schaft", zum ande­ren muss es sich um Tätig­kei­ten han­deln, die eine ver­gleich­ba­re Ziel­rich­tung haben.

Zu die­sen Rege­lungs­vor­aus­set­zun­gen und zu die­sem Rege­lungs­zweck hat der Bun­des­fi­nanz­hof sich in sei­nem zitier­ten Urteil in BFHE 211, 117, BSt­Bl II 2006, 141 ein­ge­hend geäu­ßert und dem hat sich auch die Vor­in­stanz mit eben­falls gründ­li­chen Erwä­gun­gen ange­schlos­sen. Die Gege­ben­hei­ten des Streit­falls und das Vor­brin­gen der Klä­ge­rin ver­an­las­sen den Bun­des­fi­nanz­hof nicht, davon abzu­rü­cken, so dass es, um blo­ße Wie­der­ho­lun­gen zu ver­mei­den, genügt, die Kern­ge­dan­ken jener Ent­schei­dung noch ein­mal auf­zu­grei­fen und im Übri­gen auf die­se zu ver­wei­sen:

Von der Steu­er­be­güns­ti­gung i.S. von § 5 Abs. 1 Nr. 18 KStG 1991/​1996/​1999/​2002 sind nur för­dern­de Maß­nah­men zur Bele­bung der Wirt­schaft und Ver­bes­se­rung der Infra­struk­tur erfasst. Hier­von ist grund­sätz­lich nur dann aus­zu­ge­hen, wenn es sich um sach­lich und zeit­lich eng umris­se­ne Hil­fe­leis­tun­gen zur Ansied­lung von neu­en Unter­neh­men oder der Erwei­te­rung von bestehen­den Unter­neh­men han­delt. Nicht der För­de­rung der Wirt­schaft die­nen dage­gen eigen­wirt­schaft­li­che Tätig­kei­ten, mit denen die Wirt­schafts­för­de­rungs­ge­sell­schaf­ten zu bestehen­den Unter­neh­men in Wett­be­werb tre­ten, sofern es sich nicht um eine Bera­tung oder ähn­li­che Tätig­kei­ten zum Zwe­cke der Ansied­lung oder der Alt­las­ten­sa­nie­rung han­delt. Eben­so wenig fal­len direk­te und indi­rek­te mate­ri­el­le Hil­fen an ansied­lungs­wil­li­ge Unter­neh­men unter § 5 Abs. 1 Nr. 18 KStG 1991/​1996/​1999/​2002.

Mit der Vor­schrift des § 5 Abs. 1 Nr. 18 KStG 1991/​1996/​1999/​2002 rückt der Gesetz­ge­ber nicht vom Grund­satz der Wett­be­werbs­gleich­heit ab und erklärt jed­we­de wirt­schaft­li­che Tätig­keit der Wirt­schafts­för­de­rungs­ge­sell­schaf­ten auch zu Las­ten bereits bestehen­der Unter­neh­men für steu­er­be­freit. Viel­mehr begüns­tigt er nur Tätig­kei­ten der Wirt­schafts­för­de­rungs­ge­sell­schaf­ten, die nach Inhalt und geför­der­tem Per­so­nen­kreis allen­falls zu einer gerin­gen Wett­be­werbs­be­ein­träch­ti­gung füh­ren, und die durch die damit ein­her­ge­hen­de Ver­bes­se­rung der sozia­len und wirt­schaft­li­chen Struk­tur einer Regi­on hin­zu­neh­men ist.

Die­se Maß­stä­be stim­men weit­ge­hend mit der Ver­wal­tungs­pra­xis 2 über­ein.

Nach die­sen Maß­stä­ben ver­nein­te der Bun­des­fi­nanz­hof im vor­lie­gen­den Fall, dass es sich bei der kla­gen­den, im städ­ti­schen Besitz befind­li­chen W‑GmbH um eine steu­er­be­güns­tig­te Wirt­schafts­för­de­rungs­ge­sell­schaft han­del: Das Finanz­ge­richt hat dazu fest­ge­stellt, dass die W‑GmbH lang­fris­ti­ge Miet­ver­trä­ge zu markt­üb­li­chen Kon­di­tio­nen sowohl mit staat­li­chen Mit­tel- und Ober­be­hör­den als auch mit pri­va­ten Unter­neh­men geschlos­sen hat, ohne dass ein erkenn­ba­rer (ggf. wirt­schafts­för­dern­der) Bezug zu einer Ansied­lung oder einer Erwei­te­rung eigen­wirt­schaft­li­cher Tätig­kei­ten vor­ge­le­gen hät­te. Die W‑GmbH hat sich zudem als per­sön­lich haf­ten­de Gesell­schaf­te­rin an einer kom­mu­na­len Grund­stücks­ge­sell­schaft betei­ligt und hier­bei Dienst­leis­tun­gen der Grund­stücks­be­wirt­schaf­tung über­nom­men. Sie ist damit in unmit­tel­ba­rem Wett­be­werb zu ver­gleich­ba­ren pri­va­ten Ver­mie­tern und Ver­mie­tungs­un­ter­neh­men getre­ten. Dass eine der­ar­ti­ge Wett­be­werbs­si­tua­ti­on vom Finanz­ge­richt nicht kon­kret ermit­telt oder fest­ge­stellt wor­den ist, tut dabei nichts zur Sache; es genügt, wie der Bun­des­fi­nanz­hof viel­fach zu der ver­gleich­ba­ren Aus­gangs­la­ge des Vor­lie­gens eines wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­triebs (§ 14 der Abga­ben­ord­nung) im Zusam­men­hang mit der Kör­per­schaft­steu­er­be­frei­ung bei­spiel­wei­se nach § 5 Abs. 1 Nr. 5 und Nr. 9 KStG zum Aus­druck gebracht hat 3, eine poten­ti­el­le Wett­be­werbs­si­tua­ti­on. Für die Situa­ti­on des § 5 Abs. 1 Nr. 18 KStG 1991/​1996/​1999/​2002 und damit auch des § 3 Nr. 25 GewStG 1991/​1999/​2002 kann nichts ande­res gel­ten.

Allein auf­grund der vor­ge­nann­ten Akti­vi­tä­ten hat sich die W‑GmbH nicht auf eine ent­spre­chen­de wirt­schafts­för­dern­de Tätig­keit beschränkt. Da sol­ches von § 5 Abs. 1 Nr. 18 KStG 1991/​1996/​1999/​2002 jedoch ver­langt wird, ent­fällt hier­nach eine Steu­er­be­frei­ung. Ob es aus Grün­den der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit dabei auf den Umfang der befrei­ungs­schäd­li­chen Akti­vi­tä­ten ankommt 4, kann dahin­ste­hen; nach den tatrich­ter­li­chen Fest­stel­lun­gen hat die W‑GmbH in nicht unbe­trächt­li­cher und des­halb auch nicht in ggf. zu ver­nach­läs­si­gen­der Wei­se befrei­ungs­schäd­li­che Akti­vi­tä­ten ent­wi­ckelt 5. Eben­so wenig kann es dar­auf ankom­men, aus wel­chen Grün­den die W‑GmbH sich "am Markt" betä­tigt hat; auch wenn dafür wirt­schaft­lich "ver­nünf­ti­ge" Grün­de bestehen mögen, las­sen die­se die erstreb­te Steu­er­be­frei­ung ent­fal­len. Und es braucht auch nicht mehr auf die ‑vom Finanz­ge­richt bejah­te- Fra­ge ein­ge­gan­gen zu wer­den, ob glei­cher­ma­ßen die Betei­li­gung der W‑GmbH an der Betriebs­ge­sell­schaft des Lokal­funk­sen­ders befrei­ungs­schäd­lich ist.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 25. März 2015 – I R 91/​12

  1. vgl. BT-Drs. 12/​4487, S. 60, 61, sowie BFH, Urtei­le vom 26.02.2003 – I R 49/​01, BFHE 202, 97, BSt­Bl II 2003, 723; vom 03.08.2005 – I R 37/​04, BFHE 211, 117, BSt­Bl II 2006, 141[]
  2. BMF, Schrei­ben in BSt­Bl I 1996, 54[]
  3. vgl. BFH, Urtei­le vom 07.05.2014 – I R 65/​12, BFHE 245, 517; vom 31.07.2013 – I R 82/​12, BFHE 243, 180, BSt­Bl II 2015, 123, jeweils m.w.N.[]
  4. ver­nei­nend z.B. Hes­si­sches FG, Urteil vom 03.09.2013 – 4 K 965/​11, EFG 2014, 1225; beja­hend z.B. OFD Mün­chen und Nürn­berg, Ver­fü­gung vom 15.05.2003, DStR 2003, 1525; zum Pro­blem auch Gosch/​Heger, KStG, 2. Aufl., § 5 Rz 322 f.[]
  5. s. dazu Gosch/​Heger, eben­da, m.w.N.[]