Gewer­be­steu­er­frei­heit nur für staat­li­che Lot­to-Annah­me­stel­len

Die Tätig­keit der Ein­neh­mer einer staat­li­chen Lot­te­rie unter­liegt gemäß § 13 GewSt­DV auch dann nicht der Gewer­be­steu­er, wenn sie im Rah­men eines Gewer­be­be­triebs aus­ge­übt wird. Die­se Gewer­be­steu­er­frei­heit nach § 13 GewSt­DV bezieht sich jedoch aus­schließ­lich auf Betrei­ber von staat­li­chen Lot­to-Annah­me­stel­len, wie jetzt das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf bekräf­tig­te.

Gewer­be­steu­er­frei­heit nur für staat­li­che Lot­to-Annah­me­stel­len

Die Rege­lung des § 13 GewSt­DV

Nach dem Wort­laut des § 13 GewSt­DV unter­liegt die Tätig­keit der Ein­neh­mer einer staat­li­chen Lot­te­rie auch dann nicht der Gewer­be­steu­er, wenn sie im Rah­men eines Gewer­be­be­trie­bes aus­ge­übt wird. Ein­neh­mer sind die Inha­ber der Annah­me­stel­len (Ver­triebstel­len), die die Lot­te­rie­ge­schäf­te mit den Kun­den abschlie­ßen 1. Sie ver­mit­teln die Lot­te­rie­ver­trä­ge im unmit­tel­ba­ren Ver­kehr mit den Teil­neh­mern 2. § 13 GewSt­DV steht im Zusam­men­hang mit § 3 Nr. 1 GewStG, wonach staat­li­che Lot­te­rie­un­ter­neh­men selbst von der Gewer­be­steu­er befreit sind. Vor­aus­set­zung für die Befrei­ungs­vor­schrift ist das Vor­lie­gen einer staat­li­chen Lot­te­rie. Eine Lot­te­rie ist staat­lich, wenn sie der Staat (d. h. ein Bun­des­land) selbst (als Regie­be­trieb) oder in Form einer rechts­fä­hi­gen Anstalt des öffent­li­chen Rechts betreibt 3.

Ver­stoß gegen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz

Die Nicht­er­fas­sung ande­rer als staat­li­cher Lot­te­ri­en und wei­te­rer Per­so­nen als den Ein­neh­mern einer staat­li­cher Lot­te­rie von der Gewer­be­steu­er­frei­stel­lung ver­stößt nach Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf nicht gegen Art. 3 Abs. 1 GG. Der Gleich­heits­satz ver­langt für das Steu­er­recht, dass die Steu­er­pflich­ti­gen durch die Steu­er­ge­set­ze recht­lich und tat­säch­lich gleich­mä­ßig belas­tet wer­den. Der mit jeder Besteue­rung ver­bun­de­ne Ein­griff in die Ver­mö­gens- und Rechts­sphä­re des Steu­er­pflich­ti­gen gewinnt sei­ne Recht­fer­ti­gung aus der Gleich­heit der Las­ten­zu­tei­lung. Im Steu­er­recht müs­sen daher steu­er­be­grün­den­de Vor­schrif­ten dem Prin­zip einer mög­lichst gleich­mä­ßi­gen Belas­tung der Steu­er­pflich­ti­gen beson­ders Rech­nung tra­gen 4. Steu­er­be­frei­un­gen ein­zel­ner Steu­er­pflich­ti­ger bedür­fen der Recht­fer­ti­gung. Dies gilt ins­be­son­de­re dann, wenn ande­re Steu­er­pflich­ti­ge hier­durch in ihrer Wett­be­werbs­gleich­heit beein­träch­tigt wer­den 5. Aus dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz erge­ben sich je nach Rege­lungs­ge­gen­stand und Dif­fe­ren­zie­rungs­merk­ma­len unter­schied­li­che Gren­zen, die vom blo­ßen Will­kür­ver­bot bis zu einer stren­gen Bin­dung an Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­er­for­der­nis­se rei­chen 6. Genaue Maß­stä­be und Kri­te­ri­en dafür, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen im Ein­zel­fall der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz ver­letzt ist, las­sen sich nicht abs­trakt und all­ge­mein, son­dern nur bezo­gen auf die jeweils betrof­fe­nen unter­schied­li­chen Sach- und Rege­lungs­be­rei­che bestim­men 7.

Grund­sätz­lich ist es Sache des Gesetz­ge­bers zu ent­schei­den, wel­che Lebens­ver­hält­nis­se er als maß­ge­bend für eine Gleich- oder Ungleich­be­hand­lung ansieht. Bei der Über­prü­fung eines Geset­zes auf sei­ne Ver­ein­bar­keit mit dem Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG ist nicht zu unter­su­chen, ob der Gesetz­ge­ber die zweck­mä­ßigs­te oder gerech­tes­te Lösung gefun­den hat, son­dern nur, ob er die ver­fas­sungs­recht­li­chen Gren­zen sei­ner Gestal­tungs­frei­heit ein­ge­hal­ten hat. Ein Ver­stoß gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz kommt vor allem in Betracht, wenn der Gesetz­ge­ber eine Grup­pe von Normadres­sa­ten im Ver­gleich zu ande­ren Normadres­sa­ten anders behan­delt, obwohl zwi­schen den bei­den Grup­pen kei­ne Unter­schie­de von sol­cher Art und sol­chem Gewicht bestehen, die die Ungleich­be­hand­lung recht­fer­ti­gen könn­ten. Der Gleich­heits­satz ist nicht ver­letzt, solan­ge z. B. finanz­po­li­ti­sche, volks­wirt­schaft­li­che, sozi­al­po­li­ti­sche oder steu­er­tech­ni­sche Erwä­gun­gen die ver­schie­de­nen Behand­lun­gen moti­vie­ren 8. Ein Ver­stoß gegen das Will­kür­ver­bot liegt erst dann vor, wenn die Unsach­lich­keit der Dif­fe­ren­zie­rung evi­dent ist 9. Ein Art. 3 Abs. 1 GG genü­gen­der Ver­gleich darf sich nicht auf die Prü­fung der unter­schied­li­chen Belas­tun­gen inner­halb eines Steu­er­ge­set­zes beschrän­ken. Gleich­heits­er­heb­lich ist viel­mehr der durch die Gesamt­re­ge­lung her­ge­stell­te Belas­tungs­er­folg 10.

Gemes­sen an die­sen Grund­sät­zen sieht das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf die vom Gesetz­ge­ber getrof­fe­ne Unter­schei­dung zwi­schen staat­li­chen Lot­te­ri­en und den für sie täti­gen Ein­neh­mern gegen­über den Tätig­kei­ten pri­va­ter Lot­te­rie­ein­neh­mer oder der Betrei­ber von Lot­to­sys­te­men als ver­fas­sungs­recht­lich ver­tret­bar an. Die gewer­be­steu­er­li­che Pri­vi­le­gie­rung staat­li­cher Lot­te­ri­en fin­det ihre Recht­fer­ti­gung grund­sätz­lich dar­in, dass die­se als Ver­an­stal­ter einer inlän­di­schen öffent­li­chen Lot­te­rie gemäß §§ 17, 19 Renn­w­LottG eine Lot­te­rie­steu­er von 20 % des plan­mä­ßi­gen Prei­ses (Nenn­wert) sämt­li­cher Lose schul­den, im Gegen­zug dafür aber von der Gewer­be- und der Kör­per­schafts­steu­er (§ 5 Abs. 1 Nr. 1 KStG) und auch der Umsatz­steu­er (§ 4 Nr. 9 b UStG) befreit sind 11.

Gewer­be­steu­er­pflicht trotz gleich­zei­ti­ger Lot­te­rie­steu­er­pflicht

Da die Klä­ge­rin als Lot­to­sys­tem­an­bie­te­rin gleich­zei­tig lot­te­rie­steu­er­pflich­tig ist 12, ist eine ver­fas­sungs­wid­ri­ge Ungleich­be­hand­lung nicht schon im Hin­blick auf einen steu­er­li­chen Belas­tungs­ver­gleich zu ver­nei­nen. Zu berück­sich­ti­gen ist jedoch, dass die steu­er­li­che Dop­pel­be­las­tung nur dann ein­tre­ten kann, wenn unter Umge­hung des staat­li­chen Glücks­spiel­mo­no­pols eine lot­te­rie­steu­er­pflich­ti­ge Tätig­keit ohne öffent­lich-recht­li­che Geneh­mi­gung aus­ge­übt wird. Für die­se Fäl­le ist eine Ungleich­be­hand­lung im Hin­blick auf das grund­sätz­lich zuläs­si­ge staat­li­che Glück­spiel­mo­no­pol, soweit es in sei­ner Aus­ge­stal­tung dem Schutz der Ver­brau­cher und der Sozi­al­ord­nung dient 13, nach Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf mit dem Will­kür­ver­bot ver­ein­bar.

Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 12. März 2009 -14 K 5123/​05 G

  1. vgl. Lenski/​Steinberg, Gewer­be­steu­er­ge­setz, Kom­men­tar, § 2 Rz. 896[]
  2. Lenski/​Steinberg, a. a. O., § 3 Rz. 368[]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 24.10.1984 – I R 158/​81, BSt­Bl II 1985, 223[]
  4. vgl. BVerfG, Urteil vom 27.06.1991 – 2 BvR 1493/​89, BSt­Bl II 1991, 654[]
  5. vgl. BVerfG, Beschluss vom 26.10.1976 – 1 BvR 191/​74, BVerfGE 43, 58[]
  6. vgl. BVerfG, Beschluss vom 04.12.2002 – 2 BvR 400/​98, BVerfGE 107, 27, 45[]
  7. vgl. BVerfG, Beschlüs­se vom 08.04.1987 – 2 BvR 909/​82, BVerfGE 75, 108, 157; und vom 04.12.2002 – 2 BvR 400/​98, 107, 27, 46; stän­di­ge Recht­spre­chung[]
  8. vgl. BFH, Urteil vom 27.08.1996 – VII R 14/​95, BFHE 181, 243, unter Bezug­nah­me auf BVerfG, Beschluss vom 06.12.1983 – 2 BvR 127/​79, BVerfGE 65, 325, 357, m. w. N.[]
  9. vgl. BverfG, Beschluss vom 05.10.1993 – 1 BvL 34/​81, BVerfGE 89, 132, 141 f[]
  10. vgl. BVerfG, Beschluss vom 10.04.1997 – 2 BvL 77/​92, BSt­Bl II 1997, 518[]
  11. vgl. zur Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit einer Ungleich­be­hand­lung bei der Gewer­be­steu­er­pflicht zwi­schen pri­va­ten Spiel­ge­rä­te­be­trei­bern und zuge­las­se­nen öffent­li­chen Spiel­ban­ken auf Grund eines Belas­tungs­ver­gleichs BFH, Beschluss vom 29.03.2001 – III B 80/​00, BFH/​NV 2001, 1294[]
  12. BFH, Urteil vom 02.04.2008 – II R 4/​06[]
  13. vgl. BVerfG, Beschluss vom 28.03.2006 – 1 BvR 1054/​01, NJW 2006, 1261[]