Gewer­be­steu­er­li­che Organ­schaft mit steu­er­be­frei­tem Organ­trä­ger

Die gewer­be­steu­er­li­che Steu­er­be­frei­ung einer Kapi­tal­ge­sell­schaft für den Betrieb eines Senio­ren- und Pfle­ge­heims erstreckt sich nicht auf Gewinn­ab­füh­run­gen einer Toch­ter­ge­sell­schaft , die aus­schließ­lich Dienst­leis­tun­gen für den Heim­be­trieb erbringt.

Gewer­be­steu­er­li­che Organ­schaft mit steu­er­be­frei­tem Organ­trä­ger

In dem vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te eine GmbH (Organ­trä­ge­rin), die ein von der Gewer­be­teu­er befrei­tes Senio­ren- und Pfle­ge­heim betrieb, mit einer Toch­ter­ge­sell­schaft (Organ­ge­sell­schaft) eine gewer­be­steu­er­li­che Organ­schaft gegrün­det. Die Toch­ter­ge­sell­schaft berei­te­te im Auf­trag der Mut­ter­ge­sell­schaft gegen Ent­gelt Spei­sen und Geträn­ke für die Heim­be­woh­ner zu und über­nahm die Rei­ni­gung des Heims. Nach Auf­fas­sung des BFH muss die Mut­ter­ge­sell­schaft den an sie abge­führ­ten Gewinn der Toch­ter­ge­sell­schaft trotz der Gewer­be­steu­er­be­frei­ung des Heim­be­triebs ver­steu­ern. Der von der Toch­ter­ge­sell­schaft erziel­te Gewer­be­er­trag, der für sich genom­men kei­nem Steu­er­be­frei­ungs­tat­be­stand unter­fällt, wird nicht von der Steu­er­be­frei­ung der Mut­ter­ge­sell­schaft umfasst.

Eine GmbH, die ein Alten- und Pfle­ge­heim betreibt, das gemäß § 3 Nr. 20 Buchst. c GewStG 2002 von der Gewer­be­steu­er befreit ist, kann Organ­trä­ge­rin einer gewer­be­steu­er­li­chen Organ­schaft mit einer Toch­ter­ge­sell­schaft sein, die im Auf­trag der GmbH Dienst­leis­tun­gen (hier: Zube­rei­tung von Spei­sen und Rei­ni­gungs­ar­bei­ten) für das Heim erbringt .

Der der Organ­trä­ge­rin in die­sem Fall zuzu­rech­nen­de Gewer­be­er­trag der Organ­ge­sell­schaft wird nicht von der Gewer­be­steu­er­be­frei­ung umfasst .

Ist eine Kapi­tal­ge­sell­schaft Organ­ge­sell­schaft im Sin­ne der § 14, § 17 oder § 18 KStG 2002, so gilt sie gemäß § 2 Abs. 2 Satz 2 GewStG 2002 gewer­be­steu­er­recht­lich als Betriebs­stät­te des Organ­trä­gers (gewer­be­steu­er­recht­li­che Organ­schaft). Der Annah­me einer dar­aus abzu­lei­ten­den gewer­be­steu­er­li­chen Organ­schaft steht nicht ent­ge­gen, dass die Klä­ge­rin ein Alten- und Pfle­ge­heim betrie­ben hat, das im Streit­jahr die Vor­aus­set­zun­gen des § 3 Nr. 20 Buchst. c GewStG 2002 erfüllt hat und des­halb von der Gewer­be­steu­er befreit war.

Zwar setzt § 14 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 1 KStG 2002 für die kör­per­schaft­steu­er­li­che Organ­schaft vor­aus, dass der Organ­trä­ger nicht steu­er­be­freit ist. Dar­aus könn­te der Schluss gezo­gen wer­den, dass die gewer­be­steu­er­li­che Organ­schaft nur mit einem Organ­trä­ger mög­lich ist, der nicht von der Gewer­be­steu­er befreit ist 1.

Jedoch ist mit der die Organ­schaft aus­schlie­ßen­den Steu­er­be­frei­ung im Sin­ne von § 14 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 1 KStG 2002 nur eine per­sön­li­che Steu­er­be­frei­ung gemeint, die –wie z.B. in den Fäl­len von § 5 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 2 KStG 2002 bzw. § 3 Nr. 1 und Nr. 2 GewStG 2002– den Rechts­trä­ger als sol­chen ins­ge­samt von der Steu­er­pflicht aus­schließt (unbe­schränk­te per­sön­li­che Steu­er­be­frei­ung). Kör­per­schaf­ten, die nur im Hin­blick auf einen bestimm­ten Teil ihrer Tätig­keit oder ihres Ertrags von der Steu­er­pflicht aus­ge­nom­men sind (sog. beschränk­te per­sön­li­che oder sach­li­che Steu­er­be­frei­un­gen) 2, kom­men dem­ge­gen­über als Organ­trä­ger grund­sätz­lich in Betracht, soweit nicht die Betei­li­gung an der Organ­ge­sell­schaft den steu­er­be­frei­ten Akti­vi­tä­ten zuzu­ord­nen ist 3. Denn der Zweck des § 14 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 1 KStG 2002, der ver­hin­dern soll, dass auf der Ebe­ne der Organ­ge­sell­schaft grund­sätz­lich steu­er­pflich­ti­ges Ein­kom­men durch eine Organ­schaft auf der Ebe­ne des Organ­trä­gers der Besteue­rung ent­ge­hen kann 4, erfor­dert in die­sen Fäl­len nicht den Aus­schluss der Wir­kun­gen einer Organ­schaft.

Bei der Befrei­ung von der Gewer­be­steu­er gemäß § 3 Nr. 20 Buchst. c GewStG 2002 han­delt es sich nicht um eine unbe­schränk­te per­sön­li­che Steu­er­be­frei­ung. Von der Gewer­be­steu­er wird nicht der Trä­ger der in § 3 Nr. 20 Buchst. c GewStG 2002 benann­ten Ein­rich­tun­gen mit sei­nem gesam­ten Gewer­be­er­trag befreit; begüns­tigt wer­den viel­mehr nur die aus dem Betrieb der Ein­rich­tung resul­tie­ren­den Erträ­ge. Soweit der Trä­ger der Ein­rich­tung außer­halb der­sel­ben Erträ­ge erzielt, unter­lie­gen die­se der Gewer­be­steu­er 5.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 10. März 2010 – I R 41/​09

  1. vgl. Ster­ner in Herrmann/​Heuer/​Raupach, Ein­kom­men­steu­er­ge­setz, Kör­per­schaft­steu­er­ge­setz, § 14 KStG Rz 155; Sar­ra­zin in Lenski/​Steinberg, Gewer­be­steu­er­ge­setz, § 3 Rz 6[]
  2. vgl. Gür­off in Glanegger/​Güroff, a.a.O., § 3 Rz 1; Sar­ra­zin in Lenski/​Stein­berg, a.a.O., § 3 Rz 4[]
  3. vgl. Wal­ter in Ernst & Young, Kör­per­schaft­steu­er­ge­setz, § 14 Rz 267; Neu­mann in Gosch, Kör­per­schaft­steu­er­ge­setz, 2. Aufl., § 14 Rz 96; Ster­ner in Herrmann/​Heuer/​Raupach, a.a.O., § 14 KStG Rz 155, Erle/​Heurung in Erle/​Sauter, Kör­per­schaft­steu­er­ge­setz, 3. Aufl., § 14 Rz 57[]
  4. vgl. Wal­ter in Ernst & Young, a.a.O., § 14 Rz 266[]
  5. vgl. zum Ver­kauf von Spei­sen, Geträn­ken, Post­kar­ten oder Andenken an Pati­en­ten oder Drit­te: BFH, Urteil vom 20.09.1966 – I R 34/​66, BFHE 87, 215, BSt­Bl III 1967, 90; von Twi­ckel in Blü­mich, a.a.O., § 3 GewStG Rz 102; Gür­off in Glanegger/​Gür­off, a.a.O., § 3 Nr. 20 Rz 209[]