Gewer­be­steu­er­recht­li­cher Hin­zu­rech­nun­gen – und das Gebot der Fol­ge­rich­tig­keit

Die der Höhe nach unter­schied­li­che gewer­be­steu­er­recht­li­che Hin­zu­rech­nung von Miet- und Pacht­zin­sen für beweg­li­che und unbe­weg­li­che Wirt­schafts­gü­ter des Anla­ge­ver­mö­gens und von Auf­wen­dun­gen für die zeit­lich befris­te­te Über­las­sung von Rech­ten nach § 8 Nr. 1 Buchst. d, e und f GewStG muss nicht einem strik­ten Fol­ge­rich­tig­keits­ge­bot genü­gen.

Gewer­be­steu­er­recht­li­cher Hin­zu­rech­nun­gen – und das Gebot der Fol­ge­rich­tig­keit

Die Fik­ti­on eines in Miet-/Pacht­zin­sen und in Auf­wen­dun­gen für Rech­te­über­las­sung ent­hal­te­nen Finan­zie­rungs­an­teils zwingt den Gesetz­ge­ber nicht dazu, die ent­spre­chen­den Hin­zu­rech­nungs­tat­be­stän­de an einem typi­schen, rea­li­täts­ge­rech­ten Zins­ni­veau aus­zu­rich­ten.

Die Hin­zu­rech­nung eines Teils der Ent­gel­te für Schul­den, der Miet- und Pacht­zin­sen für beweg­li­che und unbe­weg­li­che Wirt­schafts­gü­ter des Anla­ge­ver­mö­gens sowie der Auf­wen­dun­gen für die zeit­lich befris­te­te Über­las­sung von Rech­ten nach § 8 Nr. 1 Buchst. a, d, e und f GewStG ist durch den Objekt­steu­er­cha­rak­ter des GewStG bedingt. Die­ser besagt, dass die Steu­er an das Objekt "Gewer­be­be­trieb" anknüpft, los­ge­löst von den Bezie­hun­gen zu einem bestimm­ten Rechts­trä­ger. Nach dem ursprüng­li­chen Kon­zept soll die objek­ti­ve Ertrags­kraft des Betriebs abge­bil­det wer­den 1. Damit geht eine Ver­ob­jek­ti­vie­rung des nach den Vor­schrif­ten des Ein­kom­men- und Kör­per­schaft­steu­er­ge­set­zes zu ermit­teln­den Gewinns (§ 7 GewStG) ein­her 2. Der Ertrag des im Betrieb arbei­ten­den Kapi­tals soll in vol­lem Umfang der Besteue­rung nach dem Gewer­be­er­trag unter­wor­fen wer­den, ohne Rück­sicht dar­auf, ob die Kapi­tal­aus­stat­tung des Betriebs mit Eigen- oder Fremd­ka­pi­tal finan­ziert wur­de 3. Aus­druck die­ser Ver­ob­jek­ti­vie­rung sind die in den §§ 8 und 9 GewStG vor­ge­se­he­nen Hin­zu­rech­nun­gen und Kür­zun­gen, die dem Objekt­steu­er­cha­rak­ter imma­nent sind und sich vom sub­jek­ti­ven Leis­tungs­ge­dan­ken abhe­ben 4.

Die gegen die Gewer­be­steu­er als sol­che und ins­be­son­de­re gegen die Hin­zu­rech­nun­gen vor­ge­brach­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken sind in ers­ter Linie gleich­heits­recht­li­cher Natur.

Nach dem vom BVerfG zu Art. 3 Abs. 1 GG ent­wi­ckel­ten Maß­stab zur Ver­fas­sungs­kon­for­mi­tät von Steu­er­ge­set­zen steht dem Gesetz­ge­ber bei der Aus­wahl eines Steu­er­ge­gen­stan­des sowie bei der Bestim­mung des Steu­er­sat­zes ein weit­rei­chen­der Ent­schei­dungs­spiel­raum zu 5. Danach wird der Gleich­heits­satz bereits dann nicht ver­letzt, wenn der Gesetz­ge­ber einen Sach­grund für die Wahl des Steu­er­ge­gen­stan­des vor­brin­gen kann, die Berück­sich­ti­gung sach­wid­ri­ger, will­kür­li­cher Erwä­gung aus­ge­schlos­sen ist und die kon­kre­te Belas­tungs­ent­schei­dung für ein Steu­er­ob­jekt nicht mit ande­ren Ver­fas­sungs­nor­men in Kon­flikt gerät. Die mit der Wahl des Steu­er­ge­gen­stan­des ein­mal getrof­fe­ne Belas­tungs­ent­schei­dung hat der Gesetz­ge­ber aller­dings unter dem Gebot einer mög­lichst gleich­mä­ßi­gen Belas­tung aller Steu­er­pflich­ti­gen bei der Aus­ge­stal­tung des steu­er­recht­li­chen Aus­gangs­tat­be­stands fol­ge­rich­tig umzu­set­zen 6. Aus­nah­men von einer sol­chen fol­ge­rich­ti­gen Umset­zung bedür­fen eines beson­de­ren sach­li­chen Grun­des. Dem Gesetz­ge­ber ist es erlaubt, Sach­ver­hal­te, an die er die­sel­ben steu­er­recht­li­chen Fol­gen knüpft, zu typi­sie­ren und dabei in wei­tem Umfang die Beson­der­hei­ten des ein­zel­nen Falls zu ver­nach­läs­si­gen. Die wirt­schaft­lich unglei­che Wir­kung auf Steu­er­zah­ler darf aller­dings ein gewis­ses Maß nicht über­stei­gen. Außer­dem darf der Gesetz­ge­ber für eine gesetz­li­che Typi­sie­rung kei­nen aty­pi­schen Fall als Leit­bild wäh­len, viel­mehr muss er sich rea­li­täts­ge­recht am typi­schen Fall ori­en­tie­ren 7.

Das BVerfG sieht die Gewer­be­steu­er in sei­ner Recht­spre­chung mit ihrer Ver­an­ke­rung in Art. 106 Abs. 6 GG sowie Art. 28 Abs. 2 Satz 3 Halb­satz 2 GG und ihrer Grund­struk­tur und her­kömm­li­chen Aus­ge­stal­tung als ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tigt an 8. Sie ist eine vor­nehm­lich auf den Ertrag des Gewer­be­be­triebs gerich­te­te Objekt­steu­er. Die damit ein­her­ge­hen­den Kor­rek­tu­ren des Gewinns, der sich nach den Grund­sät­zen des Ein­kom­men- oder Kör­per­schaft­steu­er­rechts ergibt (§ 7 GewStG), um Hin­zu­rech­nun­gen und Kür­zun­gen, sind nach der­zei­ti­ger Rechts­la­ge die Kon­se­quenz des Objekt­steu­er­cha­rak­ters. Frü­he­re Kom­po­nen­ten wie Lohn­sum­me und Gewer­be­ka­pi­tal sind ab den Erhe­bungs­zeit­räu­men 1980 und 1998 weg­ge­fal­len. Durch die genann­ten Gewinn­kor­rek­tu­ren erge­ben sich natur­ge­mäß Abwei­chun­gen von dem nach den Vor­schrif­ten des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) und des Kör­per­schaft­steu­er­ge­set­zes ermit­tel­ten Gewinn und damit auch Abwei­chun­gen vom sub­jek­ti­ven Leis­tungs­fä­hig­keits­ge­dan­ken 9. Die von den Hin­zu­rech­nungs­vor­schrif­ten aus­ge­hen­den Belas­tun­gen sind von der ver­fas­sungs­recht­li­chen Legi­ti­mi­tät der Gewer­be­steu­er erfasst und im Grund­satz hin­zu­neh­men. Das objek­ti­ve Net­to­prin­zip des Ein­kom­men­steu­er­rechts bil­det nicht den Maß­stab für die Prü­fung der Hin­zu­rech­nungs­vor­schrif­ten 10. Der Grund­satz der Besteue­rung nach der Leis­tungs­fä­hig­keit tritt inso­weit zurück 11. Die Beson­der­hei­ten der Gewer­be­steu­er als Objekt­steu­er kön­nen dazu füh­ren, dass ertrag­lo­se Betrie­be belas­tet wer­den, indem etwa ‑so im Streit­fall- Gewer­be­steu­er allein durch Hin­zu­rech­nun­gen aus­ge­löst wird, oder nega­ti­ve und posi­ti­ve Ergeb­nis­se aus meh­re­ren Betrie­ben eines Steu­er­pflich­ti­gen gewer­be­steu­er­recht­lich nicht sal­diert wer­den kön­nen und des­halb für ein­zel­ne Betrie­be Gewer­be­steu­er zu zah­len ist, obwohl das sal­dier­te Ergeb­nis aus allen Betrie­ben nega­tiv ist 12. Auch eine mög­li­che Sub­stanz­be­steue­rung liegt in der Natur einer ertrags­ori­en­tier­ten Objekt­steu­er. Die­se Belas­tun­gen sind hin­zu­neh­men und ver­sto­ßen nicht gegen Art. 3 Abs. 1 GG, eben­so wenig gegen Art. 12 und 14 GG 13.

Ent­ge­gen der Rechts­an­sicht der Unter­neh­me­rin kann ein Gleich­heits­ver­stoß nicht dar­aus abge­lei­tet wer­den, dass die Unter­neh­me­rin, die mit gemie­te­tem Grund­be­sitz wirt­schaf­tet, wegen der Hin­zu­rech­nungs­vor­schrif­ten einer höhe­ren Gewer­be­steu­er­be­las­tung unter­liegt als ein ver­gleich­ba­rer Gewer­be­trei­ben­der, der mit eige­nem Sach­ka­pi­tal arbei­tet. Nach dem ursprüng­li­chen Kon­zept der Gewer­be­steu­er soll­ten die Hin­zu­rech­nungs­vor­schrif­ten eine gewer­be­steu­er­recht­li­che Gleich­stel­lung von Betrie­ben bewir­ken, die mit gemieteten/​gepachteten beweg­li­chen Wirt­schafts­gü­tern des Anla­ge­ver­mö­gens arbei­ten, mit sol­chen Betrie­ben, die eige­ne Wirt­schafts­gü­ter nut­zen 14. Die Gleich­heits­vor­stel­lun­gen des dama­li­gen Gesetz­ge­bers brau­chen aller­dings nicht in der Wei­se "fol­ge­rich­tig" aus­ge­stal­tet zu sein, dass sie in allen denk­ba­ren Sach­ver­halts­kon­stel­la­tio­nen ver­gleich­ba­re Betrie­be in glei­cher Höhe mit Gewer­be­steu­er belas­ten, unab­hän­gig davon, ob sie mit eige­nem oder frem­dem Sach­ka­pi­tal wirt­schaf­ten 15. Dies ist schon dar­aus zu erse­hen, dass ein Gewer­be­be­trei­ben­der, der mit sei­nem Betrieb Ver­lus­te erzielt, als Mie­ter/​Pächter von Grund­be­sitz u.U. Gewer­be­steu­er zu zah­len hat, wäh­rend ein mit Ver­lus­ten arbei­ten­der Eigen­tü­mer­be­trieb nicht durch Gewer­be­steu­er belas­tet ist. Die von der Unter­neh­me­rin ange­führ­ten Bei­spie­le für eine unter­schied­li­che gewer­be­steu­er­li­che Besteue­rung von Betrie­ben, die mit eige­nem oder mit gemietetem/​gepachtetem Grund­be­sitz arbei­ten, kön­nen des­halb den Bun­des­fi­nanz­hof nicht zu der Über­zeu­gung ver­hel­fen, dass die Hin­zu­rech­nungs­vor­schrift des § 8 Nr. 1 Buchst. e GewStG ver­fas­sungs­wid­rig sei 16.

Die Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers, nur Gewer­be­trei­ben­de i.S. von § 15 EStG mit Gewer­be­steu­er zu belas­ten und Steu­er­pflich­ti­ge, die Ein­künf­te aus selb­stän­di­ger Arbeit (§ 18 EStG) oder aus Land- und Forst­wirt­schaft (§ 13 EStG) bezie­hen, zu ver­scho­nen, betrifft den Steu­er­ge­gen­stand, bei dem der Gesetz­ge­ber einen wei­ten Gestal­tungs- und Ein­schät­zungs­spiel­raum hat. Das BVerfG unter­zog dem­zu­fol­ge die Beschrän­kung der Steu­er­pflicht auf Gewer­be­trei­ben­de in dem Beschluss in BVerfGE 120, 1 nur einer Will­kür­prü­fung. Dage­gen neigt das BVerfG dazu, die Hin­zu­rech­nungs- und Kür­zungs­vor­schrif­ten nach §§ 8 und 9 GewStG als Bestim­mun­gen des Umfangs des Steu­er­ge­gen­stan­des zu behan­deln. Es sei nahe­lie­gend, von Dif­fe­ren­zie­run­gen inner­halb des Steu­er­ge­gen­stan­des aus­zu­ge­hen, was eine enge­re Bin­dung des Gesetz­ge­bers an sach­li­che Erwä­gun­gen, ins­be­son­de­re sol­che der Fol­ge­rich­tig­keit und Belas­tungs­gleich­heit, vor­stell­bar erschei­nen las­se 17.

Aber auch dann, wenn der Gesetz­ge­ber bei der gesetz­li­chen Kon­kre­ti­sie­rung der Hin­zu­rech­nungs- und Kür­zungs­vor­schrif­ten nur einen ein­ge­schränk­ten Gestal­tungs­spiel­raum haben soll­te, unter­liegt sei­ne Ent­schei­dung nicht einer stren­gen Fol­ge­rich­tig­keits­kon­trol­le, wie sie das BVerfG z.B. im Urteil vom 09.12 2008 18 zur sog. Pend­ler­pau­scha­le ange­stellt hat. Viel­mehr genügt es, wenn sich die Hin­zu­rech­nungs­vor­schrif­ten fol­ge­rich­tig in das Kon­zept einer ertrags­ori­en­tier­ten Objekt­steu­er ein­fü­gen las­sen 19. Auch wenn der Gesetz­ge­ber mit dem UntS­tRefG 2008 die Hin­zu­rech­nungs­tat­be­stän­de für die Geld- und Kapi­tal­über­las­sung zusam­men­fas­sen und ver­ein­heit­li­chen woll­te 20, muss die der Höhe nach unter­schied­li­che Hin­zu­rech­nung von Miet- und Pacht­zin­sen für beweg­li­che und unbe­weg­li­che Wirt­schafts­gü­ter des Anla­ge­ver­mö­gens oder für die zeit­lich befris­te­te Über­las­sung von Rech­ten nicht einem strik­ten Fol­ge­rich­tig­keits­maß­stab genü­gen. Auch sind hin­sicht­lich der Höhe der Hin­zu­rech­nun­gen die stren­gen Vor­ga­ben des BVerfG zu gesetz­li­chen Typi­sie­run­gen nicht ein­schlä­gig. Der Gesetz­ge­ber begrün­de­te die Hin­zu­rech­nung (nur) eines Teils von Miet- und Pacht­zin­sen damit, dass ledig­lich der dar­in ent­hal­te­ne Finan­zie­rungs­an­teil erfasst wer­den sol­le 21. Im Geset­zes­wort­laut hat die­ses Motiv aller­dings kei­nen Nie­der­schlag gefun­den. Der Gesetz­ge­ber war im Übri­gen der Ansicht, dass bereits bei der hälf­ti­gen Hin­zu­rech­nung von Miet- und Pacht­zin­sen für beweg­li­che Wirt­schafts­gü­ter des Anla­ge­ver­mö­gens nach § 8 Nr. 7 GewStG in der bis ein­schließ­lich 2007 gel­ten­den Fas­sung ein pau­scha­ler Finan­zie­rungs­an­teil her­aus­zu­rech­nen gewe­sen sei 21. Es han­delt sich somit nicht um eine grund­le­gen­de gesetz­ge­be­ri­sche Neu­kon­zep­ti­on. Die Fik­ti­on eines Finan­zie­rungs­an­teils, der in Miet- und Pacht­zin­sen für beweg­li­che und unbe­weg­li­che Wirt­schafts­gü­ter und auch in Lizenz­ge­büh­ren ent­hal­ten sei, zwingt den Gesetz­ge­ber nicht dazu, die ent­spre­chen­den Hin­zu­rech­nungs­tat­be­stän­de an einem typi­schen, rea­li­täts­ge­rech­ten Zins­ni­veau aus­zu­rich­ten. Aus die­sem Grund konn­te er den ursprüng­lich für unbe­weg­li­che Wirt­schafts­gü­ter vor­ge­se­he­nen Finan­zie­rungs­an­teil von 75 % ohne wei­te­re Begrün­dung durch das Jah­res­steu­er­ge­setz 2008 vom 20.12 2007 22 auf 65 % her­ab­set­zen, ohne das Gebot der rea­li­täts­ge­rech­ten Typi­sie­rung zu ver­let­zen 23. Auch war nicht zu hin­ter­fra­gen, ob mög­li­cher­wei­se erst die Her­ab­set­zung zu einem rea­li­täts­ge­rech­ten Finan­zie­rungs­an­teil führ­te. Ent­spre­chen­des gilt für die wei­te­re Her­ab­set­zung auf 50 % durch das Gesetz zur Beschleu­ni­gung des Wirt­schafts­wachs­tums vom 22.12 2009 24 mit Wir­kung ab Erhe­bungs­zeit­raum 2010. Der Gesetz­ge­ber war zu einer gro­ben Schät­zung des Finan­zie­rungs­an­teils berech­tigt; eine will­kür­li­che Fest­set­zung ist in der gesetz­li­chen Fest­le­gung nicht zu sehen 25.

Der Gesetz­ge­ber war auch nicht gehal­ten, die dif­fe­rie­ren­den Finan­zie­rungs­an­tei­le bei der Ver­mie­tung und Ver­pach­tung von beweg­li­chen und unbe­weg­li­chen Wirt­schafts­gü­tern des Anla­ge­ver­mö­gens (§ 8 Nr. 1 Buchst. d und e GewStG) und auch bei der Rech­te­über­las­sung (§ 8 Nr. 1 Buchst. f GewStG) so aus­zu­ge­stal­ten und auf­ein­an­der abzu­stim­men, dass bei einer Gegen­über­stel­lung der ein­zel­nen Hin­zu­rech­nungs­tat­be­stän­de von rea­li­täts­ge­rech­ten Zins­an­tei­len gespro­chen wer­den kann. Eben­so wenig brauch­te er den jewei­li­gen Zins­an­teil nach einem markt­üb­li­chen Zins aus­zu­rich­ten oder gar von ihm abhän­gig zu machen 26.

Die Höhe der Hin­zu­rech­nun­gen von Miet- und Pacht­zin­sen hat­te das Finanz­ge­richt Ham­burg in sei­ner Vor­la­ge zum BVerfG in EFG 2012, 960, 968 the­ma­ti­siert. Es hat­te in sei­nem aus­führ­lich begrün­de­ten Beschluss sei­ne Auf­fas­sung dar­ge­legt, wonach die vom Gesetz­ge­ber vor­ge­nom­me­ne Typi­sie­rung der Finan­zie­rungs­an­tei­le gleich­heits­wid­rig sei. Das BVerfG ist dar­auf in sei­nem Beschluss in BSt­Bl II 2016, 557 nicht ein­ge­gan­gen 27. Der Bun­des­fi­nanz­hof ver­steht dies dahin­ge­hend, dass das BVerfG in der vom Gesetz­ge­ber gewähl­ten Höhe der Hin­zu­rech­nun­gen und im Ver­hält­nis der ein­zel­nen Hin­zu­rech­nungs­vor­schrif­ten zuein­an­der kein ver­fas­sungs­recht­li­ches Pro­blem sieht und eine Rich­ter­vor­la­ge nach Art. 100 Abs. 1 Satz 1 GG wohl als unzu­läs­sig ver­wer­fen wür­de 28.

Auch die von der Unter­neh­me­rin the­ma­ti­sier­te Rück­wir­kungs­pro­ble­ma­tik ver­an­lasst den Bun­des­fi­nanz­hof nicht zu einer Vor­la­ge an das BVerfG. Die Unter­neh­me­rin wird nicht in ihrem ver­fas­sungs­recht­lich durch Art. 2 Abs. 1, Art.20 Abs. 3 GG geschütz­ten Ver­trau­en ver­letzt, nicht mit Geset­zen belas­tet zu wer­den, die in unzu­läs­si­ger Wei­se Rück­wir­kung ent­fal­ten.

Die Unter­neh­me­rin bean­stan­det, dass die durch das UntS­tRefG 2008 erst­ma­lig ein­ge­führ­te gewer­be­steu­er­recht­li­che Hin­zu­rech­nung von Miet- und Pacht­zin­sen für unbe­weg­li­che Wirt­schafts­gü­ter des Anla­ge­ver­mö­gens ab dem Erhe­bungs­zeit­raum 2008 ihr zuvor erstell­tes Unter­neh­mens­kon­zept, nur mit ange­mie­te­tem Grund­be­sitz zu wirt­schaf­ten, rück­wir­kend ent­wer­tet habe.

Aller­dings war ein Ver­trau­en der Unter­neh­me­rin dar­auf, dass die zum Zeit­punkt der Erstel­lung des Kon­zepts gel­ten­de Rechts­la­ge fort­be­stehen wür­de, nicht schüt­zens­wert. Denn ein voll­stän­di­ger Schutz zu Guns­ten des Fort­be­stehens der bis­he­ri­gen Rechts­la­ge wür­de den dem Gemein­wohl ver­pflich­te­ten Gesetz­ge­ber in wich­ti­gen Berei­chen läh­men und den Kon­flikt zwi­schen der Ver­läss­lich­keit der Rechts­ord­nung und der Not­wen­dig­keit ihrer Ände­rung im Hin­blick auf einen Wan­del der Lebens­ver­hält­nis­se in nicht mehr ver­tret­ba­rer Wei­se zu Las­ten der Anpas­sungs­fä­hig­keit der Rechts­ord­nung lösen 29. Der ver­fas­sungs­recht­li­che Ver­trau­ens­schutz geht nicht so weit, vor jeder Ent­täu­schung zu bewah­ren. Soweit nicht beson­de­re Momen­te der Schutz­wür­dig­keit hin­zu­tre­ten, genießt die all­ge­mei­ne Erwar­tung, das gel­ten­de Recht wer­de zukünf­tig unver­än­dert fort­be­stehen, kei­nen beson­de­ren ver­fas­sungs­recht­li­chen Schutz 30.

Die erst­ma­li­ge Hin­zu­rech­nung von Miet- und Pacht­zin­sen für unbe­weg­li­che Wirt­schafts­gü­ter des Anla­ge­ver­mö­gens nach § 8 Nr. 1 Buchst. e GewStG ab dem Erhe­bungs­zeit­raum 2008 hat­te zwar erheb­li­che Aus­wir­kun­gen auf das Unter­neh­mens­kon­zept der Unter­neh­me­rin. Die Nicht­ein­be­zie­hung von Miet-/Pacht­zin­sen für unbe­weg­li­che Wirt­schafts­gü­ter nach der bis ein­schließ­lich Erhe­bungs­zeit­raum 2007 gel­ten­den Rechts­la­ge ver­schaff­te der Unter­neh­me­rin jedoch kei­ne gefes­tig­te, schüt­zens­wer­te Ver­mö­gens­po­si­ti­on 31. Damit war auch nicht eine Abmil­de­rung der sich aus der Neu­re­ge­lung erge­ben­den Rechts­fol­gen durch eine Über­gangs­vor­schrift gebo­ten.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 14. Juni 2018 – III R 35/​15

  1. BVerfG, Beschlüs­se vom 13.05.1969 1 BvR 25/​65, BVerfGE 26, 1, 10; vom 21.06.2006 2 BvL 2/​99, BVerfGE 116, 164, 186; vom 15.01.2008 1 BvL 2/​04, BVerfGE 120, 1, 27, und in BSt­Bl II 2016, 557, Rz 33; Gür­off in Glanegger/​Güroff, GewStG, 9. Aufl., § 1 Rz 14[]
  2. BFH, Beschluss vom 16.10.2012 – I B 128/​12, BFHE 238, 452, BSt­Bl II 2013, 30, Rz 10[]
  3. BFH, Urteil vom 06.06.2013 – IV R 28/​10, BFH/​NV 2013, 1810, Rz 31[]
  4. BVerfG, Beschluss in BSt­Bl II 2016, 557, Rz 35[]
  5. BVerfG, Beschluss in BSt­Bl II 2016, 557, Rz 25, m.w.N.; BVerfG, Urteil vom 10.04.2018 1 BvR 1236/​11, BSt­Bl II 2018, 303, Rz 105[]
  6. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 120, 29[]
  7. BVerfG, Beschluss in BSt­Bl II 2016, 557, Rz 25[]
  8. BVerfG, Beschlüs­se in BVerfGE 120, 1, 26, und in BSt­Bl II 2016, 557, Rz 27[]
  9. BVerfG, Beschluss in BSt­Bl II 2016, 557‚ Rz 35[]
  10. BFH, Urteil vom 04.06.2014 – I R 70/​12, BFHE 246, 67, BSt­Bl II 2015, 289, Rz 18[]
  11. a.A. Hey, Deut­sches Steu­er­recht ‑DStR- 2009, Bei­hef­ter zu Heft 34, 109; Gosch, Deut­sche Steu­er-Zei­tung 1998, 327[]
  12. s. BFH, Urteil vom 23.02.2017 – III R 35/​14, BFHE 257, 20, BSt­Bl II 2017, 757[]
  13. BFH, Urteil in BFHE 246, 67, BSt­Bl II 2015, 289, Rz 21; a.A. Blümich/​Drüen, § 1 GewStG, Rz 18[]
  14. s. Geset­zes­be­grün­dung zum GewStG vom 01.12 1936, RSt­Bl 1937, 693, 696; ähn­lich BFH, Urteil vom 29.11.1972 – I R 178/​70, BFHE 107, 468, BSt­Bl II 1973, 148[]
  15. krit. Hüb­ner, Finanz-Rund­schau 2015, 341[]
  16. a.A. Petrak/​Karrenbrock, DStR 2016, 1790[]
  17. BVerfG, Beschluss in BSt­Bl II 2016, 557, Rz 26; anders noch BVerfG, Beschluss vom 29.08.1974 1 BvR 67/​73, Höchst­rich­ter­li­che Finanz­recht­spre­chung 1974, 498: Zurech­nung eines pau­scha­len Sat­zes der Miet- oder Pacht­zin­sen nicht will­kür­lich[]
  18. BVerfG, Urteil vom 09.12 2008 – 2 BvL 1/​07, 2/​07, 1/​08, 2/​08, BVerfGE 122, 210[]
  19. s. BVerfG, Beschluss in BSt­Bl II 2016, 557, Rz 33, unter Hin­weis auf den BFH, Beschluss in BFHE 238, 452, BSt­Bl II 2013, 30; eben­so BFH, Urtei­le in BFHE 246, 67, BSt­Bl II 2015, 289, Rz 18 ff.; vom 08.12 2016 – IV R 55/​10, BFHE 256, 519, BSt­Bl II 2017, 722[]
  20. BT-Drs. 16/​4841, S. 79[]
  21. BT-Drs. 16/​4841, S. 80[][]
  22. BGBl I 2007, 3150[]
  23. a.A. Sar­ra­zin in Lenski/​Steinberg, Gewer­be­steu­er­ge­setz, § 8 Nr. 1 Buchst. e, Rz 5d[]
  24. BGBl I 2009, 3950[]
  25. BFH, Urteil in BFHE 246, 67, BSt­Bl II 2015, 289, Rz 27; a.A. Malzkorn/​Rossa, Der Betrieb 2012, 1169[]
  26. s. BFH, Beschluss in BFHE 238, 452, BSt­Bl II 2013, 30, Rz 12[]
  27. s. hier­zu Fu, DStR 2016, 867[]
  28. s.a. Urteil des Finanz­ge­richt Ham­burg vom 10.02.2017 1 K 96/​16, EFG 2017, 738, im Nach­gang zum Beschluss des BVerfG in BSt­Bl II 2016, 557[]
  29. so BVerfG, Beschluss vom 05.02.2002 2 BvR 305/​93, 2 BvR 348/​93, BVerfGE 105, 17, 40; BVerfG, Urteil vom 27.09.2005 2 BvR 1387/​02, BVerfGE 114, 258, 301, und BVerfG, Beschluss vom 10.10.2012 1 BvL 6/​07, BVerfGE 132, 302, 324[]
  30. vgl. BVerfG, Beschlüs­se vom 17.07.1974 1 BvR 51/​69, 1 BvR 160/​69, 1 BvR 285/​69, 1 BvL 16/​72, 1 BvL 18/​72, 1 BvL 26/​72, BVerfGE 38, 61, 83; vom 31.10.1984 1 BvR 35/​82, 1 BvR 356/​82, 1 BvR 794/​82, BVerfGE 68, 193, 222; in BVerfGE 105, 17, 40; vom 08.12 2009 2 BvR 758/​07, BVerfGE 125, 104, 135, und in BVerfGE 132, 302, 324; BVerfG, Urteil vom 10.04.2018 1 BvR 1236/​11, BSt­Bl II 2018, 303, Rz 138[]
  31. vgl. BVerfG, Beschlüs­se vom 07.07.2010 2 BvL 14/​02, 2 BvL 2/​04, 2 BvL 13/​05, BVerfGE 127, 1, 21; und vom 07.07.2010 2 BvR 748/​05, 2 BvR 753/​05, 2 BvR 1738/​05, BVerfGE 127, 61[]