Gewer­be­steu­er­sa­chen – und der Streit­wert

Die Höhe der Gerichts­ge­büh­ren rich­tet sich nach dem Streit­wert (§ 3 Abs. 1, § 34 Abs. 1 GKG) sowie den in Anla­ge 1 zu § 3 Abs. 2 GKG auf­ge­führ­ten Gebüh­ren­tat­be­stän­den. Der Streit­wert ist in Ver­fah­ren u.a. vor den Gerich­ten der Finanz­ge­richts­bar­keit nach der sich aus dem Antrag des Klä­gers für ihn erge­be­nen Bedeu­tung der Sache nach Ermes­sen zu bestim­men, soweit nichts ande­res bestimmt ist (§ 52 Abs. 1 GKG). Wenn der Antrag des Klä­gers eine bezif­fer­te Geld­leis­tung oder einen hier­auf gerich­te­ten Ver­wal­tungs­akt betrifft, ist deren Höhe maß­ge­bend (§ 52 Abs. 3 GKG i.d.F. vor dem 2. KostRMoG; heu­te § 52 Abs. 3 Satz 1 GKG).

Gewer­be­steu­er­sa­chen – und der Streit­wert

Danach ist der Streit­wert mit dem Gesamt­be­trag der strei­ti­gen Gewer­be­steu­er bemes­sen, da die Gewer­be­steu­er­mess­be­schei­de, die den Gegen­stand des Ver­fah­rens bil­den, Ver­wal­tungs­ak­te dar­stel­len, die auf eine bezif­fer­te Geld­leis­tung bezo­gen sind.

Der Streit­wert des allein gegen die Gewer­be­steu­er­mess­be­schei­de gerich­te­ten Ver­fah­rens ist nicht um den Betrag der vom Kos­ten­schuld­ner ggf. zu bean­spru­chen­den Steu­er­ermä­ßi­gung nach § 35 EStG zu min­dern.

ach stän­di­ger Recht­spre­chung des BFH zu § 52 Abs. 3 GKG (i.d.F. vor dem 2. KostRMoG) ist für die Bemes­sung des Streit­werts nicht das gesam­te geld­wer­te Inter­es­se maß­ge­bend, das ein Steu­er­pflich­ti­ger an der Durch­füh­rung des Ver­fah­rens hat, son­dern ledig­lich der Steu­er­be­trag, um den unmit­tel­bar gestrit­ten wird. Dies gilt sowohl zuguns­ten wie auch zu Las­ten des jewei­li­gen Kos­ten­schuld­ners.

So sind u.a. die fol­gen­den Umstän­de nicht streit­wert­min­dernd zu berück­sich­ti­gen:

  • Wenn der Steu­er­pflich­ti­ge begehrt, eine Ein­nah­me nicht im Streit­jahr, son­dern erst im Fol­ge­jahr zu erfas­sen, ist als Streit­wert die vol­le steu­er­li­che Aus­wir­kung im Streit­jahr anzu­set­zen, ohne eine Gegen­rech­nung mit den gegen­läu­fi­gen steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen im Fol­ge­jahr vor­zu­neh­men 1;
  • Begehrt der Steu­er­pflich­ti­ge erfolg­los den Abzug zusätz­li­cher Vor­steu­ern, weil er sei­ne Tätig­keit für unter­neh­me­risch hält, min­dert sich der mit der Höhe der strei­ti­gen Vor­steu­er­be­trä­ge iden­ti­sche Streit­wert nicht dadurch, dass der Steu­er­pflich­ti­ge nun­mehr die Mög­lich­keit hat, Rech­nun­gen, in denen er für sei­ne Tätig­keit Umsatz­steu­er aus­ge­wie­sen hat, zu berich­ti­gen und dadurch künf­tig Umsatz­steu­er­erstat­tun­gen zu erlan­gen 2.

Umge­kehrt sind ‑zuguns­ten des Kos­ten­schuld­ners- bei­spiels­wei­se die fol­gen­den Umstän­de nicht streit­wert­er­hö­hend zu berück­sich­ti­gen:

  • Aus­wir­kun­gen, die die Ent­schei­dung im Streit­jahr für gleich­ge­la­ger­te Sach­ver­hal­te in den Fol­ge­jah­ren hat 3;
  • Aus­wir­kun­gen, die sich in Fol­ge­jah­ren aus Abset­zun­gen für Abnut­zung erge­ben 4;
  • Aus­wir­kun­gen, die sich ‑über die in dem allein ange­foch­te­nen Ein­kom­men­steu­er­be­scheid fest­ge­setz­te Steu­er hin­aus- dadurch erge­ben wür­den, dass ein Erfolg der Kla­ge einen Ver­lus­t­rück- oder ‑vor­trag in ande­re Jah­re zur Fol­ge hät­te 5, sofern nicht zusätz­lich auch die Beschei­de ange­foch­ten sind, in denen sich der Ver­lust aus­wir­ken wür­de 6.

Vor­lie­gend beein­flusst die vom Kos­ten­schuld­ner mög­li­cher­wei­se noch zu erlan­gen­de Ein­kom­men­steu­er­ermä­ßi­gung nach § 35 EStG zwar sein finan­zi­el­les Inter­es­se an der Durch­füh­rung des Ver­fah­rens; die sich aus den Ein­kom­men­steu­er­be­schei­den erge­ben­den Fest­set­zun­gen gehör­ten aber nicht zu den Steu­er­be­trä­gen, um die in dem finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren unmit­tel­bar gestrit­ten wur­de. Daher müs­sen sie nach den dar­ge­stell­ten Recht­spre­chungs­grund­sät­zen bei der Bemes­sung des Streit­werts außer Betracht blei­ben.

Nichts ande­res gilt im Übri­gen auch für posi­ti­ve Aus­wir­kun­gen, die sich aus einer Gewer­be­steu­er­zahl­last über den ein­kom­men­steu­er­recht­li­chen Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug auf die Ein­kom­men­steu­er erge­ben 7.

Auf den Beschluss des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 26.09.2011 8 kann sich der Kos­ten­schuld­ner nicht beru­fen. In den dor­ti­gen Streit­jah­ren war die Vor­schrift des § 35 EStG noch nicht anwend­bar. Dem­entspre­chend hat der BFH in die­sem Beschluss ledig­lich aus­ge­führt, der Hin­weis der dor­ti­gen Erin­ne­rungs­füh­re­rin auf § 35 EStG füh­re nicht zum Erfolg der Erin­ne­rung, weil die­se Vor­schrift noch nicht anzu­wen­den sei. Die­ser kur­zen Äuße­rung kann ‑zumal ange­sichts der unter aa dar­ge­stell­ten stän­di­gen höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung- nicht der Inhalt bei­gemes­sen wer­den, dass die Mög­lich­keit, Gewer­be­steu­er­be­trä­ge auf eine nicht streit­ge­gen­ständ­li­che Ein­kom­men­steu­er­fest­set­zung anrech­nen zu las­sen, nach Eröff­nung des zeit­li­chen Anwen­dungs­be­reichs des § 35 EStG Ein­fluss auf die Höhe des Streit­werts in Gewer­be­steu­er­sa­chen hät­te.

Aus der vom Kos­ten­schuld­ner ange­führ­ten Vor­schrift des § 52 Abs. 3 Satz 2 i.d.F. des 2. KostRMoG folgt für die Ent­schei­dung über die vor­lie­gen­de Erin­ne­rung nichts ande­res. Danach ist die Höhe des sich aus § 52 Abs. 3 Satz 1 GKG erge­ben­den Streit­werts um den Betrag der offen­sicht­lich abseh­ba­ren zukünf­ti­gen Aus­wir­kun­gen für den Klä­ger anzu­he­ben, wenn der Antrag des Klä­gers offen­sicht­lich abseh­ba­re Aus­wir­kun­gen auf künf­ti­ge Geld­leis­tun­gen oder auf noch zu erlas­sen­de, auf der­ar­ti­ge Geld­leis­tun­gen bezo­ge­ne Ver­wal­tungs­ak­te hat, wobei die Sum­me das Drei­fa­che des Werts nach § 52 Abs. 3 Satz 1 GKG nicht über­stei­gen darf.

Zum einen ist die­se Vor­schrift erst am 1.08.2013 in Kraft getre­ten und damit für die Kos­ten des vor­lie­gend zuvor anhän­gig gewor­de­nen Ver­fah­rens noch nicht ein­schlä­gig (vgl. Art. 50 des 2. KostRMoG; § 71 Abs. 1 GKG).

Zum ande­ren beschränkt sich der Rege­lungs­be­reich des § 52 Abs. 3 Satz 2 GKG nach dem kla­ren Wort­laut die­ser Vor­schrift auf "Anhe­bun­gen" des Streit­werts. Dass die­se Beschrän­kung dem Wil­len des Gesetz­ge­bers ent­spricht, lässt sich auch den Geset­zes­ma­te­ria­li­en ent­neh­men 9. Vor­lie­gend begehrt der Kos­ten­schuld­ner indes eine Min­de­rung des Streit­werts, die jeden­falls nicht auf § 52 Abs. 3 Satz 2 GKG gestützt wer­den kann.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 16. Dezem­ber 2015 – X E 20/​15

  1. BFH, Ent­schei­dun­gen vom 24.01.1958 – VI 195/​56 U, BFHE 66, 318, BSt­Bl III 1958, 122; vom 21.04.1989 – IV R 40/​88, BFH/​NV 1990, 182; und vom 10.06.1999 – IV E 2/​99, BFH/​NV 1999, 1608[]
  2. BFH, Beschluss vom 10.02.1987 – V E 1 – 2/​87, BFH/​NV 1987, 388[]
  3. BFH, Ent­schei­dun­gen vom 08.08.1958 – VI 127/​58 U, BFHE 67, 293, BSt­Bl III 1958, 385; und vom 11.11.1992 – IV S 15/​92, BFH/​NV 1993, 189[]
  4. BFH, Beschluss vom 16.01.1985 – IX R 97/​84, BFH/​NV 1986, 173[]
  5. BFH, Beschluss vom 06.03.1987 – VI R 73/​84, BFH/​NV 1987, 456[]
  6. BFH, Beschluss vom 08.09.2003 – III E 1/​03, BFH/​NV 2004, 74[]
  7. vgl. hier­zu zutref­fend FG Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 23.09.2008 – 7 Ko 1955/​08, EFG 2009, 686[]
  8. BFH, Beschluss vom 26.09.2011 – VIII E 3/​11, BFH/​NV 2012, 60[]
  9. vgl. BT-Drs. 17/​11471, 245[]