Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht

Ein Gewer­be­be­trieb, für den ein Gewer­be­er­trag nach §§ 7 ff. GewStG zu ermit­teln ist, setzt eine Betä­ti­gung vor­aus, die mit der Absicht unter­nom­men wird, Gewinn zu erzie­len (§ 2 Abs. 1 Satz 2 GewStG i.V.m. § 15 Abs. 2 Satz 1 EStG). Die Fra­ge, ob ein gewerb­li­ches Unter­neh­men i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Satz 1 EStG und ein ste­hen­der Gewer­be­be­trieb i.S. des § 2 Abs. 1 Satz 2 GewStG vor­liegt, ist inso­weit nach über­ein­stim­men­den Grund­sät­zen zu ent­schei­den, auch wenn die Begrif­fe des gewerb­li­chen Unter­neh­mens in § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Satz 1 EStG und des Gewer­be­be­triebs in § 2 Abs. 1 GewStG in zeit­li­cher Hin­sicht Unter­schie­de auf­wei­sen 1.

Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht

Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht ist das Bestre­ben, das Betriebs­ver­mö­gen zu meh­ren und auf Dau­er einen Total­ge­winn zu erzie­len 2. Ange­strebt wer­den muss ein posi­ti­ves Ergeb­nis zwi­schen Betriebs­grün­dung und Betriebs­be­en­di­gung, und zwar auf Grund einer Betä­ti­gung, die, über eine grö­ße­re Zahl von Jah­ren gese­hen, auf die Erzie­lung posi­ti­ver Ergeb­nis­se hin ange­legt ist 3.

Als inne­re Tat­sa­che lässt sich die Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht nur anhand äuße­rer Umstän­de fest­stel­len 4. In objek­ti­ver Hin­sicht ist eine Pro­gno­se dar­über anzu­stel­len, ob der Betrieb nach sei­ner Wesens­art und der Art sei­ner Bewirt­schaf­tung auf Dau­er geeig­net ist, einen Gewinn zu erwirt­schaf­ten. Dass der Steu­er­pflich­ti­ge auch sub­jek­tiv die Erzie­lung eines Total­ge­winns nicht beab­sich­tig­te, kann aus einer objek­tiv nega­ti­ven Gewinn­pro­gno­se nicht ohne wei­te­res gefol­gert wer­den. Ein sol­cher –wider­leg­ba­rer– Schluss ist nur dann gerecht­fer­tigt, wenn die ver­lust­brin­gen­de Tätig­keit typi­scher­wei­se dazu bestimmt und geeig­net ist, der Befrie­di­gung per­sön­li­cher Nei­gun­gen oder der Erlan­gung wirt­schaft­li­cher Vor­tei­le außer­halb der Ein­kunfts­sphä­re zu die­nen 5. Bei ande­ren Tätig­kei­ten müs­sen zusätz­li­che Anhalts­punk­te dafür vor­lie­gen, dass die Ver­lus­te aus per­sön­li­chen Grün­den oder Nei­gun­gen hin­ge­nom­men wer­den 6.

Übt der Steu­er­pflich­ti­ge eine Tätig­keit aus, die nicht typi­scher­wei­se in der Nähe des Hob­by­bereichs anzu­sie­deln ist, kön­nen im Fal­le einer län­ge­ren Ver­lust­pe­ri­ode die Reak­tio­nen des Steu­er­pflich­ti­gen auf die Ver­lus­te die Bedeu­tung wich­ti­ger äuße­rer Beweis­an­zei­chen erlan­gen 7. So spricht vor allem das feh­len­de Bemü­hen, die Ver­lus­t­ur­sa­chen zu ermit­teln und ihnen mit geeig­ne­ten Maß­nah­men zu begeg­nen, für sich genom­men schon dafür, dass lang­jäh­ri­ge Ver­lus­te aus im per­sön­li­chen Bereich lie­gen­den Nei­gun­gen und Moti­ven hin­ge­nom­men wer­den 8. An die Fest­stel­lung per­sön­li­cher Grün­de und Moti­ve, die den Steu­er­pflich­ti­gen trotz der Ver­lus­te zur Wei­ter­füh­rung sei­nes Unter­neh­mens bewo­gen haben könn­ten, sind in einem sol­chen Fall kei­ne hohen Anfor­de­run­gen zu stel­len 9.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 20. Sep­tem­ber 2012 – IV R 43/​10

  1. BFH, Beschluss vom 25.06.1984 – GrS 4/​82, BFHE 141, 405, BSt­Bl II 1984, 751, unter C.III.3.b aa (2) der Grün­de[]
  2. grund­le­gend BFH, Beschluss in BFHE 141, 405, BSt­Bl II 1984, 751, unter C.IV.3.c der Grün­de[]
  3. u.a. BFH, Beschluss in BFHE 141, 405, BSt­Bl II 1984, 751, unter C.IV.3.c aa der Grün­de[]
  4. vgl. BFH, Beschluss in BFHE 141, 405, BSt­Bl II 1984, 751, unter C.IV.3.c der Grün­de[]
  5. BFH, Urteil vom 19.03.2009 – IV R 40/​06, BFH/​NV 2009, 1115, unter II.1.a der Grün­de[]
  6. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 31.05.2001 – IV R 81/​99, BFHE 195, 382, BSt­Bl II 2002, 276[]
  7. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 02.06.1999 – X R 149/​95, BFH/​NV 2000, 23, unter II.1. der Grün­de[]
  8. BFH, Urteil in BFH/​NV 2009, 1115, unter II.2.b der Grün­de, m.w.N.[]
  9. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 23.05.2007 – X R 33/​04, BFHE 218, 163, BSt­Bl II 2007, 874, unter II.2.b bb der Grün­de[]
  10. BFH, Urteil in BFHE 218, 163, BSt­Bl II 2007, 874[]