Grund­stück­ver­mie­tung an den eige­nen Fili­al­be­trieb

Ehe­leu­te, die Antei­le an einer GmbH hal­ten und an die­se ein ein­zel­nes Grund­stück (Geschäfts­lo­kal) ver­mie­ten, erzie­len nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs auch dann gewerb­li­che Ein­künf­te, wenn der Fili­al­be­trieb der GmbH (Ein­zel­han­dels­un­ter­neh­men) im Übri­gen auf 9 Fremd­grund­stü­cken aus­ge­übt wird.

Grund­stück­ver­mie­tung an den eige­nen Fili­al­be­trieb

In dem jetzt vom BFH ent­schie­de­nen Fall hat­ten die Ehe­leu­te hier­ge­gen gel­tend gemacht, dass auf die von ihnen ver­mie­te­ten Fili­al­räu­me weni­ger als 10% der gesam­ten Nutz­flä­che der GmbH ent­fal­le und ein sol­cher gerin­ger Flä­chen­an­teil nach der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des BFH nicht dazu füh­ren kön­ne, die grund­sätz­lich pri­va­ten Ver­mie­tungs­ein­künf­te in gewer­be­steu­er­pflich­ti­ge Erträ­ge umzu­qua­li­fi­zie­ren. Damit hat­ten sie vor dem BFH jedoch kei­nen Erfolg:

Nach den Grund­sät­zen der sog. Betriebs­auf­spal­tung wird ein gewerb­li­ches Ver­mie­tungs­un­ter­neh­men (sog. Besitz­un­ter­neh­men) begrün­det, wenn der Ver­mie­ter die das Grund­stück nut­zen­de GmbH (sog. Betriebs­ge­sell­schaft) beherrscht und der über­las­se­ne Grund­be­sitz für den Betrieb der GmbH von wesent­li­cher Bedeu­tung ist. Letz­te­res Merk­mal sei zwar, so der BFH, in der Ver­gan­gen­heit einer stren­ge­ren Prü­fung unter­zo­gen wor­den. Nach zwi­schen­zeit­lich stän­di­ger Recht­spre­chung rei­che es jedoch aus, dass das Gesell­schaf­ter-Grund­stück für den Betrieb der GmbH nicht nur von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung sei. Hier­nach kön­ne, abwei­chend von der frü­he­ren Sicht des BFH, auch im Streit­fall nicht auf die blo­ßen Nutz­flä­chen­ver­hält­nis­se der Filia­len abge­stellt wer­den. Viel­mehr spre­che für die Wesent­lich­keit des Gesell­schaf­ter­grund­stücks, dass es funk­tio­nal in das unter­neh­me­ri­sche Kon­zept der GmbH (Fili­al­un­ter­neh­men) ein­ge­bun­den und auch die hier­auf betrie­be­ne Filia­le – gleich den ande­ren Stand­or­ten – mit der Erwar­tung ver­bun­den gewe­sen sei, einen mög­lichst gro­ßen Kun­den­kreis zu gewin­nen. Hin­zu kom­me, dass die nun­mehr ver­tre­te­ne Sicht – ins­be­son­de­re bei sich ändern­den Nutz­flä­chen­ver­hält­nis­sen oder bei einer expan­si­ven Geschäfts­tä­tig­keit des Betriebs­un­ter­neh­mens – einen nur schwer kal­ku­lier­ba­ren Wech­sel von gewerb­li­chen zu pri­va­ten Ver­mie­tungs­er­trä­gen ver­mei­de und damit der steu­er­pflich­ti­gen Auf­de­ckung der stil­len Reser­ven des Gewer­be­triebs (Besitz­un­ter­neh­men) im Rah­men einer Betriebs­auf­ga­be begeg­ne.

Das ein­zel­ne Geschäfts­lo­kal eines Fili­al­ein­zel­han­dels­be­triebs ist in aller Regel auch dann eine wesent­li­che Betriebs­grund­la­ge, wenn auf das Geschäfts­lo­kal weni­ger als 10 % der gesam­ten Nutz­flä­che des Unter­neh­mens ent­fällt.

Ob das ein­zel­ne Gesell­schaf­ter­grund­stück auch bei einer beson­ders gro­ßen Zahl von Fili­al­stand­or­ten als wesent­li­che Betriebs­grund­la­ge ein­zu­stu­fen ist, hat der BFH nicht erör­tert. Die Pra­xis wird hier­aus ent­neh­men kön­nen, dass die Recht­spre­chung – nicht zuletzt im Inter­es­se der Rechts­si­cher­heit – wenig Nei­gung ver­spü­ren wird, die vor­ste­hen­den Grund­sät­ze auf­zu­wei­chen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 19. März 2009 – IV R 78/​06