Immo­bi­li­en­ver­pach­tung an ein Alten­heim

Nach § 3 Nr. 20 GewStG sind Alters­hei­me und Pfle­ge­hei­me unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen von der Gewer­be­steu­er befreit, so etwa wenn 40% der Leis­tun­gen an Grund­si­che­rungs­emp­fän­ger erbracht wer­den (§ 3 Nr. 20 Buchst. c GewStG). Die­se Gewer­be­steu­er­be­frei­ung nach § 3 Nr. 20 Buchst. c GewStG fin­det aller­dings kei­ne Anwen­dung für die gewerb­li­che Ver­pach­tung einer Immo­bi­lie an ein Alten- und Pfle­ge­heim, sofern zwi­schen den Ver­trags­be­tei­lig­ten kei­ne Betriebs­auf­spal­tung besteht.

Immo­bi­li­en­ver­pach­tung an ein Alten­heim

In dem Fall des Finanz­ge­richts Müns­ter ist die Klä­ge­rin eine GbR, die eine ihr gehö­ren­de Immo­bi­lie an eine Schwes­ter­ge­sell­schaft ver­mie­te­te. Die Schwes­ter­ge­sell­schaft über­ließ die Immo­bi­lie wie­der­um ent­gelt­lich an eine wei­te­re Gesell­schaft, die auf dem Grund­stück ein Alten- und Pfle­ge­heim betrieb. Zwi­schen der Klä­ge­rin und der Schwes­ter­ge­sell­schaft bestand wegen über­wie­gend iden­ti­scher Gesell­schaf­ter­be­tei­li­gun­gen eine Betriebs­auf­spal­tung. Auf­grund des­sen erziel­te die Klä­ge­rin – trotz ver­mö­gens­ver­wal­ten­der Tätig­keit – gewerb­li­che Ein­künf­te. Sie bean­spruch­te, ihre Gewin­ne von der Gewer­be­steu­er gemäß § 3 Nr. 20 Buchst. c GewStG frei­zu­stel­len, da Glei­ches auch für die Betrei­be­rin des Alten- und Pfle­ge­heims gel­te.

Das Finanz­ge­richt Müns­ter sah die Vor­aus­set­zun­gen für eine Gewer­be­steu­er­be­frei­ung der Ver­mie­tungs­tä­tig­keit der Klä­ge­rin als nicht gege­ben an. Sie selbst betrei­be kein Alten- und Pfle­ge­heim im Sin­ne von § 3 Nr. 20 Buchst. c GewStG. Zwar wer­de bei einer Betriebs­auf­spal­tung die Gewer­be­steu­er­be­frei­ung für das Betriebs­un­ter­neh­men auf­grund des ein­heit­li­chen geschäft­li­chen Betä­ti­gungs­wil­lens auch auf das Besitz­un­ter­neh­men über­tra­gen. Aller­dings bestehe im Streit­fall nur eine Betriebs­auf­spal­tung zwi­schen der Klä­ge­rin und der zwi­schen­ge­schal­te­ten Schwes­ter­ge­sell­schaft, nicht aber auch zur Betrei­be­rin des Alten- und Pfle­ge­heims. Auch zwi­schen der Schwes­ter­ge­sell­schaft und der Heim­be­trei­be­rin lie­ge kei­ne Betriebs­auf­spal­tung vor, die es gebie­ten wür­de, die Gewer­be­steu­er­frei­heit nach § 3 Nr. 20 Buchst. c GewStG auf die Klä­ge­rin "durch­zu­rei­chen".

Für die Fäl­le der Betriebs­auf­spal­tung hat der zwar der Bun­des­fi­nanz­hof 1 die Erstre­ckung der Gewer­be­steu­er­be­frei­ung für das Betriebs­un­ter­neh­men auch auf das Besitz­un­ter­neh­men für zuläs­sig gehal­ten.

Aus­ge­hend davon, dass im Rah­men der Betriebs­auf­spal­tung unge­ach­tet der recht­li­chen Selbst­stän­dig­keit von Betriebs- und Betriebs­un­ter­neh­men die genu­in ver­mö­gens­ver­wal­ten­de Tätig­keit der Ver­mie­tung und Ver­pach­tung beim Besitz­un­ter­neh­men nur des­halb als gewerb­li­che qua­li­fi­ziert wird, weil das Besitz­un­ter­neh­men sach­lich und per­so­nell mit dem gewerb­lich täti­gen Betriebs­un­ter­neh­men ver­floch­ten ist und so über das Betriebs­un­ter­neh­men am all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen Ver­kehr teil­nimmt, hält der Bun­des­fi­nanz­hof es in die­sen Fäl­len für gerecht­fer­tigt, im Wege einer ein­heit­li­chen bzw. zusam­men­fas­sen­den Betrach­tung die Gewer­be­steu­er­frei­heit des Betriebs­un­ter­neh­mens auch auf das Besitz­un­ter­neh­men zu erstre­cken. Denn bei­de Unter­neh­men sei­en dann in ihrer Gesamt­heit dar­auf gerich­tet, die gem. § 3 Nr. 20 Buch­sta­be c GewStG steu­er­be­güns­ti­gen Leis­tun­gen zu erbrin­gen und ent­spre­chen­de Erträ­ge zu erzie­len.

Die vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze sind nach Ansicht des Finanz­ge­richts Müns­ter jedoch über den Fall der Betriebs­auf­spal­tung hin­aus nicht auf eine Fall­kon­stel­la­ti­on wie die vor­lie­gen­de über­trag­bar.

So hat etwa das Nie­der­säch­si­sche Finanz­ge­richt 2 nach Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts Müns­ter zu Recht her­aus­ge­stellt, dass mit dem rich­ter­recht­lich geschaf­fe­nen Insti­tut der Betriebs­auf­spal­tung das Ziel ver­folgt wer­de, zu ver­hin­dern, dass der Gewer­be­steu­er durch die Auf­spal­tung des zur Ver­wirk­li­chung der gewerb­li­chen Tätig­keit ein­ge­setz­ten Ver­mö­gens auf zwei eigen­stän­di­ge Rechts­trä­ger aus­ge­wi­chen wer­de. Feh­le jedoch die­se "Infek­ti­on" bzw. "Abfär­bung", weil die betei­lig­ten Gesell­schaf­ten von sich aus gewerb­lich tätig sind, bestehe kein Anlass, die Gewer­be­steu­er­frei­heit im kon­kret ent­schie­de­nen Fall von der Organ­trä­ge­rin auf die Organ­ge­sell­schaft zu erstre­cken.

Aus die­sen Grün­den schei­tert nach Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts Müns­ters auch im vor­lie­gen­den Fall die Erstre­ckung der für die Senio­ren­re­si­denz bestehen­den Gewer­be­steu­er­be­frei­ung auf die grund­be­sit­zen­de Klä­ge­rin. Denn die Senio­ren­re­si­denz ist gemäß § 15 Abs. 2 Nr. 2 EStG genu­in gewerb­lich tätig. Es han­delt sich um recht­lich selbst­stän­di­ge Steu­er­sub­jek­te, die ent­spre­chend der von ihnen gewähl­ten Rechts­form den ent­spre­chen­den steu­er­recht­li­chen Vor­schrif­ten unter­lie­gen. Für die Erstre­ckung der Gewer­be­steu­er­frei­heit fehlt es wegen der nicht vor­han­de­nen Betriebs­auf­spal­tung zwi­schen die­sen bei­den Gesell­schaf­ten an dem ver­bin­den­den Ele­ment ("Infek­ti­on" bzw. "Abfär­bung"), das es recht­fer­ti­gen wür­de, die Tätig­kei­ten bei­der Gesell­schaf­ten im Wege einer Gesamt­be­trach­tung dem gewer­be­steu­er­be­frei­ten Bereich zuzu­ord­nen. Allein die Tat­sa­che, dass auch in der vor­lie­gen­den Kon­stel­la­ti­on die Tätig­kei­ten bei­der Gesell­schaf­ten im Ergeb­nis gebün­delt wer­den, um auf der Ebe­ne der Senio­ren­re­si­denz gewer­be­steu­er­be­frei­te Erträ­ge zu erzie­len, und des­halb der Norm­te­los des § 3 Nr. 20 Buch­sta­be c GewStG berührt ist, zwingt nicht dazu, die Erträ­ge aus der Ver­pach­tung des Grund­be­sit­zes von der Gewer­be­steu­er frei­zu­stel­len.

Finanz­ge­richt Müns­ter, Urteil vom 18. Novem­ber 2010 – 3 K 1272/​08 G,F

  1. BFH, Urteil vom 29.03.2006 – X R 59/​00, BSt­Bl. II 2006, 661[]
  2. Nds. FG, Urteil vom 19.03.2009 – 6 K 441/​08, EFG 2009, 853[]