Kein Steu­er­glück für nicht­staat­li­che Lot­te­rie

Der pri­va­te Ver­an­stal­ter einer nicht geneh­mig­ten Lot­te­rie ist nicht von der Gewer­be­steu­er befreit, wie es bei staat­li­chen Lot­te­rie­un­ter­neh­men der Fall ist ent­schied nun­mehr der Bun­des­fi­nanz­hof.

Kein Steu­er­glück für nicht­staat­li­che Lot­te­rie

Geklagt hat­te eine Lot­to-Ser­vice­ge­sell­schaft gegen die Fest­stel­lung des beklag­ten Finanz­am­tes von Ein­künf­ten aus Gewer­be­be­trieb. Die Klä­ge­rin orga­ni­sier­te in den Streit­jah­ren Spiel­ge­mein­schaf­ten zur Teil­nah­me an den wöchent­li­chen Aus­spie­lun­gen des deut­schen Lot­to- und Toto­blocks mit von ihr ent­wi­ckel­ten Sys­tem­rei­hen (Zah­len­kom­bi­na­tio­nen), wel­che für die in Spiel­ge­mein­schaf­ten ver­bun­de­nen Mit­spie­ler ein­zu­set­zen waren. Sie ver­trat die Auf­fas­sung, sie unter­lie­ge nicht der Gewer­be­steu­er.

Gemäß § 3 Nr. 1 GewStG sind von der Gewer­be­steu­er u.a. die staat­li­chen Lot­te­rie­un­ter­neh­men befreit. Gemäß § 13 GewSt­DV unter­liegt ‑in Anknüp­fung an die in § 3 Nr. 1 GewStG bestimm­te Steu­er­be­frei­ung – die Tätig­keit der Ein­neh­mer einer staat­li­chen Lot­te­rie auch dann nicht der Gewer­be­steu­er, wenn sie im Rah­men eines Gewer­be­be­triebs aus­ge­übt wird. Der Bun­des­fi­nanz­hof betont jedoch, daß die Anwend­bar­keit der Befrei­ungs­vor­schrif­ten nach § 3 Nr. 1 GewStG und § 13 GewSt­DV in der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­ho­fes seit jeher – aus­ge­hend vom Wort­sinn "staat­lich" – strikt auf sol­che Unter­neh­men beschränkt wird, die der Staat unmit­tel­bar selbst betreibt oder die in der Form der rechts­fä­hi­gen, der Staats­auf­sicht unter­lie­gen­den Anstalt des öffent­li­chen Rechts orga­ni­siert sind 1. Aus­ge­hend hier­von wird – so der Bun­des­fi­nanz­hof – die Klä­ge­rin unge­ach­tet des­sen, dass sie eine Lot­te­rie ver­an­stal­tet hat 2, von den genann­ten Befrei­ungs­vor­schrif­ten nicht erfasst.

Der Bun­des­fi­nanz­hof sieht auch kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken dar­in, daß dadurch der pri­va­te Ver­an­stal­ter einer nicht geneh­mig­ten Lot­te­rie sowohl mit der Lot­te­rie- als auch Gewer­be­steu­er belas­tet wird.
Begrün­det hat der Bun­des­fi­nanz­hof dies damit, daß neben dem staat­li­chen Glücks­spiel­mo­no­pol auch die Lot­te­rie­steu­er der Bekämp­fung der Spiel- und Wett­sucht die­ne. Der am Gemein­wohl ori­en­tier­te Len­kungs­zweck der Lot­te­rie­steu­er recht­fer­ti­ge es, die Belas­tungs­wir­kung die­ser Steu­er im Fall einer ver­bots­wid­ri­gen Lot­te­rie zusätz­lich zur Belas­tung mit ande­ren Steu­ern ein­tre­ten zu las­sen. Es sei gleich­heits­recht­lich nicht gebo­ten, die Lot­te­rie­steu­er durch Frei­stel­lung von der Gewer­be­steu­er zu kom­pen­sie­ren. Auf die uni­ons­recht­lich ver­bürg­te Nie­der­las­sungs- und Dienst­leis­tungs­frei­heit konn­te sich das Lot­te­rie-Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men im Streit­fall, so der Bun­des­fi­nanz­hof, schon des­halb nicht beru­fen, weil es nicht in einem ande­ren Mit­glied­staat ansäs­sig ist und sei­ne Leis­tun­gen in dem Mit­glied­staat erbracht hat­te, in dem es nie­der­ge­las­sen ist.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 1. Dezem­ber 2010 – IV R 18/​09

  1. BFH, Urteil vom 14.03.1961 – I 240/​60 S, BFHE 72, 581, BSt­Bl III 1961, 212; BFH, Urteil vom 19.11.1985 – VIII R 310/​83, BSt­Bl II 1986, 719; BFH, Urteil des Gro­ßen Senats vom 13.11.1963 – GrS 1/​62 S, BFHE 78, 496, BSt­Bl III 1964, 190[]
  2. BFH, Urteil vom 02.04.2008 – II R 4/​06, BFHE 221, 256, BSt­Bl II 2009, 735[]