Kei­ne Gewer­be­steu­er auf­grund Kapi­tal­her­ab­set­zung

Der fik­ti­ve Gewinn­an­teil im Sin­ne des § 5 Abs. 1 KapErhStG a.F. (Rück­zah­lung von Nenn­ka­pi­tal bei des­sen Her­ab­set­zung) ist dem Gewinn aus Gewer­be­be­trieb bei der Ermitt­lung des Gewer­be­er­trags gemäß § 7 GewStG 1991 nicht hin­zu­zu­rech­nen.

Kei­ne Gewer­be­steu­er auf­grund Kapi­tal­her­ab­set­zung

Gemäß § 7 GewStG ist Gewer­be­er­trag der nach den Vor­schrif­ten des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes oder des Kör­per­schaft­steu­er­ge­set­zes zu ermit­teln­de Gewinn aus dem Gewer­be­be­trieb, der bei der Ermitt­lung des Ein­kom­mens für den dem Erhe­bungs­zeit­raum ent­spre­chen­den Ver­an­la­gungs­zeit­raum zu berück­sich­ti­gen ist, ver­mehrt oder ver­min­dert um die in den §§ 8 und 9 GewStG bezeich­ne­ten Beträ­ge. Der Gewer­be­er­trag ent­spricht somit, abge­se­hen von den gewer­be­steu­er­li­chen Zu- und Abrech­nun­gen, grund­sätz­lich dem Gewinn aus Gewer­be­be­trieb, der der Bemes­sung der Ein­kom­men- und Kör­per­schaft­steu­er zugrun­de zu legen ist.

Zur Bemes­sungs­grund­la­ge der Ein­kom­men- und Kör­per­schaft­steu­er und damit auch zum Gewer­be­er­trag gehö­ren nicht Ein­nah­men, die ent­we­der unter kei­ne Ein­kunfts­art fal­len oder auf­grund beson­de­rer gesetz­li­cher Vor­schrif­ten als steu­er­frei behan­delt wer­den [1]. Dies gilt nur dann nicht, wenn sich unmit­tel­bar aus dem Gewer­be­steu­er­ge­setz etwas ande­res ergibt oder soweit die steu­er­be­frei­en­de Vor­schrift mit dem beson­de­ren Cha­rak­ter der Gewer­be­steu­er als Objekt­steu­er nicht in Ein­klang steht [2].

Auf die­ser Basis ist der Kapi­tal­rück­zah­lungs­be­trag nicht in die Ermitt­lung des Gewer­be­er­tra­ges ein­zu­be­zie­hen.

Zwar gilt die Rück­zah­lung jenes Teils des her­ab­ge­setz­ten Nenn­ka­pi­tals, das von einer Kapi­tal­ge­sell­schaft zuvor inner­halb von fünf Jah­ren unter Ver­wen­dung einer Rück­la­ge erhöht wor­den ist, die aus dem Gewinn eines vor dem 1. Janu­ar 1977 abge­lau­fe­nen Wirt­schafts­jahrs gebil­det wor­den ist, nach § 5 Abs. 1 Satz 1 KapErhStG a.F. als Gewinn­an­teil. Als fik­ti­ver Gewinn­an­teil geht der Rück­zah­lungs­be­trag in die steu­er­li­che Ein­kom­mens­er­mitt­lung des Anteils­eig­ners ein (§ 4 Abs. 1, § 5 EStG, hier in Ver­bin­dung mit § 8 Abs. 1 KStG). Nach § 5 Abs. 2 Satz 1 und 3 KapErhStG a.F. wer­den die auf den fik­ti­ven Gewinn­an­teil ent­fal­len­den Steu­ern vom Ein­kom­men der Gesell­schaf­ter jedoch im Wege der Pausch­be­steue­rung von 30 v.H. erho­ben; die­se Steu­er ist nach § 5 Abs. 2 Satz 2 KapErhStG a.F. von der Kapi­tal­ge­sell­schaft, deren Nenn­ka­pi­tal her­ab­ge­setzt wird, als Steu­er­schuld­ne­rin [3] zu ent­rich­ten. Unbe­scha­det des­sen, dass es sich hier­bei (nur) um eine pau­scha­lier­te Steu­er­erhe­bungs­form han­delt, die sich an die Kapi­tal­ge­sell­schaft als Erhe­bungs­schuld­ner und nicht an den Anteils­eig­ner als Steu­er­schuld­ner rich­tet, hat das für den Anteils­eig­ner den­noch zur Fol­ge, dass der fik­ti­ve Gewinn­an­teil im Sin­ne des § 5 Abs. 1 KapErhStG a.F. (in sach­li­cher Hin­sicht) steu­er­frei bleibt; sein Bilanz­ge­winn ist in ent­spre­chen­dem Umfang außer­bi­lan­zi­ell zu kor­ri­gie­ren [4].

Geht der Rück­zah­lungs­be­trag damit aber im Ergeb­nis nicht in die Bemes­sungs­grund­la­ge für die Ein­kom­men­steu­er oder Kör­per­schaft­steu­er des Anteils­eig­ners ein, erstreckt sich dies gemäß § 7 GewStG 1991 auch auf die Ermitt­lung des Gewer­be­er­tra­ges. Die Kapi­tal­rück­zah­lung bleibt mit­hin auch für die­se unbe­rück­sich­tigt. Dass § 5 Abs. 2 Satz 1 KapErhStG a.F. die Steu­er­erhe­bung im Wege der Pausch­be­steue­rung unmit­tel­bar nur für die auf die fik­ti­ven Gewinn­an­tei­le nach § 5 Abs. 1 Satz 1 KapErhStG a.F. ent­fal­len­den Steu­ern vom Ein­kom­men anord­net und die Gewer­be­steu­er jeden­falls nicht aus­drück­lich ein­be­zieht, ändert an die­sem Ergeb­nis eben­so wenig wie der Umstand, dass die Ein­kom­mens­kor­rek­tur außer­bi­lan­zi­ell erfolgt [5]. Soll­te beab­sich­tigt gewe­sen sein, die in Rede ste­hen­de Steu­er­be­frei­ung des Anteils­eig­ners nicht auf die Gewer­be­steu­er durch­schla­gen zu las­sen, hät­te dies im Gesetz mit­tels eines gegen­läu­fi­gen Rege­lungs­be­fehls (wie bei­spiels­wei­se für die Situa­ti­on einer Gewinn­fik­ti­on bei der sog. Ton­nage­be­steue­rung nach § 5a EStG 2002 i.V.m. § 7 Satz 3 GewStG 2002 [6] oder auch der glei­cher­ma­ßen pau­scha­len Gewinn­ermitt­lung nach § 8 Abs. 1 Satz 2 KStG 2002 i.V.m. § 7 Satz 3 GewStG 2002 für Wer­be­sen­dun­gen öffent­lich-recht­li­cher Rund­funk­an­stal­ten) beson­ders ange­ord­net wer­den müs­sen; allein durch den Cha­rak­ter der Gewer­be­steu­er als sog. Objekt­steu­er kann dies nicht bewirkt wer­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 19. Juli 2010 – I R 36/​09

  1. vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 12.01.1978 – IV R 84/​74, BFHE 124, 204, BStBl II 1978, 267; und vom 08.05.1991 – I R 33/​90, BFHE 165, 191, BStBl II 1992, 437[]
  2. vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 124, 204, BStBl II 1978, 267; vom 24.10.1990 – X R 64/​89, BFHE 163, 42, BStBl II 1991, 358; in BFHE 165, 191, BStBl II 1992, 437; und vom 03.04.2008 – IV R 54/​04, BFHE 220, 495, BStBl II 2008, 742, jeweils m.w.N.[]
  3. vgl. Streck, KStG, 7. Aufl., § 5 KapErhStG Rz 10[]
  4. eben­so z.B. Frot­scher in Frotscher/​Maas, KStG, UmwStG, § 41 KStG aF Rz 43 [60. Lief., in der Druck­aus­ga­be aus­sor­tiert]; Bro­er in Blü­mich, EStG/​KStG/​GewStG, § 5 KapErhStG Rz 13; Dötsch in Dötsch/​Jost/​Pung/​Witt, Die Kör­per­schaft­steu­er, § 41 KStG aF Rz 37b; F. Was­ser­mey­er in Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 20 Rz D 31; Ant­wei­ler in Ernst & Young, KStG, § 41 KStG aF Rz 92 f.; Lein­gärt­ner, Steu­er und Wirt­schaft 1968, 333, 342; Streck, a.a.O., § 5 KapErhStG Rz 9 a.E.; Bre­zing in Herrmann/​Heuer/​Raupach, EStG und KStG, § 5 KapErhStG Rz 25 [Lief. 144, aus­sor­tiert][]
  5. sie­he dazu ähn­lich im Hin­blick auf § 12 Abs. 1 Satz 2 AStG a.F.: BFH, Urteil vom 21.12.2005 – I R 4/​05, BFHE 212, 226, BStBl II 2006, 555[]
  6. sie­he dazu auch BFH, Urteil vom 06.07.2005 – VIII R 72/​02, BFHE 221, 235[]