Ver­äu­ße­rungs­ge­winn einer GmbH & Co. KG

Der Ver­äu­ße­rungs­ge­winn aus dem Ver­kauf eines Geschäfts­be­reichs einer GmbH & Co. KG ist, auch wenn in Fol­ge davon die ori­gi­när gewerb­li­che Tätig­keit auf­ge­ge­ben und fort­an nur noch eine ver­mö­gens­ver­wal­ten­de Tätig­keit ent­fal­tet wird, dem Gewer­be­er­trag zuzu­ord­nen, wenn eine wesent­li­che Betriebs­grund­la­ge in dem fik­ti­ven (ver­mö­gens­ver­wal­ten­den) Gewer­be­be­trieb der nun­mehr gewerb­lich gepräg­ten Per­so­nen­ge­sell­schaft fort­ge­führt wird. Die­ser Ver­äu­ße­rungs­ge­winn unter­liegt mit­hin der Gewer­be­steu­er.

Ver­äu­ße­rungs­ge­winn einer GmbH <span class="amp">&</span> Co. KG

Gemäß § 7 GewStG ist Gewer­be­er­trag der nach den Vor­schrif­ten des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes oder des Kör­per­schaft­steu­er­ge­set­zes zu ermit­teln­de Gewinn aus Gewer­be­be­trieb. Die­ser ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung um sol­che Bestand­tei­le zu berei­ni­gen, die nicht mit dem Wesen der Gewer­be­steu­er als einer auf den täti­gen Gewer­be­be­trieb bezo­ge­nen Sach­steu­er über­ein­stim­men 1. Zu die­sen Bestand­tei­len gehö­ren bei natür­li­chen Per­so­nen und Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten nach eben­falls stän­di­ger Recht­spre­chung die Gewin­ne aus der Ver­äu­ße­rung oder Auf­ga­be eines Gewer­be­be­triebs oder Teil­be­triebs im Sin­ne von § 16 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1, Abs. 3 EStG 2. Dabei kommt es –anders als im Bereich der Ein­kom­men­steu­er– nicht not­wen­di­ger­wei­se dar­auf an, dass alle stil­len Reser­ven auf­ge­deckt wer­den. Denn die Nicht­be­las­tung mit Gewer­be­steu­er dient nicht dazu, die Fol­gen der zusam­men­ge­ball­ten Rea­li­sie­rung stil­ler Reser­ven zu mil­dern. Sie hat ihren Grund viel­mehr in dem Objekt­steu­er­cha­rak­ter der Gewer­be­steu­er, die nur den durch den lau­fen­den Betrieb anfal­len­den Gewinn erfasst 3.

Vor­aus­set­zung ist jedoch, dass die gewerb­li­che Tätig­keit auf­ge­ge­ben wird, also durch die (Teil-)Betriebs­ver­äu­ße­rung oder ‑auf­ga­be die gewerb­li­che Tätig­keit (inso­weit) end­gül­tig ein­ge­stellt wird. Davon ist immer dann aus­zu­ge­hen, wenn als Fol­ge der Ver­äu­ße­rung bzw. der Auf­ga­be die per­sön­li­che Steu­er­pflicht des Betriebs­in­ha­bers im Sin­ne von § 5 GewStG weg­ge­fal­len ist 4. Davon aus­ge­hend hat der Bun­des­fi­nanz­hof den Ver­äu­ße­rungs­ge­winn dem Gewer­be­er­trag unge­ach­tet des­sen nicht zuge­rech­net, dass der Steu­er­pflich­ti­ge ein dem Betrieb die­nen­des Wirt­schafts­gut mit erheb­li­chen stil­len Reser­ven zurück­be­hal­ten und zum Buch­wert in das (Son­der-)Betriebs­ver­mö­gen einer aty­pi­schen stil­len Gesell­schaft über­führt hat. Maß­geb­lich war inso­weit, dass die per­sön­li­che Gewer­be­steu­er­pflicht des Über­tra­gen­den weg­ge­fal­len war, da sub­jek­tiv gewer­be­steu­er­pflich­tig nur der Inha­ber des Han­dels­ge­schäfts und nicht der aty­pisch stil­le Gesell­schaf­ter ist 5.

Eine Auf­ga­be der gewerb­li­chen Tätig­keit setzt indes bei einer Per­so­nen­ge­sell­schaft nicht not­wen­di­ger­wei­se vor­aus, dass die­se auf­ge­löst wird und des­halb ihre per­sön­li­che Gewer­be­steu­er­pflicht weg­fällt. Viel­mehr kann auch die Per­so­nen­ge­sell­schaft, eben­so wie der Ein­zel­un­ter­neh­mer, meh­re­re Betrie­be nach­ein­an­der betrei­ben. Ob eine Auf­ga­be einer bis­he­ri­gen betrieb­li­chen Tätig­keit und die Neu­eröff­nung eines ande­ren Betriebs gege­ben ist, rich­tet sich in Abgren­zung zu einer Betriebs­ver­le­gung oder Betriebs­um­stel­lung danach, ob der "bis­he­ri­ge" und der "neue" Betrieb bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tung und nach der Ver­kehrs­auf­fas­sung wirt­schaft­lich iden­tisch sind 6. Eine Betriebs­auf­ga­be ist regel­mä­ßig zu ver­nei­nen, wenn wesent­li­che Betriebs­grund­la­gen, ins­be­son­de­re Wirt­schafts­gü­ter mit erheb­li­chen stil­len Reser­ven, ohne Rea­li­sie­rung die­ser Reser­ven "in den neu­en Betrieb über­führt wer­den" 6. Davon aus­ge­hend hat der Bun­des­fi­nanz­hof den Gewinn aus einer Teil­be­triebs­ver­äu­ße­rung der Gewer­be­steu­er unter­wor­fen, weil in dem dor­ti­gen Streit­fall eine wesent­li­che Betriebs­grund­la­ge (Betriebs­grund­stück) zurück­be­hal­ten und in dem Betriebs­ver­mö­gen des fort­be­stehen­den (Teil-)Betriebs fort­ge­führt wur­de.

Die­se Rechts­grund­sät­ze sind glei­cher­ma­ßen auf die KG anzu­wen­den, an der eine GmbH als ein­zi­ge Kom­ple­men­tä­rin betei­ligt ist. Dies gilt unge­ach­tet der Fra­ge, ob die KG ori­gi­när gewerb­lich tätig oder ein Gewer­be­be­trieb nur auf Grund der Fik­ti­on in § 15 Abs. 3 Nr. 2 EStG anzu­neh­men ist 7.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 17. März 2010 – IV R 41/​07

  1. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 24.08.2000 – IV R 51/​98, BFHE 192, 534, BSt­Bl II 2005, 173, m.w.N.; ande­rer Ansicht: Blümich/​von Twi­ckel, § 7 GewStG Rz 142 ff.[]
  2. BFH, Urteil vom 11.03.1982 – IV R 25/​79, BFHE 136, 204, BSt­Bl II 1982, 707, m.w.N.[]
  3. BFH, Urteil vom 03.02.1994 – III R 23/​89, BFHE 174, 372, BSt­Bl II 1994, 709[]
  4. BFH, Urtei­le in BFHE 174, 372, BSt­Bl II 1994, 709; und vom 26.06.2007 – IV R 49/​04, BFHE 217, 150, BSt­Bl II 2009, 289[]
  5. BFH, Urteil in BFHE 174, 372, BSt­Bl II 1994, 709[]
  6. BFH, Urteil in BFHE 136, 204, BSt­Bl II 1982, 707[][]
  7. vgl. dazu BFH, Urteil vom 20.11.2003 – IV R 5/​02, BFHE 204, 471, BSt­Bl II 2004, 464[]