Ver­lust­fest­stel­lung – und die gewer­be­steu­er­li­che Messbetragsfestsetzung

Im Rah­men der Begründ­etheit der Kla­ge gegen den Bescheid über die Fest­stel­lung des vor­trags­fä­hi­gen Gewer­be­ver­lus­tes sind die Ein­künf­te wegen der in § 35b Abs. 2 Satz 2 GewStG ange­ord­ne­ten Bin­dungs­wir­kung nicht selb­stän­dig zu ermitteln.

Ver­lust­fest­stel­lung – und die gewer­be­steu­er­li­che Messbetragsfestsetzung

Der Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid ist zwar kein Grund­la­gen­be­scheid für den Ver­lust­fest­stel­lungs­be­scheid auf den 31.12.2014. Die­ser Mess­be­scheid wird aber im Ergeb­nis wie ein sol­cher behan­delt. Dem­nach ist auch der Ver­lust­fest­stel­lungs­be­scheid einem Fol­ge­be­scheid ver­gleich­bar. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist die Kla­ge gegen einen Fol­ge­be­scheid selbst dann zuläs­sig, wenn die­se aus­schließ­lich mit Ein­wen­dun­gen begrün­det wird, die den Grund­la­gen­be­scheid betref­fen1. Ent­spre­chen­des gilt auch dann, wenn ein Bescheid ledig­lich wie ein Fol­ge­be­scheid inhalt­lich an einen ande­ren Bescheid gebun­den ist.

Ob die (zuläs­si­ge) Kla­ge gegen den Ver­lust­fest­stel­lungs­be­scheid auch begrün­det ist, hängt davon ab, wel­chen Inhalt der (wirk­sa­me) Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid hat.

Nach § 35b Abs. 2 Satz 2 GewStG sind bei der Fest­stel­lung des vor­trags­fä­hi­gen Gewer­be­ver­lus­tes die Besteue­rungs­grund­la­gen so zu berück­sich­ti­gen, wie sie der Fest­set­zung des Steu­er­mess­be­trags für den Erhe­bungs­zeit­raum, auf des­sen Schluss der vor­trags­fä­hi­ge Gewer­be­ver­lust fest­ge­stellt wird, zugrun­de gelegt wor­den sind; § 171 Abs. 10, § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und § 351 Abs. 2 der Abga­ben­ord­nung sowie § 42 FGO gel­ten entsprechend.

Mit die­ser Rege­lung wird eine inhalt­li­che Bin­dung des Ver­lust­fest­stel­lungs­be­scheids an den Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid erreicht, obwohl der Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid kein Grund­la­gen­be­scheid für den Ver­lust­fest­stel­lungs­be­scheid ist2. Der Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid wird im Ergeb­nis wie ein Grund­la­gen­be­scheid behan­delt. Dies bedeu­tet, dass der Steu­er­pflich­ti­ge auch durch eine Null-Fest­set­zung im Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid beschwert ist, wenn er eine höhe­re Ver­lust­fest­stel­lung begehrt3. Er muss auf­grund der Bin­dungs­wir­kung des Gewer­be­steu­er­mess­be­scheids die­sen Mess­be­scheid angreifen.

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Im Rah­men der Begründ­etheit der Kla­ge gegen einen Fol­ge­be­scheid ist nur noch zu prü­fen, ob über­haupt und wenn ja, in wel­chem Umfang eine Bin­dungs­wir­kung für den Fol­ge­be­scheid an den Grund­la­gen­be­scheid ein­ge­tre­ten ist4. Danach sind im Fest­stel­lungs­ver­fah­ren des ver­blei­ben­den Ver­lust­vor­trags die Ein­künf­te nicht mehr eigen­stän­dig zu ermit­teln5. Die Beur­tei­lung hängt mit­hin maß­geb­lich davon ab, mit wel­chem (nega­ti­ven) Betrag der Gewer­be­er­trag i.S. des § 7 GewStG im Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid aus­ge­wie­sen ist.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 17. März 2021 – IV R 7/​20

  1. z.B. BFH, Urteil vom 27.06.2018 – I R 13/​16, BFHE 262, 340, BStBl II 2019, 632, Rz 20, m.w.N.[]
  2. BFH, Urteil vom 16.05.2018 – XI R 50/​17, BFHE 261, 342, BStBl II 2018, 752, Rz 20[]
  3. z.B. BFH, Urteil vom 06.12.2016 – I R 79/​15, BFHE 256, 199, BStBl II 2019, 173, Rz 9[]
  4. BFH, Urteil vom 02.09.1987 – I R 162/​84, BFHE 151, 104, BStBl II 1988, 142, unter II. 1.b[]
  5. BFH, Urteil in BFHE 261, 342, BStBl II 2018, 752, Rz 20[]