Grund­stücks­ge­mein­schaft – und die geson­der­te und ein­heit­li­che Fest­stel­lung von Besteue­rungs­grund­la­gen

Nach § 179 Abs. 1 AO wer­den abwei­chend von § 157 Abs. 2 AO die Besteue­rungs­grund­la­gen durch Fest­stel­lungs­be­scheid geson­dert fest­ge­stellt, soweit dies in die­sem Gesetz oder sonst in den Steu­er­ge­set­zen bestimmt ist.

Grund­stücks­ge­mein­schaft – und die geson­der­te und ein­heit­li­che Fest­stel­lung von Besteue­rungs­grund­la­gen

Die geson­der­te Fest­stel­lung wird gegen­über meh­re­ren Betei­lig­ten ein­heit­lich vor­ge­nom­men, wenn dies gesetz­lich bestimmt ist oder der Gegen­stand der Fest­stel­lung meh­re­ren Per­so­nen zuzu­rech­nen ist (Absatz 2 Satz 2 der Vor­schrift).

Gemäß § 180 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a AO wer­den geson­dert fest­ge­stellt die ein­kom­men­steu­er­pflich­ti­gen und kör­per­schaft­steu­er­pflich­ti­gen Ein­künf­te und mit ihnen im Zusam­men­hang ste­hen­de ande­re Besteue­rungs­grund­la­gen, wenn an den Ein­künf­ten meh­re­re Per­so­nen betei­ligt sind und die Ein­künf­te die­sen Per­so­nen steu­er­lich zuzu­rech­nen sind.

Nach die­sen Vor­schrif­ten sind ins­be­son­de­re die von einer Per­so­nen­ge­sell­schaft oder Bruch­teils­ge­mein­schaft erziel­ten Ein­künf­te sowie deren Ver­tei­lung auf die Gesell­schaf­ter oder Gemein­schaf­ter im Wege der geson­der­ten und ein­heit­li­chen Fest­stel­lung zu erfas­sen.

Danach war im hier vom Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richt ent­schie­de­nen Fall kei­ne geson­der­te und ein­heit­li­che Fest­stel­lung von Besteue­rungs­grund­la­gen erfor­der­lich1. Strei­tig ist der Umfang des Betriebs­ver­mö­gens des Ein­zel­un­ter­neh­mens des Klä­gers, näm­lich ob hier­zu auch sein Mit­ei­gen­tums­an­teil am Grund­stück gehör­te. Inso­weit steht kei­ne Ein­künf­te­er­zie­lung durch meh­re­re Per­so­nen im Raum.

Auch auf der Ebe­ne der Grund­stücks­ge­mein­schaft (der Klä­ger) war hin­sicht­lich der Ver­mie­tungs­ein­künf­te kei­ne geson­der­te und ein­heit­li­che Fest­stel­lung durch­zu­füh­ren. Zwar wan­deln sich bei einer ver­mö­gens­ver­wal­ten­den Gesell­schaft (im Streit­fall die Grund­stücks­ge­mein­schaft), an der ein Gesell­schaf­ter (im Streit­fall der Klä­ger) betrieb­lich betei­ligt ist, die die­sem Gesell­schaf­ter zuzu­rech­nen­den Betei­li­gungs­ein­künf­te in betrieb­li­che Ein­künf­te um. Die­se Umqua­li­fi­zie­rung voll­zieht sich aller­dings außer­halb der Gesell­schaft bzw. Gemein­schaft und ist folg­lich nicht in der Grund­la­gen­ent­schei­dung zu tref­fen2. So wur­de es auch im Streit­fall in den Vor­jah­ren gehand­habt.

Das Nie­der­säch­si­sche Finanz­ge­richt ver­mag im Übri­gen nicht zu erken­nen, unter wel­chem Gesichts­punkt das Besitz­un­ter­neh­men des Klä­gers Son­der­be­triebs­ver­mö­gen bei der Grund­stücks­ge­mein­schaft gewor­den sein könn­te und aus die­sem Grund in ein Fest­stel­lungs­ver­fah­ren bei der Grund­stücks­ge­mein­schaft ein­zu­be­zie­hen gewe­sen wäre. Im Gegen­teil: Der Mit­ei­gen­tums­an­teil des Klä­gers am Grund­stück war dazu bestimmt, die Ver­mö­gens- und Ertrags­la­ge der GmbH zu ver­bes­sern und damit den Wert der Betei­li­gung dar­an zu erhal­ten oder zu erhö­hen.

Da nach § 179 Abs. 2 Satz 2 i.V.m. § 180 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a AO kei­ne geson­der­te und ein­heit­li­che Fest­stel­lung von Besteue­rungs­grund­la­gen durch­zu­füh­ren war, kommt es nicht dar­auf an, ob hier­von wegen eines Falls von gerin­ger Bedeu­tung i.S. des § 180 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 AO abge­se­hen wer­den konn­te.

Finanz­ge­richt Baden ‑Würt­tem­berg, Urteil vom 10. Dezem­ber 2015 – 1 K 3485/​13

  1. still­schwei­gend vor­aus­ge­setzt im BFH, Urteil vom 02.12 2004 – III R 77/​03, BFHE 208, 215, BSt­Bl II 2005, 340
  2. BFH, Beschluss vom 11.04.2005 – GrS 2/​02, BFHE 209, 399, BSt­Bl II 2005, 679, unter C.3.