Kir­chen­steu­er für den Ehe­gat­ten

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat ins­ge­samt sechs Ver­fas­sungs­be­schwer­den nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men, die sich gegen die Her­an­zie­hung glau­bens­ver­schie­de­ner Ehe­gat­ten zur Kir­chen­steu­er rich­te­ten.

Kir­chen­steu­er für den Ehe­gat­ten

Die Beschwer­de­füh­rer leben in soge­nann­ten glau­bens­ver­schie­de­nen Ehen, die sich durch den Umstand aus­zeich­nen, dass ledig­lich einer der bei­den Ehe­part­ner einer steu­er­be­rech­tig­ten Kir­che ange­hört. Sie wen­den sich gegen die Her­an­zie­hung zur Kir­chen­steu­er bezie­hungs­wei­se gegen die Her­an­zie­hung zum beson­de­ren Kirch­geld als einer Erschei­nungs­form der Kir­chen­steu­er. Die­se beruht auf im Ein­zel­nen unter­schied­li­chen gesetz­li­chen Rege­lun­gen der Län­der, vor­lie­gend Bay­ern, Nie­der­sach­sen, Nord­rhein-West­fa­len und Thü­rin­gen (vgl. Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 6 und 8 WRV), sowie zum Teil auf kon­kre­ti­sie­ren­den Bestim­mun­gen der steu­er­be­rech­tig­ten Kir­chen selbst (vgl. Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 3 Satz 1 WRV).

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die zur gemein­sa­men Ent­schei­dung ver­bun­de­nen sechs Ver­fas­sungs­be­schwer­den nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men, da die für die Ent­schei­dung im Wesent­li­chen maß­geb­li­chen ver­fas­sungs­recht­li­chen Fra­gen bereits durch die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts geklärt [1] und durch die hier­an anknüp­fen­de Recht­spre­chung der Fach­ge­rich­te ver­fas­sungs­ge­mäß kon­kre­ti­sie­rend beant­wor­tet sind. Ins­be­son­de­re hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt her­vor­ge­ho­ben, dass zwar nicht das ein­kom­men­steu­er­recht­lich ermit­tel­te Ein­kom­men des nicht einer Kir­che ange­hö­ren­den Ehe­gat­ten, wohl aber der Lebens­füh­rungs­auf­wand des kir­chen­an­ge­hö­ri­gen Ehe­gat­ten den Gegen­stand der Besteue­rung bil­den kann [2]. Wenn ange­sichts der Schwie­rig­kei­ten der Bestim­mung des Lebens­füh­rungs­auf­wan­des als Indi­ka­tor der wirt­schaft­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit des kir­chen­an­ge­hö­ri­gen Ehe­part­ners die­ser Auf­wand nach dem gemein­sa­men Ein­kom­men der Ehe­gat­ten bemes­sen wird, ist hier­ge­gen ver­fas­sungs­recht­lich nichts ein­zu­wen­den [3]. Danach begeg­nen auch die ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 28. Okto­ber 2010 – 2 BvR 591/​06, 2 BvR 1689/​09, 2 BvR 2698/​09, 2 BvR 2715/​09, 2 BvR 148/​10 und 2 BvR 816/​10

  1. vgl. insb. BVerfGE 19, 268; fer­ner­hin etwa BVerfGE 19, 206; 19, 226; 19, 253; 20, 40; 30, 415; 73, 388; BVerfG, Beschluss vom 19.08.2002 – 2 BvR 443/​01, DVBl 2002, 1624[]
  2. vgl. BVerfGE 19, 268, 282[]
  3. vgl. auch BFH, Urteil vom 19.10.2005 – I R 76/​04, BStBl II 2006, 274, 277 m.w.N.[]