Kon­tin­gen­tie­rungs­ver­fah­ren für die Abga­be von Steu­er­erklä­run­gen durch Steu­er­be­ra­ter

Das in Nord­rhein-West­fa­len prak­ti­zier­te Kon­tin­gen­tie­rungs­ver­fah­ren der Finanz­ver­wal­tung für die Abga­be von Steu­er­erklä­run­gen durch Steu­er­be­ra­ter ist nach Ansicht des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf nicht zu bean­stan­den

Kon­tin­gen­tie­rungs­ver­fah­ren für die Abga­be von Steu­er­erklä­run­gen durch Steu­er­be­ra­ter

Das in Nord­rhein-West­fa­len prak­ti­zier­te so genann­te Kon­tin­gen­tie­rungs­ver­fah­ren wur­de durch Erlass des Finanz­mi­nis­ters [1] ein­ge­führt. Durch die­ses Ver­fah­ren soll der zeit­ge­rech­te und kon­ti­nu­ier­li­che Ein­gang von Jah­res­steu­er­erklä­run­gen in den steu­er­lich bera­te­nen Fäl­len ver­bes­sert wer­den. Das Ver­fah­ren wird von den drei nord­rhein-west­fä­li­schen Steu­er­be­ra­ter­kam­mern unter­stützt.

Im Rah­men des Kon­tin­gen­tie­rungs­ver­fah­rens wird die Abga­be von Steu­er­erklä­run­gen durch die von Bera­tern ver­tre­te­nen Steu­er­pflich­ti­gen mit der Fest­le­gung von zeit­lich und zah­len­mä­ßig vor­ge­ge­be­nen Kon­tin­gen­ten struk­tu­riert. Das Ver­fah­ren bezieht sich auf die Pflicht­ver­an­la­gungs­fäl­le der Ver­an­la­gungs­zeit­räu­me ab 2010 und soll zunächst als Pilo­tie­rung bis zum 28. Febru­ar 2013 mit der Mög­lich­keit einer Ver­län­ge­rung andau­ern. Die für die Ver­an­la­gungs­zeit­räu­me vor 2010 zu erstel­len­den Steu­er­erklä­run­gen blei­ben in die­sem Ver­fah­ren unbe­rück­sich­tigt. Die Bemes­sung der Kon­tin­gen­te jedes ein­zel­nen teil­neh­men­den Steu­er­be­ra­ters erfolgt nach der Gesamt­zahl der von ihm in Nord­rhein-West­fa­len zu erstel­len­den Steu­er­erklä­run­gen (Pflicht­ver­an­la­gun­gen) E, K und F. Maß­geb­lich sind fol­gen­de Stich­ta­ge und Quo­ten, bezo­gen auf den jeweils aktu­el­len Man­dan­ten­be­stand zum Stich­tag:

  • 30.9. des Fol­ge­jah­res: 40 %
  • 31.12. des Fol­ge­jah­res: 75 %
  • 28./29.2. des Zweit­fol­ge­jah­res: 100 %

Bei der Bemes­sung der Kon­tin­gen­te wer­den Fäl­le nicht berück­sich­tigt, in denen Ein­künf­te aus Land- und Forst­wirt­schaft erzielt wer­den.

Eine erfolg­rei­che Teil­nah­me am Kon­tin­gen­tie­rungs­ver­fah­ren führt danach für 25 % der von dem jewei­li­gen Steu­er­be­ra­ter in Nord­rhein-West­fa­len abzu­ge­ben­den Jah­res­steu­er­erklä­run­gen E, K und F ohne Wei­te­res zu einer sank­ti­ons­frei­en Frist­ver­län­ge­rung bis zum 28./29.02. des Zweit­fol­ge­jah­res, ohne dass es dazu eines Frist­ver­län­ge­rungs­an­trags bedarf.

Die Teil­nah­me eines Ange­hö­ri­gen der steu­er­be­ra­ten­den Beru­fe am Kon­tin­gen­tie­rungs­ver­fah­ren erfolgt auf frei­wil­li­ger Basis. Das Ver­fah­ren ist zunächst für 300 bis 500 teil­neh­men­de Steu­er­be­ra­ter kon­zi­piert. Es besteht kein Rechts­an­spruch auf die Teil­nah­me am Ver­fah­ren.

Mit der Teil­nah­me ver­bun­den ist die Zustim­mung zu den vor­ge­ge­be­nen Ver­fah­rens­re­geln. Die Zustim­mung beinhal­tet ins­be­son­de­re die Ein­wil­li­gung in die Nut­zung der Bera­ter­num­mer zur Bestim­mung der Kon­tin­gen­te, zur Durch­füh­rung des Ver­fah­rens sowie in die Auf­nah­me des eige­nen Namens in eine ver­wal­tungs­in­ter­nen Lis­te der teil­neh­men­den Steu­er­be­ra­ter. Die­se Lis­te wird den Finanz­äm­tern im Intra­net der Finanz­ver­wal­tung Nord­rhein-West­fa­len bekannt gege­ben.

Der teil­neh­men­de Steu­er­be­ra­ter über­sen­det der für ihn zustän­di­gen Ober­fi­nanz­di­rek­ti­on bis zum 30. Juni eine Lis­te sei­ner Man­dan­ten ins­be­son­de­re mit aktu­el­ler Steu­er­num­mer in einem vor­ge­ge­be­nen Datei­for­mat. Die Ober­fi­nanz­di­rek­tio­nen erstel­len eine Lis­te der teil­neh­men­den Steu­er­be­ra­ter mit deren Bera­ter­num­mern und lei­ten die­se zur Erfas­sung an das Rechen­zen­trum wei­ter. Gleich­zei­tig wird die­se Teil­neh­mer­lis­te von den Ober­fi­nanz­di­rek­tio­nen im lan­des­wei­ten ver­wal­tungs­in­ter­nen Intra­net ein­ge­stellt.

Feh­ler­hin­wei­se, resul­tie­rend aus etwai­gen Fehl­ein­ga­ben der Steu­er­be­ra­ter, wer­den vom Rechen­zen­trum in einer Lis­te sor­tiert, nach Bera­ter­num­mern aus­ge­ge­ben und den OFD’en zwecks Wei­ter­ga­be an die Steu­er­be­ra­ter zur Ver­fü­gung gestellt. Die Steu­er­be­ra­ter wer­den von den OFD’en dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die jewei­li­gen Fäl­le nicht zuge­ord­net wer­den konn­ten, kei­nen Ein­gang in das Kon­tin­gent des jewei­li­gen Bera­ters gefun­den haben und damit als steu­er­lich unbe­ra­ten behan­delt wer­den.

Die teil­neh­men­den Steu­er­be­ra­ter sind ange­hal­ten, Ände­run­gen ihrer Kon­tin­gen­te unmit­tel­bar nach Über­nah­me bzw. Weg­fall des Man­dats unter Hin­weis auf ihre Teil­nah­me am Kon­tin­gen­tie­rungs­ver­fah­ren dem für den jewei­li­gen Man­dan­ten zustän­di­gen Finanz­amt mit­zu­tei­len. Spä­tes­tens bei der Erklä­rungs­ab­ga­be soll­te der Steu­er­be­ra­ter durch geson­der­ten und aus­drück­li­chen Hin­weis auf die Teil­nah­me am Kon­tin­gen­tie­rungs­ver­fah­ren auf­merk­sam machen, so dass dann eine unver­züg­li­che Spei­che­rung der Bera­ter­num­mer im Finanz­amt erfol­gen kann.

Das Rechen­zen­trum wird den Ober­fi­nanz­di­rek­tio­nen zu den Stich­ta­gen 30.09., 31.12. und 28. 02. jeweils am 15. des Fol­ge­mo­nats mit­tei­len, ob die teil­neh­men­den Steu­er­be­ra­ter die jeweils vor­ge­ge­be­nen Kon­tin­gen­te erfüllt haben. Dazu wird das Rechen­zen­trum den Ober­fi­nanz­di­rek­tio­nen eine bera­ter­be­zo­ge­ne Aus­wer­tung über­mit­teln. Die Ober­fi­nanz­di­rek­tio­nen infor­mie­ren die teil­neh­men­den Steu­er­be­ra­ter unter Anga­be der erreich­ten Quo­ten zum jewei­li­gen Stich­tag und ste­hen für Fra­gen zum Kon­tin­gen­tie­rungs­ver­fah­ren zur Ver­fü­gung.

Wäh­rend der Teil­nah­me am Kon­tin­gen­tie­rungs­ver­fah­ren erhal­ten die betei­lig­ten Steu­er­be­ra­ter kei­ne Erin­ne­run­gen für noch aus­ste­hen­de Jah­res­steu­er­erklä­run­gen ab dem Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2010. Von Schät­zun­gen und von der Fest­set­zung von Ver­spä­tungs­zu­schlä­gen wird inso­weit bis zum 28.02. des Zweit­fol­ge­jah­res lan­des­weit abge­se­hen. Vor­weg­an­for­de­run­gen sind jedoch mög­lich.

Erfüllt ein teil­neh­men­der Steu­er­be­ra­ter nach Fest­stel­lun­gen der OFD zu einem der genann­ten Stich­ta­ge das ent­spre­chen­de Kon­tin­gent nicht, wird er vor einem Aus­schluss vom Ver­fah­ren von der OFD ange­hört. Ergibt die fol­gen­de Anhö­rung kei­ne gegen­tei­li­gen Gesichts­punk­te, wird der Steu­er­be­ra­ter von der OFD für den jewei­li­gen Ver­an­la­gungs­zeit­raum vom Ver­fah­ren aus­ge­schlos­sen. Die Finanz­äm­ter sei­ner Man­dan­ten wer­den von der OFD über den Aus­schluss aus dem lau­fen­den Kon­tin­gen­tie­rungs­ver­fah­ren unter­rich­tet, indem die im Intra­net ein­ge­stell­te ver­wal­tungs­in­ter­ne Lis­te der teil­neh­men­den Steu­er­be­ra­ter zeit­nah aktua­li­siert wer­den. Mit dem Aus­schluss ver­bun­den ist die ggf. rück­wir­ken­de Anwen­dung des Fris­ten­er­las­ses auf sämt­li­che von dem Steu­er­be­ra­ter zu erstel­len­den und noch aus­ste­hen­den Jah­res­steu­er­erklä­run­gen für den jewei­li­gen Ver­an­la­gungs­zeit­raum.

Dazu über­mit­telt die Ober­fi­nanz­di­rek­ti­on dem Rechen­zen­trum die Bera­ter­num­mer des nun­mehr aus­ge­schlos­se­nen Steu­er­be­ra­ters. Das Rechen­zen­trum setzt bei allen noch aus­ste­hen­den Jah­res­steu­er­erklä­run­gen der betrof­fe­nen Man­dan­ten die­ses Steu­er­be­ra­ters die Frist auf den 31.12. zurück. Unbe­scha­det von einem Aus­schluss aus dem Ver­fah­ren betref­fend den Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2010 ist die Teil­nah­me am Kon­tin­gen­tie­rungs­ver­fah­ren für fol­gen­de Zeit­räu­me erneut mög­lich.

Für steu­er­li­che Bera­ter, die nicht an dem Ver­fah­ren teil­neh­men, läuft die Abga­be­frist bis zum 31.12. des Fol­ge­jah­res und kann nur bei begrün­de­tem Ein­zel­an­trag bis zum 29.02. des Zweit­fol­ge­jah­res ver­län­gert wer­den.

Das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf hat hier­zu nun geur­teilt, dass die für das Kon­tin­gen­tie­rungs­ver­fah­ren auf­ge­stell­ten Vor­aus­set­zun­gen kei­nen Ermes­sens­feh­ler erken­nen las­sen, ins­be­son­de­re kein Daten­miss­brauch droht. Anlass hier­zu bot eine Kla­ge, in der die Klä­ger ursprüng­lich gel­tend mach­ten, die Frist zur Abga­be ihrer Ein­kom­men- und Umsatz­steu­er­erklä­run­gen für 2010 sei bis zum 29.02.2012 zu ver­län­gern. Die Klä­ger berie­fen sich hier­zu über ihre Pro­zess­ver­tre­te­rin auf das Kon­tin­gen­tie­rungs­ver­fah­ren. Indes­sen kom­me – so ihre Ansicht – eine Offen­le­gung der Man­dats­ver­hält­nis­se ins­ge­samt, wie im Kon­tin­gen­tie­rungs­ver­fah­ren vor­ge­se­hen, mit Blick auf die beruf­li­che Ver­schwie­gen­heits­pflicht ihrer Pro­zess­ver­tre­te­rin nicht in Betracht.

Das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf ließ jedoch kei­ne Argu­men­te gegen das Kon­ti­gen­tie­rungs­ver­fah­ren gel­ten:

Nach § 109 Abs. 1 Satz 1 der Abga­ben­ord­nung (AO) kann die in § 149 Abs. 2 Satz 1 fest­ge­leg­te Frist, wonach Steu­er­erklä­run­gen, die sich auf ein Kalen­der­jahr bezie­hen, spä­tes­tens fünf Mona­te danach abzu­ge­ben sind, ver­län­gert wer­den. Die Ent­schei­dung über Anträ­ge zur Ver­län­ge­rung von Fris­ten zur Abga­be von Steu­er­erklä­run­gen wie im vor­lie­gen­den Fall, ist also eine Ermes­sens­ent­schei­dung, die vom Gericht nach § 102 der Finanz­ge­richts­ord­nung (FGO) nur dar­auf­hin über­prüft wer­den darf, ob die gesetz­li­chen Gren­zen des Ermes­sens über­schrit­ten oder von dem Ermes­sen in einer dem Zweck der Ermäch­ti­gung nicht ent­spre­chen­den Wei­se Gebrauch gemacht wor­den ist.

Hier­zu haben die obers­ten Finanz­be­hör­den der Län­der in gleich­lau­ten­den Erlas­sen vom 3. Janu­ar 2011 [2] für den Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2010 u.a. hin­sicht­lich der Ein­kom­men­steu­er und Umsatz­steu­er fol­gen­de Ver­län­ge­rungs­mög­lich­kei­ten vor­ge­se­hen: Für Per­so­nen, Gesell­schaf­ten, Ver­bän­de, Ver­ei­ni­gun­gen, Behör­den oder Kör­per­schaf­ten im Sin­ne des §§ 3 und 4 StBerG wur­de die Frist all­ge­mein bis zum 31. Dezem­ber 2011 ver­län­gert. Außer­dem ist bestimmt, dass die Frist zur Abga­be der Steu­er­erklä­run­gen bis zum 29. Febru­ar 2012 auf­grund begrün­de­ter Ein­zel­an­trä­ge ver­län­gert wer­den kann.

Auf die­ser Grund­la­ge steht den Klä­gern kein Anspruch auf Ver­län­ge­rung der Frist zur Abga­be ihrer Ein­kom­men- und Umsatz­steu­er­erklä­run­gen für 2010 bis zum 29.2.2012 zu. Denn sie haben kei­nen begrün­de­ten Anlass für eine sol­che Ver­län­ge­rung vor­ge­tra­gen.

Die Klä­ger kön­nen sich nicht auf das sog. Kon­tin­gen­tie­rungs­ver­fah­ren beru­fen. Dabei kann offen blei­ben, ob ihre Pro­zess­ver­tre­te­rin an die­sem Ver­fah­ren über­haupt teil­nimmt.

Näh­me die Pro­zess­ver­tre­te­rin nicht dar­an teil, bestün­den für die Klä­ger ohne­hin kei­ne Ansprü­che aus dem Kon­tin­gen­tie­rungs­ver­fah­ren. Sinn und Zweck die­ses Ver­fah­rens ist eine Ver­bes­se­rung der Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on durch eine gleich­mä­ßi­ge Aus­las­tung mit Arbeit – sowohl für die Finanz­ver­wal­tung als auch für Steu­er­be­ra­ter. Für den Arbeits­ab­lauf der Finanz­ver­wal­tung ist ein zeit­ge­rech­ter und kon­ti­nu­ier­li­cher Ein­gang von Jah­res­steu­er­erklä­run­gen von Vor­teil – für Steu­er­be­ra­ter eben eine Ver­län­ge­rung der Frist zur Abga­be der Steu­er­erklä­run­gen bis zum 28./29.2. des Zweit­fol­ge­jah­res. Dies erscheint dem Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf nur dann kon­se­quent, wenn es das eine nicht ohne das ande­re gibt und umge­kehrt – jeden­falls lässt eine sol­che Ver­knüp­fung kei­ne Ermes­sens­feh­ler erken­nen. Nimmt also ein Steu­er­be­ra­ter schon gar nicht am Kon­tin­gen­tie­rungs­ver­fah­ren teil, kann sei­ne Man­dant­schaft auch nicht die Vor­tei­le die­ses Ver­fah­rens gel­tend machen.

Näh­me die Pro­zess­ver­tre­te­rin an dem Kon­tin­gen­tie­rungs­ver­fah­ren teil, hät­te sie damit zugleich ihre Zustim­mung zu den im die­ses Ver­fah­ren betref­fen­den Erlass des Finanz­mi­nis­ters Nord­rhein-West­fa­len [1] dar­ge­stell­ten Ver­fah­rens­re­geln erteilt. Dazu gehört es auch, dass die teil­neh­men­den Steu­er­be­ra­ter den für sie zustän­di­gen Ober­fi­nanz­di­rek­ti­on­bis zum 30. Juni unter einer genau ange­ge­ben e‑mail-Adres­se eine Lis­te ihrer Man­dan­ten mit aktu­el­ler Steu­er­num­mer über­sen­den. Das hat die Pro­zess­ver­tre­te­rin der Klä­ger nicht getan.

Die Klä­ger kön­nen sich auch nicht auf das sog. Kon­tin­gen­tie­rungs­ver­fah­ren beru­fen – ohne dass ihre Pro­zess­ver­tre­te­rin die dazu erfor­der­li­chen Ver­fah­rens­re­geln erfüllt hat. Die im Erlass des FM Nord­rhein-West­fa­len vom 30. Novem­ber 2010 dar­ge­stell­ten Ver­fah­rens­re­geln las­sen kei­ne Ermes­sens­feh­ler erken­nen.

Dass die teil­neh­men­den Steu­er­be­ra­ter den für sie zustän­di­gen Ober­fi­nanz­di­rek­ti­on­bis zum 30. Juni unter einer genau ange­ge­ben e‑mail-Adres­se eine Lis­te ihrer Man­dan­ten mit aktu­el­ler Steu­er­num­mer zu über­sen­den haben, ist nicht zu bean­stan­den.

Soweit sich die Klä­ger dem­ge­gen­über dar­auf beru­fen, eine Offen­le­gung der Man­dats­ver­hält­nis­se ins­ge­samt kön­ne mit Blick auf die beruf­li­che Ver­schwie­gen­heits­pflicht ihrer Pro­zess­ver­tre­te­rin nicht in Betracht kom­men, berück­sich­ti­gen sie nicht, dass es auch für die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter der Finanz­ver­wal­tung eine Ver­schwie­gen­heits­pflicht gibt – näm­lich das nach § 30 AO zu wah­ren­de Steu­er­ge­heim­nis mit den nach § 355 StGB mög­li­chen Sank­tio­nen bei einer Ver­let­zung des Steu­er­ge­heim­nis­ses. Ange­sichts des­sen droht aus Sicht des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf kein Daten­miss­brauch. Dass es zu unzu­läs­si­gen Kon­trol­len kom­men wird, ist kaum anzu­neh­men – jeden­falls sind die ent­spre­chen­den Befürch­tun­gen der Klä­ger viel zu pau­schal.

Es muss auch nicht zwin­gend allein dar­auf abge­stellt wer­den, dass sich der Geschäfts­füh­rer der Pro­zess­ver­tre­te­rin bei sei­ner Bestel­lung zum Wirt­schafts­prü­fer und zum Steu­er­be­ra­ter ver­pflich­tet hat, den Beruf gewis­sen­haft, ver­schwie­gen und wahr­heits­ge­mäß aus­zu­üben – an sei­ner Glaub­wür­dig­keit hat der erken­nen­de Senat ohne­hin kei­ne Zwei­fel. Ent­schei­dend kommt es viel­mehr dar­auf an, wie das Kon­tin­gen­tie­rungs­ver­fah­ren in sei­nem gesam­ten Ablauf best­mög­lich effek­tiv umge­setzt wer­den kann. Dabei mag auch berück­sich­tigt wer­den, dass viel­leicht nicht jed­we­de Erklä­rung eines am Kon­tin­gen­tie­rungs­ver­fah­ren Teil­neh­men­den ver­läss­lich ist – jeden­falls ist ein Abstel­len auf die­sen Gesichts­punkt nicht ermes­sens­feh­ler­haft, wür­de das Ver­fah­ren doch sonst kaum von den drei nord­rhein-west­fä­li­schen Steu­er­be­ra­ter­kam­mern unter­stützt.

Dass bis zum 31. Dezem­ber des Fol­ge­jah­res eine Quo­te von 75 % der Gesamt­zahl des vom teil­neh­men­den Steu­er­be­ra­ter in Nord­rhein-West­fa­len zu erstel­len­den Steu­er­erklä­run­gen (Pflicht­ver­an­la­gun­gen) E, K und F erreicht sein muss, ist eben­falls nicht zu bean­stan­den. Zwar wird dabei nicht die Gewich­tung ein­zel­ner Fäl­le aus­drück­lich berück­sich­tigt – also offen­sicht­lich ein­fach gela­ger­te Ein­kom­men­steu­er­fäl­le mit der glei­chen Gewich­tung ver­se­hen wie kom­ple­xe Fäl­le. Jedoch wird dies dadurch aus­ge­gli­chen, dass ledig­lich eine Quo­te von 75 % erreicht sein muss; rein rech­ne­risch wäre gar eine Quo­te von 85 % ver­tret­bar gewe­sen – sind 100 Fäl­le gleich­mä­ßig in 14 Mona­ten zu erle­di­gen, sind rein rech­ne­risch in 12 Mona­ten 85 % erle­digt. Da die nach dem Kon­tin­gen­tie­rungs­ver­fah­ren zu errei­chen­de Quo­te jedoch um 10 Pro­zent­punk­te nied­ri­ger ist, besteht Raum für kom­ple­xe Fäl­le. Ob die­ser Raum aus­rei­chend ist, mag sich zei­gen – das Kon­tin­gen­tie­rungs­ver­fah­ren befin­det sich in der Erpro­bung.

Ermes­sens­feh­ler­haft ist auch nicht, dass der sog. Fris­ten­er­lass ggf. rück­wir­kend Anwen­dung fin­den soll.

Dies gilt jedoch schon nicht für die bis zum 15. Janu­ar des Fol­ge­jah­res ein­ge­hen­den Steu­er­erklä­run­gen – soweit zu die­sem Zeit­punkt fest­steht, dass die Quo­te zum 31.12. nicht erreicht wor­den ist. Denn für die bis zum 15.1. ein­ge­gan­ge­nen Erklä­run­gen wird – so der Ver­tre­ter der OFD Rhein­land in der münd­li­chen Ver­hand­lung – kein Ver­spä­tungs­zu­schlag erho­ben.

Aller­dings kann es zu einem Ver­spä­tungs­zu­schlag für die danach ein­ge­hen­den Erklä­run­gen kom­men, für die­se dann aber schon ab Beginn des Jah­res. Ein schüt­zens­wer­tes Ver­trau­en wird dadurch aber nicht berührt – erst recht nicht ver­letzt. Denn die teil­neh­men­den Steu­er­be­ra­ter wer­den zeit­nah über den Stand der von ihnen erreich­ten Quo­ten unter­rich­tet – unab­hän­gig von den jewei­li­gen Stich­ta­gen kön­nen die Bera­ter gar ab Ende Novem­ber ihre dann aktu­el­le Quo­te erfra­gen. Im Übri­gen bleibt es dabei, dass die Fest­set­zung eines Ver­spä­tungs­zu­schlags dann immer noch nach § 152 Abs. 1 AO im Ermes­sen der Finanz­be­hör­de liegt – ins­be­son­de­re nach Satz 2 die­ser Norm von einem Ver­spä­tungs­zu­schlag abzu­se­hen ist, wenn die Ver­säum­nis ent­schuld­bar erscheint. Dabei führt auch die rück­wir­ken­de Anwen­dung des Fris­ten­er­las­ses allein nicht zu einem Ermes­sens­fehl­ge­brauch – denn der Fris­ten­er­lass sei­ner­seits ver­langt die Aus­übung von Ermes­sen; in die­sem Rah­men sind die kon­kre­ten Umstän­de des Ein­zel­falls zu berück­sich­ti­gen.

Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 15. März 2012 – 12 K 509/​12 AO

  1. FM NRW, Erlass vom 30.11.2010 – S 0320 – 1/​6 – V A 2[][]
  2. BStBl I 2011, 44[]