Betriebs­stät­ten aus­län­di­scher EU-Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten

Die vor dem Sys­tem­wech­sel bei der Anrech­nung der Kör­per­schaft­steu­er bestehen­de tat­säch­li­che Dis­kri­mi­nie­rung von Betriebs­stät­ten aus­län­di­scher EU-Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten ist nach einem jetzt ver­öf­fent­lich­ten des Bun­des­fi­nanz­hofs durch die Gewäh­rung eines ver­rin­ger­ten Kör­per­schaft­steu­er­sat­zes aus­zu­glei­chen.

Betriebs­stät­ten aus­län­di­scher EU-Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten

Die Gewin­ne unbe­schränkt steu­er­pflich­ti­ger Kör­per­schaf­ten wur­den nach frü­he­rem Recht –vor dem kör­per­schaft­steu­er­li­chen Sys­tem­wech­sel– mit einem (höhe­ren) Regel­steu­er­satz und einem (nied­ri­ge­ren) Aus­schüt­tungs­steu­er­satz besteu­ert. Im Jah­re 1994 betrug der Regel­steu­er­satz 42%, der Aus­schüt­tungs­steu­er­satz 30%. Wur­de eine aus­län­di­sche Kapi­tal­ge­sell­schaft in Deutsch­land nicht über eine Toch­ter­ge­sell­schaft, son­dern über eine Betriebs­stät­te, z.B. eine Zweig­nie­der­las­sung, tätig, so betrug der Steu­er­satz dem­ge­gen­über unter­schieds­los 42%. Der I. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) hat jetzt durch Urteil vom 9. August 2006 I R 31/​01 ent­schie­den, dass der Gewinn der Zweig­nie­der­las­sung einer in einem ande­ren Mit­glied­staat der EG ansäs­si­gen aus­län­di­schen Kapi­tal­ge­sell­schaft nur einem Steu­er­satz von 33,5% unter­fal­le.

Die­sem Urteil war eine Ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Gemein­schaft (EuGH) vor­an­ge­gan­gen. Die augen­fäl­li­ge Ungleich­be­hand­lung selb­stän­di­ger Toch­ter­ge­sell­schaf­ten und unselb­stän­di­ger Betriebs­stät­ten hat­te den BFH näm­lich im Jah­re 2003 bewo­gen, den EuGH zu fra­gen, ob dar­in ein Ver­stoß gegen die EG-recht­li­che Nie­der­las­sungs­frei­heit zu sehen sei. Der EuGH bejah­te das im Grund­satz durch Urteil vom 23. Febru­ar 2006 C‑253/​03 "CLT-UFA" Es sei jedoch Sache des BFH, den Steu­er­satz, der auf die Gewin­ne einer Zweig­nie­der­las­sung anzu­wen­den ist, nach Maß­ga­be des Steu­er­sat­zes zu ermit­teln, der unter den glei­chen Umstän­den im Fall der Aus­schüt­tung der Gewin­ne einer Toch­ter­ge­sell­schaft an die Mut­ter­ge­sell­schaft ins­ge­samt anzu­wen­den gewe­sen wäre.

Mit dem jet­zi­gen Urteil hat der BFH die­sen Steu­er­satz auf 33,5% bemes­sen. Ein­zu­be­zie­hen sei der nomi­nel­le Steu­er­satz von 30 % zuzüg­lich die defi­ni­ti­ve Belas­tung mit Kapi­tal­ertrag­steu­er von 3,5%. Der BFH sah sich als berech­tigt an, die­sen Steu­er­satz anzu­set­zen, obwohl sich ein sol­cher aus dem Gesetz selbst nicht ergibt, um eine ander­wei­tig gänz­lich ent­fal­len­de Besteue­rung von Betriebs­stät­ten aus­län­di­scher EG-Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten zu ver­mei­den.

Der von einer aus­län­di­schen EU-Kapi­tal­ge­sell­schaft im Jah­re 1994 durch eine Zweig­nie­der­las­sung im Inland erziel­te Gewinn unter­liegt einer Kör­per­schaft­steu­er­be­las­tung von 33,5 v.H., allen­falls von 33,885 v.H.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 9. August 2006 – I R 31/​01