Abzugs­ver­bot für Gewer­be­steu­er

Das Ver­bot, die Gewer­be­steu­er­last von der Bemes­sungs­grund­la­ge der Kör­per­schaft­steu­er abzu­zie­hen, ist nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar.

Abzugs­ver­bot für Gewer­be­steu­er

Die Gewer­be­steu­er ist ihrer Natur nach eine Betriebs­aus­ga­be und min­dert des­halb den Gewinn z.B. einer Kapi­tal­ge­sell­schaft. Mit dem Unter­neh­men­steu­er­re­form­ge­setz 2008 hat der Gesetz­ge­ber jedoch in § 4 Abs. 5b EStG ange­ord­net, dass die Gewer­be­steu­er kei­ne Betriebs­aus­ga­be ist. Sie darf infol­ge­des­sen bei der Ermitt­lung des zu ver­steu­ern­den Gewinns nicht mehr gewinn­min­dernd (und damit steu­er­min­dernd) berück­sich­tigt wer­den.

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs ver­stößt die mit die­sem Abzugs­ver­bot ver­bun­de­ne Ein­schrän­kung des sog. objek­ti­ven Net­to­prin­zips bei Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten nicht gegen das ver­fas­sungs­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­ge­bot oder die Eigen­tums­ga­ran­tie des Grund­ge­set­zes. Sie las­se sich viel­mehr im Gesamt­zu­sam­men­hang mit den steu­er­li­chen Ent­las­tun­gen durch das Unter­neh­men­steu­er­re­form­ge­setz 2008 (z.B. Sen­kung des Kör­per­schaft­steu­er­sat­zes von 25% auf nur noch 15%) hin­rei­chend sach­lich begrün­den.

In dem vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te eine GmbH gegen das Abzugs­ver­bot geklagt, die meh­re­re gepach­te­te Tank­stel­len betrieb und auf­grund hoher Pacht­auf­wen­dun­gen ver­gleichs­wei­se viel Gewer­be­steu­er zah­len muss­te. Die Kla­ge blieb jedoch ohne Erfolg. Der Bun­des­fi­nanz­hof zeig­te sich nicht davon über­zeugt, dass die im Streit­fall über § 8 Abs. 1 KStG 2002 zur Anwen­dung kom­men­de Rege­lung des § 4 Abs. 5b EStG 2002 n.F., nach der die Gewer­be­steu­er und die dar­auf ent­fal­len­den Neben­leis­tun­gen kei­ne Betriebs­aus­ga­ben sind, für den hier in Rede ste­hen­den Bereich der Kör­per­schaft­steu­er ver­fas­sungs­wid­rig ist 1. Die Vor­aus­set­zun­gen für eine Aus­set­zung des Ver­fah­rens und die Ein­ho­lung einer Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts (BVerfG) gemäß Art. 100 Abs. 1 GG waren daher nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs nicht gege­ben.

Das Abzugs­ver­bot ver­stößt nicht gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG.

Aus dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz ist für die direk­ten Steu­ern sowohl ein sys­tem­tra­gen­des Prin­zip abzu­lei­ten ‑die Besteue­rung nach der wirt­schaft­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit des Steu­er­sub­jekts- als auch das Gebot, die­ses Prin­zip bei der Aus­ge­stal­tung des ein­fa­chen Rechts fol­ge­rich­tig umzu­set­zen 2. Zur Ermitt­lung der wirt­schaft­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit des Steu­er­sub­jekts bedarf es eines Aus­gleichs zwi­schen den von ihm erwirt­schaf­te­ten besteu­er­ba­ren Ein­nah­men und den zur Erzie­lung die­ser Ein­nah­men auf­ge­wen­de­ten Aus­ga­ben. Das damit beschrie­be­ne ("objek­ti­ve") Net­to­prin­zip ist jeden­falls ein­fach­ge­setz­lich in § 2 Abs. 2 EStG 2002 n.F. ange­legt 3 und auf der Grund­la­ge der Ver­wei­sung in § 8 Abs. 1 KStG 2002 auch im Bereich der Kör­per­schaft­steu­er anzu­wen­den 4.

Die Rege­lung des § 4 Abs. 5b EStG 2002 n.F. schränkt das objek­ti­ve Net­to­prin­zip ein.

Zu Recht hat das Finanz­ge­richt die Gewer­be­steu­er trotz des Wort­lauts des § 4 Abs. 5b EStG 2002 n.F., dem zufol­ge Gewer­be­steu­er und Neben­leis­tun­gen "kei­ne Betriebs­aus­ga­ben" sei­en, der Sache nach als betrieb­lich ver­an­lass­te Auf­wen­dung i.S. von § 4 Abs. 4 EStG 2002 n.F. ange­se­hen. Denn die Gewer­be­steu­er als ertrags­ori­en­tier­te Objekt­steu­er 5 knüpft unab­hän­gig von den per­sön­li­chen Ver­hält­nis­sen des Betriebs­in­ha­bers an den Gewer­be­be­trieb als Steu­er­ob­jekt an und berührt nicht die Pri­vat­sphä­re des Steu­er­sub­jekts und auch nicht ‑wenn Betriebs­in­ha­ber eine Gesell­schaft ist- die­je­ni­ge der Anteils­eig­ner. Die Wirk­wei­se des § 4 Abs. 5b EStG 2002 n.F. ist mit­hin dahin zu ver­ste­hen, dass dadurch ‑ver­gleich­bar z.B. den Tat­be­stän­den des § 4 Abs. 5 und § 4h EStG 2002 n.F.- ein steu­er­li­ches Abzugs­ver­bot für die Betriebs­aus­ga­be Gewer­be­steu­er ange­ord­net wird 6.

Das Abzugs­ver­bot schränkt das objek­ti­ve Net­to­prin­zip ein, indem die mit der Gewer­be­steu­er­pflicht ver­bun­de­ne Ver­min­de­rung der wirt­schaft­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit bei der Bemes­sung der Ein­kom­men- bzw. Kör­per­schaft­steu­er nicht berück­sich­tigt wird.

Die sonach vor­han­de­ne Beein­träch­ti­gung des objek­ti­ven Net­to­prin­zips durch § 4 Abs. 5b EStG 2002 n.F. lässt sich für Kör­per­schaf­ten sach­lich hin­rei­chend begrün­den und ver­stößt nicht gegen den Grund­satz der Fol­ge­rich­tig­keit.

Es bestehen im Aus­gangs­punkt kei­ne grund­sätz­li­chen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken dage­gen, dass neben der Ein­kom­men- oder Kör­per­schaft­steu­er zusätz­lich auch Gewer­be­steu­er erho­ben wird 7. Auch ist kein zwin­gen­des ver­fas­sungs­recht­li­ches Gebot erkenn­bar, dem zufol­ge die mit einer die­ser Steu­er­ar­ten ver­bun­de­nen Las­ten im Rah­men der Bemes­sungs­grund­la­ge der jeweils ande­ren Steu­er­art berück­sich­tigt wer­den müss­ten. Der bis zum Jahr 2007 mög­li­che Abzug der Gewer­be­steu­er von der Bemes­sungs­grund­la­ge der Kör­per­schaft­steu­er beruh­te mit­hin nicht auf einer ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­be, son­dern auf einer Ent­schei­dung des (ein­fa­chen) Gesetz­ge­bers. Die­ser war folg­lich ver­fas­sungs­recht­lich auch nicht grund­sätz­lich gehin­dert, die Abzugs­fä­hig­keit zu modi­fi­zie­ren oder ganz abzu­schaf­fen.

Mit dem Unter­neh­men­steu­er­re­form­ge­setz 2008 wur­de der Ko?rperschaftsteuersatz von 25 v.H. auf 15 v.H. gesenkt und die Gewer­be­steu­er­mess­zahl von maxi­mal 5 v.H. auf ein­heit­lich 3, 5 v.H. ver­rin­gert, so dass die nomi­na­le Belas­tung der Unter­neh­mens­ge­win­ne ‑bei einem Gewer­be­steu­er­he­be­satz von 400 v.H.- nur noch bei 29, 83 v.H. lag. Damit soll­te aus­weis­lich der Begrün­dung des Frak­ti­ons­ent­wurfs eines Unter­neh­men­steu­er­re­form­ge­set­zes 2008 8 der fis­ka­li­sche Anreiz, Gewin­ne ins Aus­land zu ver­la­gern, gemin­dert und die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land attrak­ti­ver für aus­län­di­sche Direkt­in­ves­ti­tio­nen wer­den. Zugleich soll­te zur Kom­pen­sa­ti­on der gerin­ge­ren nomi­na­len Steu­er­be­las­tung die steu­er­li­che Bemes­sungs­grund­la­ge durch ver­schie­de­ne Maß­nah­men ver­grö­ßert und ver­ste­tigt wer­den, wie ins­be­son­de­re die Ein­füh­rung der sog. Zins­schran­ke (§ 4h EStG 2002 n.F.), die Erwei­te­rung der gewer­be­steu­er­li­chen Hin­zu­rech­nungs­tat­be­stän­de und eben die Abschaf­fung der Abzugs­fä­hig­keit der Gewer­be­steu­er gemäß § 4 Abs. 5b EStG 2002 n.F. von den Bemes­sungs­grund­la­gen der Ein­kom­men- und Kör­per­schaft­steu­er als auch jener der Gewer­be­steu­er selbst. Bei Per­so­nen­un­ter­neh­men, die von der Absen­kung des Kör­per­schaft­steu­er­sat­zes nicht pro­fi­tier­ten, wur­de das Abzugs­ver­bot für die Gewer­be­steu­er wie­der­um mit der Erhö­hung des Anrech­nungs­fak­tors der Gewer­be­steu­er auf die Ein­kom­men­steu­er von 1, 8 auf 3, 8 kom­pen­siert, was aus­weis­lich der Geset­zes­be­grün­dung bei einem bun­des­weit durch­schnitt­li­chen Gewer­be­steu­er­he­be­satz von 400 v.H. zu einer voll­stän­di­gen Ent­las­tung der Per­so­nen­un­ter­neh­men von der Gewer­be­steu­er­schuld füh­ren soll­te 9.

Das Abzugs­ver­bot für die Gewer­be­steu­er ist vom Gesetz­ge­ber zudem damit begrün­det wor­den, dass das bis dahin bestehen­de Sys­tem der Unter­neh­mens­be­steue­rung unüber­sicht­lich und reform­be­dürf­tig sei: Die Gewer­be­steu­er sei als Betriebs­aus­ga­be bei der Bemes­sung der Ein­kom­men- und Kör­per­schaft­steu­er zu berück­sich­ti­gen und min­de­re damit auch ihre eige­ne Bemes­sungs­grund­la­ge; zudem wer­de bei Per­so­nen­un­ter­neh­men die Gewer­be­steu­er pau­schal auf die Ein­kom­men­steu­er­schuld ange­rech­net; ins­ge­samt zei­ge sich somit ein intrans­pa­ren­tes Zusam­men­wir­ken der unter­schied­li­chen Steu­ern. Wei­ter­hin füh­re die Abzugs­fä­hig­keit der Steu­ern unter­ein­an­der dazu, dass die Ein­nah­menströ­me der Gebiets­kör­per­schaf­ten mit­ein­an­der ver­mischt wür­den; dadurch wer­de eine genaue Zurech­nung der Steu­er­be­las­tung auf die ver­schie­de­nen Gebiets­kör­per­schaf­ten erschwert. Dies sei eine Fol­ge des Betriebs­aus­ga­ben­ab­zugs, des­sen Wir­kung von der Höhe des Ko?rperschaftsteuersatzes abhän­ge; wer­de der Gewer­be­steu­er­he­be­satz erhöht, wer­de ein Teil die­ser kom­mu­na­len Steu­er­erhö­hung wie­der­um über den Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug bei der Ein­kom­men- und Kör­per­schaft­steu­er auf ande­re Gebiets­kör­per­schaf­ten über­tra­gen 10.

Mit den Neu­re­ge­lun­gen wer­de die Trans­pa­renz der Besteue­rung erhöht, weil die nomi­na­le Belas­tung etwa bei Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten ein­fach durch Addi­ti­on der nomi­na­len Belas­tung durch Gewer­be­steu­er einer­seits und Kör­per­schaft­steu­er sowie Soli­da­ri­täts­zu­schlag ande­rer­seits ermit­telt wer­den kön­ne. Bei Per­so­nen­un­ter­neh­men wer­de die ent­las­ten­de Wir­kung der pau­scha­len Gewer­be­steu­er­an­rech­nung eben­falls kla­rer; statt die Gewer­be­steu­er­schuld von der Bemes­sungs­grund­la­ge der Ein­kom­men­steu­er abzu­zie­hen und spä­ter auch noch in pau­scha­ler Form von der Ein­kom­men­steu­er­schuld, gebe es nur noch den pau­scha­lier­ten, auf die tat­säch­lich gezahl­te Gewer­be­steu­er begrenz­ten Abzug von der Ein­kom­men­steu­er­schuld 9.

Die Abschaf­fung des Gewer­be­steu­er­ab­zugs (auch) von der kör­per­schaft­steu­er­li­chen Bemes­sungs­grund­la­ge ist dem­nach Bestand­teil einer Reform der Unter­neh­mens­be­steue­rung mit für den Steu­er­pflich­ti­gen teil­wei­se belas­ten­den, teil­wei­se aber auch ent­las­ten­den Wir­kun­gen. Soweit die Kör­per­schaft­steu­er betrof­fen ist, war Haupt­ziel der Reform eine Her­ab­set­zung des Steu­er­sat­zes um 40 v.H. bei gleich­zei­ti­ger Ver­grö­ße­rung der steu­er­li­chen Bemes­sungs­grund­la­ge. Zur Über­zeu­gung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist der Gesetz­ge­ber nicht von Ver­fas­sungs wegen dar­an gehin­dert, im Rah­men eines sol­chen steu­er­po­li­ti­schen Vor­ha­bens ein­zel­ne betrieb­li­che Auf­wen­dun­gen unter Ein­schrän­kung des objek­ti­ven Net­to­prin­zips bei der Bemes­sung der Kör­per­schaft­steu­er unbe­ach­tet zu las­sen. Das gilt jeden­falls inso­weit, als die betref­fen­den Auf­wen­dun­gen ‑wie bei der Gewer­be­steu­er grund­sätz­lich der Fall- annä­hernd gleich­mä­ßig bei allen Kör­per­schaft­steu­er­sub­jek­ten anfal­len. Es kann inso­weit nicht iso­liert auf einen rein fis­ka­lisch moti­vier­ten Ein­zel­zweck des Abzugs­ver­bots abge­stellt wer­den; viel­mehr ist inso­weit der Gesamt­zu­sam­men­hang der beab­sich­tig­ten Reform zu betrach­ten.

Soweit die Klä­ge­rin gel­tend macht, in ihrem Fall neh­me die Gewer­be­steu­er wegen der Hin­zu­rech­nun­gen von Pach­t­ent­gel­ten nach § 8 Nr. 1 Buchst. d und e des Gewer­be­steu­er­ge­set­zes 2002 i.d.F. des Unter­neh­men­steu­er­re­form­ge­set­zes 2008 11 einen Umfang an, der durch die Absen­kung des Kör­per­schaft­steu­er­sat­zes von 25 v.H. auf 15 v.H. nicht auf­ge­fan­gen wer­de, ändert das nichts an der Bewer­tung der Reform­zwe­cke als sach­li­che Grün­de für eine Durch­bre­chung des objek­ti­ven Net­to­prin­zips. Die Recht­fer­ti­gung setzt nicht vor­aus, dass die ver­schie­de­nen vor­ge­se­he­nen Kom­pen­sa­ti­ons­wir­kun­gen inner­halb der Gesamt­re­form in jedem Ein­zel­fall voll­stän­dig zur Gel­tung kom­men und somit sämt­li­che Steu­er­pflich­ti­gen nach der Reform nicht schlech­ter daste­hen als vor­her. Der Gesetz­ge­ber ist bei der Ord­nung von Mas­sen­er­schei­nun­gen viel­mehr grund­sätz­lich befugt, gene­ra­li­sie­ren­de, typi­sie­ren­de und pau­scha­lie­ren­de Rege­lun­gen zu tref­fen, ohne allein schon wegen der damit unver­meid­lich ver­bun­de­nen Här­ten gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz zu ver­sto­ßen 12. Ohne­hin geht es im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren nicht um die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Gewer­be­steu­er als sol­che, son­dern ledig­lich um die feh­len­de Abzugs­mög­lich­keit der Gewer­be­steu­er als Betriebs­aus­ga­be bei der Ermitt­lung der Bemes­sungs­grund­la­ge der Kör­per­schaft­steu­er.

Dar­über hin­aus hat der Gesetz­ge­ber das Abzugs­ver­bot mit den beschrie­be­nen steu­er­sys­te­ma­ti­schen Erwä­gun­gen begrün­det; auch die­se sind ‑unab­hän­gig von einer steu­er­po­li­ti­schen Bewer­tung- als sach­li­cher Grund geeig­net, die Ein­schrän­kung des objek­ti­ven Net­to­prin­zips zu recht­fer­ti­gen. Sie bie­ten ins­be­son­de­re eine Begrün­dung dafür, war­um der Gesetz­ge­ber aus­ge­rech­net den Aus­schluss des Gewer­be­steu­er­ab­zugs als Instru­ment zur Ver­brei­te­rung der steu­er­li­chen Bemes­sungs­grund­la­ge aus­ge­wählt hat.

Die von der Revi­si­on gel­tend gemach­ten Zwei­fel an der fol­ge­rich­ti­gen Aus­ge­stal­tung des Abzugs­ver­bots sind unbe­grün­det.

Sie beruft sich zum einen auf eine Ungleich­be­hand­lung zwi­schen einer­seits "pacht­in­ten­si­ven" Betrie­ben wie jenem der Klä­ge­rin, die auf­grund der Hin­zu­rech­nungs­be­stim­mun­gen für Pach­t­ent­gel­te nach § 8 Nr. 1 Buchst. d und e GewStG 2002 n.F. ver­hält­nis­mä­ßig mehr Gewer­be­steu­er zah­len und ande­rer­seits Betrie­ben mit gerin­ge­rem gewer­be­steu­er­li­chem Hin­zu­rech­nungs­po­ten­ti­al. Inso­weit ist jedoch im Rah­men des Abzugs­ver­bots bei der Kör­per­schaft­steu­er eine Ungleich­be­hand­lung der jewei­li­gen Betriebs­for­men bezüg­lich der Höhe der Gewer­be­steu­er hin­zu­neh­men, wenn die Ungleich­be­hand­lung schon bei der Bemes­sung der Gewer­be­steu­er selbst nicht zu einem Ver­stoß gegen Art. 3 GG führt. Und dass der Bun­des­fi­nanz­hof ‑anders als das Finanz­ge­richt in sei­nem den Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid der Klä­ge­rin für das Streit­jahr betref­fen­den Nor­men­kon­trol­ler­su­chen an das BVerfG vom 29.02.2012 1 K 138/​10 13- kei­ne ernst­li­chen Zwei­fel dar­an hat, dass die Gewer­be­steu­er auch in Anse­hung der durch das Unter­neh­men­steu­er­re­form­ge­setz 2008 ver­än­der­ten Hin­zu­rech­nungs­tat­be­stän­de für Mie­ten und Pach­ten nicht ver­fas­sungs­wid­rig ist, hat er in sei­nem Beschluss in BFHE 238, 452, BSt­Bl II 2013, 30 aus­ge­führt, auf den inso­weit ver­wie­sen wird.

Zum ande­ren hält die Revi­si­on eine Ungleich­be­hand­lung von pacht­in­ten­si­ven Kör­per­schaf­ten im Ver­gleich zu pacht­in­ten­si­ven Per­so­nen­un­ter­neh­men für gege­ben, weil bei Kör­per­schaf­ten die aus der Anwen­dung des § 4 Abs. 5b EStG 2002 n.F. resul­tie­ren­de Belas­tung nicht durch eine Anrech­nung der Gewer­be­steu­er auf die Ein­kom­men­steu­er ‑wie sie § 35 EStG 2002 n.F. vor­sieht- kom­pen­siert wer­de. Die erwei­ter­ten Anrech­nungs­mög­lich­kei­ten für Per­so­nen­un­ter­neh­men nach § 35 EStG 2002 n.F. las­sen sich jedoch damit recht­fer­ti­gen, dass die­se von der Her­ab­set­zung der Kör­per­schaft­steu­er auf 15 v.H. durch das Unter­neh­men­steu­er­re­form­ge­setz 2008 nicht pro­fi­tie­ren. Ob die Behaup­tung der Klä­ge­rin zutrifft, pacht­in­ten­si­ve Kör­per­schaf­ten stün­den nun­mehr im Hin­blick auf die Berück­sich­ti­gung der Gewer­be­steu­ern im Ergeb­nis schlech­ter da als pacht­in­ten­si­ve Per­so­nen­un­ter­neh­men, kann offen blei­ben. Denn Kör­per­schaf­ten einer­seits und Per­so­nen­un­ter­neh­men (natür­li­che Per­so­nen und Mit­un­ter­neh­mer­schaf­ten) ande­rer­seits unter­lie­gen grund­le­gend ver­schie­de­nen Besteue­rungs­kon­zep­ten. Der Gesetz­ge­ber ist auf­grund des ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­heits­sat­zes nicht zu einer rechts­form­neu­tra­len Aus­ge­stal­tung der Besteue­rungs­vor­schrif­ten ver­pflich­tet 14.

Soweit die GmbH sich wegen der Höhe ihrer Gesamt­steu­er­be­las­tung auch auf eine Ver­let­zung des sog. sub­jek­ti­ven Net­to­prin­zips beruft, wel­ches die Sicher­stel­lung des Exis­tenz­mi­ni­mums erfor­de­re, greift die­ses für Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten nicht. Das sub­jek­ti­ve Net­to­prin­zip besagt, dass nur der Teil des Erwerbs­ein­kom­mens, der für den Steu­er­pflich­ti­gen dis­po­ni­bel ist, der Ein­kom­men­steu­er unter­lie­gen darf, wes­halb die unver­meid­ba­ren Auf­wen­dun­gen für die eige­ne Exis­tenz­si­che­rung und der Unter­halt der Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen von der Besteue­rung frei­ge­stellt sein müs­sen 15. Die­ser Gedan­ke ist indes auf die Berück­sich­ti­gung unver­meid­ba­rer Pri­vat­auf­wen­dun­gen zuge­schnit­ten und lässt sich auf Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten, die über kei­ne außer­be­trieb­li­che Sphä­re ver­fü­gen 16, nicht über­tra­gen.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hält auch kei­nen Ver­stoß des § 4 Abs. 5b EStG 2002 n.F. gegen die ver­fas­sungs­recht­lich gewähr­leis­te­te Eigen­tums­ga­ran­tie aus Art. 14 GG für gege­ben. Der Schutz­be­reich des Art. 14 Abs. 1 GG dürf­te aller­dings betrof­fen sein, weil die Gewähr­leis­tung des Art. 14 Abs. 1 GG den Grund­rechts­trä­ger auch dann schützt, wenn Steu­er­pflich­ten ‑wie im Kör­per­schaft­steu­er­recht- an den Hin­zu­er­werb von Eigen­tum anknüp­fen 17. Jedoch liegt in der Rege­lung des § 4 Abs. 5b EStG 2002 n.F. aus den vor­ge­nann­ten Grün­den jeden­falls eine ver­fas­sungs­recht­lich zuläs­si­ge Bestim­mung der Schran­ken jenes Eigen­tums­rechts i.S. des Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG.

Soweit sich die Revi­si­on mit Blick auf die von ihr mit 79, 8% des zu ver­steu­ern­den Ein­kom­mens bezif­fer­te Gesamt-Steu­er­quo­te für das Streit­jahr auf eine Ver­let­zung des Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prin­zips beruft ("Über­maß­be­steue­rung"), wäre hier­für in ers­ter Linie die Gewer­be­steu­er selbst, nicht aber die hier nur ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­che Kör­per­schaft­steu­er ver­ant­wort­lich. Die Gesamt­steu­er­be­las­tung wür­de sich durch den ange­streb­ten Abzug der Gewer­be­steu­er von der Bemes­sungs­grund­la­ge der Kör­per­schaft­steu­er nicht wesent­lich ändern. Im Übri­gen muss die Mög­lich­keit, dass es in Son­der­kon­stel­la­tio­nen zu Über­maß­be­steue­run­gen kom­men kann, nicht zwin­gend zur Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der betref­fen­den Steu­er­ge­set­ze füh­ren; denk­bar wäre auch, dem im Wege eines Bil­lig­keits­er­wei­ses zu begeg­nen 18.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 16. Janu­ar 14 – I R 21/​12

  1. eben­so Tie­de in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 4 EStG Rz 1969; Blümich/​Wied, § 4 EStG Rz 922; Frot­scher, EStG, § 4 Rz 889; Sei­fert in Korn, § 4 EStG Rz 1223.6; ande­rer Auf­fas­sung Schlotter/​von Free­den in Schaumburg/​Rödder, Unter­neh­men­steu­er­re­form 2008, S. 398; Rossa/​Malzkorn, Der Betrieb 2012, 1169[]
  2. BVerfG, Beschluss vom 12.10.2010 1 BvL 12/​07, BVerfGE 127, 224, m.w.N.[]
  3. s. BVerfG, Beschluss vom 12.05.2009 2 BvL 1/​00, BVerfGE 123, 111[]
  4. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 127, 224; BFH, Urteil vom 22.08.2012 – I R 9/​11, BFHE 238, 419, BSt­Bl II 2013, 512, m.w.N.[]
  5. vgl. dazu z.B. BVerfG, Beschluss vom 21.06.2006 2 BvL 2/​99, BVerfGE 116, 164; BFH, Beschluss vom 16.10.2012 – I B 128/​12, BFHE 238, 452, BSt­Bl II 2013, 30[]
  6. so auch Tie­de in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 4 EStG Rz 1966; Bode in Kirch­hof, EStG, 13. Aufl., § 4 Rz 237; Schmidt/​Heinicke, EStG, 33. Aufl., § 4 Rz 618; Blümich/​Wied, § 4 EStG Rz 923; Sei­fert in Korn, § 4 EStG Rz 1223.6; indi­rekt auch Schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen vom 11.08.2008, BSt­Bl I 2008, 838, Rz 16[]
  7. vgl. BVerfG, Beschluss vom 15.01.2008 1 BvL 2/​04, BVerfGE 120, 1, m.w.N.[]
  8. BT-Drs. 16/​4841, S. 31[]
  9. BT-Drs. 16/​4841, S. 32[][]
  10. BT-Drs. 16/​4841, S. 30[]
  11. GewStG 2002 n.F.[]
  12. z.B. BVerfG, Beschluss vom 08.10.1991 1 BvL 50/​86, BVerfGE 84, 348[]
  13. EFG 2012, 960[]
  14. vgl. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 116, 164; BFH, Urteil vom 06.10.2009 – I R 39/​09, BFH/​NV 2010, 470; BFH, Beschluss vom 15.02.2012 – I B 97/​11, BFHE 236, 458, BSt­Bl II 2012, 697[]
  15. z.B. BVerfG, Beschluss vom 29.05.1990 1 BvL 20/​84, 1 BvL 26/​84, 1 BvL 4/​86, BVerfGE 82, 60; Hey in Tipke/​Lang, Steu­er­recht, 21. Aufl., § 8 Rz 71 ff., m.w.N.[]
  16. dazu z.B. BFH, Urteil vom 22.08.2007 – I R 32/​06, BFHE 218, 523, BSt­Bl II 2007, 961, m.w.N.[]
  17. BVerfG, Beschluss vom 18.01.2006 2 BvR 2194/​99, BVerfGE 115, 97[]
  18. vgl. zur Gewer­be­steu­er BFH, Beschluss in BFHE 238, 452, BSt­Bl II 2013, 30[]