Aus­gleichs­zah­lun­gen an außen ste­hen­de Anteils­eig­ner

In sei­nem Urteil zu Aus­gleichs­zah­lun­gen an außen­ste­hen­de Aktio­nä­re in der Organ­schaft 1 – ver­tritt der Bun­des­fi­nanz­hof die Auf­fas­sung, dass eine Ver­ein­ba­rung von Aus­gleichs­zah­lun­gen des beherr­schen­den Unter­neh­mens an einen außen ste­hen­den Aktio­när der beherrsch­ten Gesell­schaft der steu­er­recht­li­chen Aner­ken­nung eines Gewinn­ab­füh­rungs­ver­tra­ges ent­ge­gen­steht, wenn neben einem bestimm­ten Fest­be­trag ein zusätz­li­cher Aus­gleich in jener Höhe ver­ein­bart wird, um die der hypo­the­ti­sche Gewinn­an­spruch des Außen­ste­hen­den ohne die Gewinn­ab­füh­rung den Fest­be­trag über­stei­gen wür­de.

Aus­gleichs­zah­lun­gen an außen ste­hen­de Anteils­eig­ner

Abwei­chend von die­sem Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs hat­te die Finanz­ver­wal­tung bis­her auch Ver­ein­ba­run­gen zuge­las­sen, in denen sich ein an einen Min­der­heits­ge­sell­schaf­ter gezahl­ter Zuschlag auf einen fes­ten Min­dest­be­trag an dem Gewinn der Organ­ge­sell­schaft ori­en­tiert, sofern der fes­te Min­dest­be­trag den Min­dest­aus­gleich des § 304 Absatz 2 Satz 1 AktG nicht unter­schrei­tet 2.

Dies soll auch zukünf­tig so gehand­habt wer­den, so dass das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um die­ses Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs jetzt mit einem Nicht­an­wen­dungs­er­lass ver­sieht. Die Rechts­grund­sät­ze des Urteils sol­len daher von den Finanz­äm­tern über den ent­schie­de­nen Ein­zel­fall hin­aus nicht ange­wen­det wer­den.

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums steht das Urteil nicht im Ein­klang mit § 14 Absatz 1 Satz 1 KStG und den Grund­sät­zen des § 304 AktG.

§ 304 AktG bezweckt den Schutz des außen ste­hen­den Gesell­schaf­ters, indem die­ser wei­test­ge­hend so gestellt wer­den soll, als wür­de der Gewinn­ab­füh­rungs­ver­trag nicht bestehen. Nach § 304 Absatz 2 Satz 1 AktG ist dem außen ste­hen­den Aktio­när als fes­ter Aus­gleich min­des­tens der Betrag zuzu­si­chern, den er nach der bis­he­ri­gen Ertrags­la­ge und den künf­ti­gen Ertrags­aus­sich­ten der Gesell­schaft vor­aus­sicht­lich als durch­schnitt­li­chen Gewinn­an­teil erhal­ten hät­te. Dar­über hin­aus­ge­hen­de (fes­te oder varia­ble) Aus­gleich­zah­lun­gen sind nicht aus­ge­schlos­sen, da § 304 Absatz 2 Satz 1 AktG im fes­ten Zah­lungs­be­trag nur das Mini­mum des akti­en­recht­lich vor­ge­schrie­be­nen Aus­gleichs vor­sieht. Eine zivil­recht­lich zuläs­si­ger­wei­se ver­ein­bar­te Aus­gleichs­zah­lung steht daher nach Auf­fas­sung der Finanz­ver­wal­tung der Durch­füh­rung des Gewinn­ab­füh­rungs­ver­trags nicht ent­ge­gen.

Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen, Schrei­ben vom 20. April 2010 – IV C 2 – S 2770/​08/​10006 – (2010/​0216002)

  1. BFH, Urteil vom 04.03.2009 – I R 1/​08[]
  2. BMF, Schrei­ben vom 13.09.1991 – IV B 7 – S 2770 – 11/​91[]