Aus­nahms­wei­se steu­er­pflich­ti­ger Ver­äu­ße­rungs­ge­winn

Steu­er­recht kann so ein­fach sein. Auch der Bun­des­finan­hof bestä­tig­te jetzt wie­der, dass eine kör­per­schaft­steu­er­li­che Rege­lung (näm­lich § 8b Abs. 4 Satz 2 Nr. 2 KStG 1999/​2002 in den Fas­sun­gen des Unter­neh­mens­steu­er­fort­ent­wick­lungs­ge­set­zes und des sog. Korb II-Geset­zes) nicht wegen Ver­sto­ßes gegen das Gebot der Nor­men­klar­heit ver­fas­sungs­wid­rig sei. Unmit­tel­bar ein­leuch­tend, denn die Rege­lung ist ganz ein­fach:

Aus­nahms­wei­se steu­er­pflich­ti­ger Ver­äu­ße­rungs­ge­winn

Grund­sätz­lich blei­ben bei der Ermitt­lung des zu ver­steu­ern­den Ein­kom­mens die Gewin­ne aus der Ver­äu­ße­rung eines Anteils an einer Kör­per­schaft oder Per­so­nen­ver­ei­ni­gung gemäß § 8b Abs. 2 Satz 1 KStG 2002 –hin­sicht­lich der Gewer­be­steu­er i.V.m. § 7 Satz 1 des Gewer­be­steu­er­ge­set­zes– außer Ansatz, deren Leis­tun­gen beim Emp­fän­ger zu Ein­nah­men u.a. i.S. von § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG 2002 (Divi­den­den) gehö­ren.

Die­sen Grund­satz ein­schrän­kend bestimmt § 8b Abs. 4 Satz 1 KStG 2002 indes, dass § 8b Abs. 2 KStG 2002 nur anzu­wen­den ist, soweit die Antei­le nicht (Nr. 1, soge­nann­te sach­li­che Sper­re) ein­brin­gungs­ge­bo­ren i.S. des § 21 UmwStG 1995 oder (Nr. 2, soge­nann­te per­sön­li­che Sper­re) durch eine Kör­per­schaft, Per­so­nen­ver­ei­ni­gung oder Ver­mö­gens­mas­se unmit­tel­bar oder mit­tel­bar über eine Mit­un­ter­neh­mer­schaft von einem Ein­brin­gen­den, der nicht zu den nach Abs. 2 Begüns­tig­ten gehört, zu einem Wert unter dem Teil­wert erwor­ben wor­den sind.

Aller­dings wur­de die­se zur Steu­er­pflicht füh­ren­de Aus­nah­me­be­stim­mung des § 8b Abs. 4 Satz 1 KStG 2002 ihrer­seits ein­ge­schränkt durch die Rück­aus­nah­me­re­ge­lun­gen (die wie­der­um die Steu­er­frei­heit der Ver­äu­ße­rungs­ge­win­ne her­bei­führ­ten) des § 8b Abs. 4 Satz 2 KStG 2002, und zwar für das Jahr 2003 in der durch das Unter­neh­mens­steu­er­fort­ent­wick­lungs­ge­setz [1] in das KStG 1999 ein­ge­füg­ten Fas­sung (KStG 2002 a.F.) und für das Jahr 2004 in der Fas­sung des Korb-II-Geset­zes [2] (KStG 2002 n.F.).

Die­se Rück­aus­nah­me des § 8b Abs. 4 Satz 2 Nr. 2 KStG 1999/​2002 in den Fas­sun­gen des Unter­neh­mens­steu­er­fort­ent­wick­lungs­ge­set­zes und des sog. Korb II-Geset­zes setzt jedoch, wie der Bun­des­fi­nanz­hof jetzt ent­schied vor­aus, dass weder die in Halb­satz 1 defi­nier­ten nega­ti­ven Tat­be­stands­merk­ma­le noch das in Halb­satz 2 defi­nier­te nega­ti­ve Tat­be­stands­merk­mal vor­lie­gen. Letz­te­res umfasst auch den Fall, dass die durch einen nicht von § 8b Abs. 2 KStG 1999/​2002 begüns­tig­ten Steu­er­pflich­ti­gen ein­ge­brach­te Betei­li­gung im Rah­men einer Bar­grün­dung ent­stan­den ist.

Und Die­se Rege­lun­gen sind, so der BFH, nicht wegen Ver­sto­ßes gegen das Gebot der Nor­men­klar­heit ver­fas­sungs­wid­rig.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 18. März 2009 – I R 37/​08

  1. Gesetz zur Fort­ent­wick­lung des Unter­neh­mens­steu­er­rechts vom 20. Dezem­ber 2001 (Unter­neh­mens­steu­er­fort­ent­wick­lungs­ge­setz –Unt­StFG – , BGBl I 2001, 3858, BStBl I 2002, 35[]
  2. Geset­zes zur Umset­zung der Pro­to­koll­erklä­rung der Bun­des­re­gie­rung zur Ver­mitt­lungs­emp­feh­lung zum Steu­er­ver­güns­ti­gungs­ab­bau­ge­setz vom 22. Dezem­ber 2003, BGBl I 2003, 2840, BStBl I 2004, 14[]