Bin­dung des Gesell­schaf­ters an die Fest­stel­lun­gen des steu­er­li­chen Ein­la­ge­kon­to

Die Rege­lung des § 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 EStG 2002, nach der Bezü­ge aus Antei­len an einer Kör­per­schaft nicht zu den Ein­nah­men aus Kapi­tal­ver­mö­gen gehö­ren, soweit für die­se das steu­er­li­che Ein­la­ge­kon­to i.S. des § 27 KStG 2002 als ver­wen­det gilt, knüpft tat­be­stand­lich an die im Bescheid nach § 27 Abs. 2 KStG 2002 aus­ge­wie­se­nen Bestän­de des steu­er­li­chen Ein­la­ge­kon­tos an [1]. Wird die Fest­stel­lung geän­dert, ist hier­in ein rück­wir­ken­des Ereig­nis i.S. von § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO mit der Fol­ge zu sehen, dass im Hin­blick auf die Steu­er­fest­set­zung gegen­über dem Gesell­schaf­ter die Anlauf­hem­mung des § 175 Abs. 1 Satz 2 AO aus­ge­löst wird.

Bin­dung des Gesell­schaf­ters an die Fest­stel­lun­gen des steu­er­li­chen Ein­la­ge­kon­to

Die Aus­schüt­tun­gen der GmbH gehör­ten zu den Gewinn­an­tei­len i.S. von § 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 EStG 2002 [2]. Sie unter­la­gen des­halb dem Abzug der Kapi­tal­ertrag­steu­er sowie des Soli­da­ri­täts­zu­schlags, unab­hän­gig davon, ob die Antei­le an der GmbH im Pri­vat- oder im Betriebs­ver­mö­gen ihrer Gesell­schaf­ter (Gläu­bi­ger der Kapi­tal­erträ­ge) gehal­ten wur­den (§ 43 Abs. 4 EStG 2002).

Soweit hier­ge­gen gel­tend gemacht­wird, dass die GmbH kei­ne Gewin­ne aus­ge­schüt­tet, son­dern ihren Gesell­schaf­tern die von die­sen erbrach­ten Kapi­tal­rück­la­gen erstat­tet habe und des­halb die Aus­schüt­tun­gen nach § 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 EStG 2002 nicht zu den kapi­tal­ertrag­steu­er­pflich­ti­gen Erträ­gen ihrer Gesell­schaf­ter gehö­ren, lässt sie außer Acht, dass das steu­er­li­che Ein­la­ge­kon­to nach § 27 Abs. 2 Satz 1 KStG 2002 fest­ge­stellt wur­de und die­se Fest­stel­lun­gen, obgleich an die Kapi­tal­ge­sell­schaft als Inhalts­adres­sa­tin gerich­tet, auch für die Besteue­rung der Anteils­eig­ner eine mate­ri­ell-recht­li­che Bin­dung ent­fal­ten. Der Bun­des­fi­nanz­hof hat hier­zu mit Urteil vom 19.05.2010 [3] aus­ge­führt, dass die Rege­lung des § 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 EStG 2002, nach wel­cher Bezü­ge aus Antei­len an einer Kör­per­schaft nicht zu den Ein­nah­men aus Kapi­tal­ver­mö­gen gehö­ren, soweit für die­se das steu­er­li­che Ein­la­ge­kon­to i.S. des § 27 KStG 1999 n.F. als ver­wen­det gilt, tat­be­stand­lich an die im Bescheid nach § 27 Abs. 2 KStG 1999 n.F. aus­ge­wie­se­nen Bestän­de des steu­er­li­chen Ein­la­ge­kon­tos anknüpft. Dem­ge­mäß ist nicht nur die mit den Fest­stel­lun­gen des steu­er­li­chen Ein­la­ge­kon­tos für die Leis­tun­gen der Kör­per­schaft ver­bun­de­ne Ver­wen­dungs­fik­ti­on auch auf der Ebe­ne der Gesell­schaf­ter zu beach­ten; viel­mehr bedeu­tet die mate­ri­ell-recht­li­che Bin­dung des Gesell­schaf­ters (Anteils­in­ha­bers) auch, dass er sich nicht mit Erfolg dar­auf beru­fen kann, das steu­er­li­che Ein­la­ge­kon­to sei im Bescheid über die Fest­stel­lung des steu­er­li­chen Ein­la­ge­kon­tos unzu­tref­fend aus­ge­wie­sen.

Der Bun­des­fi­nanz­hof sieht kei­ne Ver­an­las­sung, von die­sen Grund­sät­zen abzu­rü­cken. Fol­ge hier­von ist nicht nur, dass im Streit­fall nach den Fest­stel­lun­gen des Ein­la­ge­kon­tos vom 12.11.2009 die Aus­schüt­tun­gen nicht i.S. von § 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 EStG 2002 unter Ver­wen­dung des Ein­la­ge­kon­tos erbracht wur­den und damit ent­ge­gen der Wür­di­gung der GmbH als Gewinn­an­teil i.S. von § 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 EStG 2002 der Kapi­tal­ertrag­steu­er unter­la­gen. Hin­zu kommt, dass auch die Fest­stel­lung des steu­er­li­chen Ein­la­ge­kon­tos zum 31.12 2006, die von der GmbH nicht ange­grif­fen wur­de und die auf die von ihr im Dezem­ber 2007 abge­ge­be­ne Erklä­rung (§ 27 Abs. 2 Satz 4 KStG 2002) zurück­ging, nach § 181 Abs. 1 AO i.V.m. § 169 Abs. 1 Satz 1 sowie Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 AO mit Ablauf des Jah­res 2011 bestands­kräf­tig gewor­den ist. Der vor­ge­nann­te Ände­rungs­be­scheid ist zudem wäh­rend des Ein­spruchs­ver­fah­rens gegen den Nach­for­de­rungs­be­scheid auf der Grund­la­ge einer ein­ge­hen­den recht­li­chen Prü­fung des Finanz­amt ergan­gen. Es ver­bie­tet sich des­halb die Annah­me, die Fest­stel­lung des steu­er­li­chen Ein­la­ge­kon­tos beru­he auf einer offen­ba­ren Unrich­tig­keit i.S. von § 129 AO. Die Bestands­kraft des Bescheids hat wei­ter­hin zur Fol­ge, dass den Ein­wän­den der GmbH gegen die Rechts­mä­ßig­keit des Fest­stel­lungs­be­scheids (hier: kei­ne Aus­schluss­wir­kung nach § 27 Abs. 5 Satz 2 KStG 2002 i.d.F. des Geset­zes über steu­er­li­che Begleit­maß­nah­men zur Ein­füh­rung der Euro­päi­schen Gesell­schaft und zur Ände­rung wei­te­rer steu­er­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 07.12 2006, BGBl I 2006, 2782, BStBl I 2007, 4), im anhän­gi­gen Ver­fah­ren nicht nach­zu­ge­hen ist.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 28. Janu­ar 2015 – I R 70/​13

  1. Bestä­ti­gung des BFH, Urteils vom 19.05.2010 – I R 51/​09, BFHE 230, 128, BStBl II 2014, 937[]
  2. zum Begriff s. BFH, Urteil vom 06.06.2012 – I R 6, 8/​11, BFHE 237, 346, BStBl II 2013, 111[]
  3. BFH, Urteil vom 19.05.2010 – I R 5/​09, BFHE 230, 128, BStBl II 2014, 937[]