Der zu hohe Spen­den­vor­trag

Nach § 40 Abs. 2 FGO sind Anfech­tungs­kla­ge und Ver­pflich­tungs­kla­ge nur dann zuläs­sig, wenn der Klä­ger gel­tend macht, durch den Ver­wal­tungs­akt bzw. durch die Ableh­nung eines Ver­wal­tungs­akts in sei­nen Rech­ten ver­letzt zu sein (Beschwer). Bei Steu­er­be­schei­den fehlt es nach stän­di­ger Recht­spre­chung in der Regel an der Beschwer, wenn sich die Kla­ge gegen eine aus Sicht des Klä­gers zu nied­ri­ge Steu­er­fest­set­zung rich­tet 1.

Der zu hohe Spen­den­vor­trag

Aus­nahms­wei­se kann ein Klä­ger aber auch durch eine zu nied­ri­ge Steu­er­fest­set­zung in sei­nen Rech­ten ver­letzt sein. Das ist der Fall, wenn nach sei­ner Dar­le­gung mit einer gewis­sen Wahr­schein­lich­keit ange­nom­men wer­den muss, dass ihm der Vor­gang, auf dem die Fest­set­zung beruht, bei der glei­chen Steu­er für spä­te­re Steu­er­ab­schnit­te steu­er­li­che Nach­tei­le ver­ur­sa­chen wird, die den durch die ange­foch­te­ne zu nied­ri­ge Steu­er­fest­set­zung bewirk­ten Vor­teil über­wie­gen 2. Die­se Grund­sät­ze gel­ten ent­spre­chend im Rah­men eines Rechts­streits, der sich auf ein geson­der­tes Fest­stel­lungs­ver­fah­ren bezieht 3.

Nach die­sen Maß­ga­ben fehlt es in dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Rechts­streit an einer Beschwer der Klä­ge­rin: Die­se hält die vom Finanz­amt fest­ge­stell­ten Spen­den­vor­trä­ge für zu hoch, weil sie der Auf­fas­sung ist, ein grö­ße­rer Teil der Spen­den sei in den Streit­jah­ren unmit­tel­bar abzugs­fä­hig gewe­sen. Durch zu hohe Spen­den­vor­trä­ge ‑und nur die­se sind Gegen­stand der Kla­ge- wür­de die Klä­ge­rin aber nicht in ihren Rech­ten ver­letzt; ihr wür­de dadurch kein erkenn­ba­rer Nach­teil zuge­fügt. Die höhe­ren Spen­den­vor­trä­ge kön­nen in den fol­gen­den Ver­an­la­gungs­zeit­räu­men für die Klä­ge­rin allen­falls zu nied­ri­ge­ren, nicht aber zu höhe­ren Steu­ern füh­ren.

Kern des Anlie­gens der Klä­ge­rin ist ein höhe­rer unmit­tel­ba­rer Spen­den­ab­zug in den Streit­jah­ren. Das kann sie nur durch Anfech­tung bzw. Ände­rung der Steu­er­fest­set­zun­gen errei­chen. Die Höhe der fest­zu­stel­len­den Spen­den­vor­trä­ge rich­tet sich nach dem jewei­li­gen "Ver­brauch" des Spen­den­vo­lu­mens in den Streit­jah­ren, ist also inso­weit logisch nach­ran­gig gegen­über der Steu­er­fest­set­zung. Sind die Steu­er­fest­set­zun­gen wegen höhe­ren abzugs­fä­hi­gen Spen­den­vo­lu­mens zu ändern, sind auch die Fest­stel­lungs­be­schei­de anzu­pas­sen (vgl. § 9 Abs. 1 Nr. 2 Satz 4 KStG 2002 n.F. i.V.m. § 10d Abs. 4 Satz 4 EStG 2002). Ansons­ten bestand nach der im Streit­fall maß­geb­li­chen Rechts­la­ge zwi­schen den Kör­per­schaft­steu­er­be­schei­den und den Beschei­den über die Fest­stel­lun­gen der ver­blei­ben­den Spen­den- bzw. Zuwen­dungs- und Groß­spen­den­vor­trä­ge kein gegen­sei­ti­ges Abhän­gig­keits­ver­hält­nis 4.

Ein irgend­wie gear­te­ter Vor­teil einer vor­zei­ti­gen, iso­lier­ten Ände­rung der Fest­stel­lungs­be­schei­de für die Klä­ge­rin ist nicht zu erken­nen. Im Gegen­teil wür­de dann ‑theo­re­tisch- die Gefahr bestehen, dass die Spen­den­vor­trä­ge ihrem Antrag ent­spre­chend her­ab­ge­setzt wer­den, wäh­rend die Steu­er­fest­set­zun­gen spä­ter ‑aus wel­chem Grund auch immer- nicht ent­spre­chend zu ihrem Vor­teil geän­dert wer­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 23. Okto­ber 2013 – I R 55/​12

  1. z.B. BFH, Urteil vom 10.01.2007 – I R 75/​05, BFH/​NV 2007, 1506, m.w.N.[]
  2. z.B. BFH, Beschluss vom 28.02.2002 – V B 56/​01, BFH/​NV 2002, 805[]
  3. BFH, Beschluss vom 27.08.2008 – I B 221/​07, BFH/​NV 2008, 2037; a.A. Gräber/​von Groll, Finanz­ge­richts­ord­nung, 7. Aufl., § 40 Rz 92[]
  4. vgl. zum unmit­tel­ba­ren Anwen­dungs­be­reich des § 10d EStG 2002 z.B. BFH, Beschluss vom 26.08.2010 – X B 219/​09, BFH/​NV 2011, 50; anders jetzt § 10d Abs. 4 Satz 4 EStG 2009 i.d.F. des Jah­res­steu­er­ge­set­zes 2010 vom 08.12 2010, BGBl I 2010, 1768, BSt­Bl I 2010, 1394: Bei Fest­stel­lung des ver­blei­ben­den Ver­lust­vor­trags sind die Besteue­rungs­grund­la­gen so zu berück­sich­ti­gen, wie sie der Steu­er­fest­set­zung zugrun­de gelegt wor­den sind[]