Die Euro­päi­sche Gesell­schaft im Steu­er­recht

Das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um hat nun den Ent­wurf eines "Geset­zes über steu­er­li­che Begleit­maß­nah­men zur Ein­füh­rung der Euro­päi­schen Gesell­schaft und zur Ände­rung wei­te­rer steu­er­recht­li­cher Vor­schrif­ten" (SEStEG) vor­ge­legt. Den Schwer­punkt des Refe­ren­ten­ent­wurfs bil­det die Umset­zung der Richt­li­nie 90/​434/​EWG über das gemein­sa­me Steu­er­sys­tem für Fusio­nen, Spal­tun­gen, Abspal­tun­gen, die Ein­brin­gung von Unter­neh­mens­tei­len und den Aus­tausch von Antei­len, die Gesell­schaf­ten ver­schie­de­ner Mit­glied­staa­ten betref­fen, sowie für die Ver­le­gung des Sit­zes einer Euro­päi­schen Gesell­schaft oder einer Euro­päi­schen Genos­sen­schaft von einem Mit­glied­staat in einen ande­ren Mit­glied­staat vom 23. Juli 1990 sowie die Anpas­sung natio­na­ler Vor­schrif­ten des Steu­er­rechts auf Grund der gesell­schafts­recht­li­chen Ent­wick­lun­gen im Bereich des sekun­dä­ren Gemein­schafts­rechts.

Die Euro­päi­sche Gesell­schaft im Steu­er­recht

Der Geset­zes­ent­wurf sieht ins­be­son­de­re Ände­run­gen des Ein­kom­men-, Kör­per­schaft- und Umwand­lung­steu­er­ge­setz­tes vor, um ver­schie­de­nen gesell­schafts- und steu­er­recht­li­chen Vor­ga­ben des euro­päi­schen Gemein­schafts­rechts Rech­nung zu tra­gen. Dies betrifft vor allem die Grün­dung der Euro­päi­schen Gesell­schaft (SE) durch grenz­über­schrei­ten­de Ver­schmel­zung und die grenz­über­schrei­ten­de Sitz­ver­le­gung der Euro­päi­schen Gesell­schaft (SE) sowie die grenz­über­schrei­ten­de Ver­schmel­zun­gen von Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten ande­rer Rechts­for­men aus ver­schie­de­nen Mit­glied­staa­ten (vgl. EuGH vom 13.12.2005 in der Sache SEVIV Sys­tems AG). Das SEStEG geht über die euro­päi­schen Vor­ga­ben hin­aus, indem es ein sys­te­ma­tisch in sich geschlos­se­nes zukunfts­fä­hi­ges steu­er­li­ches Umstruk­tu­rie­rungs­recht schaf­fen will, etwa in Hin­blick auf die Besteue­rung des Weg­zugs natür­li­cher und juri sti­scher Per­so­nen in das euro­päi­sche Aus­land.

Laut Geset­zes­ent­wurf sol­len die deut­schen Besteue­rungs­rech­te auf in Deutsch­land ange­sam­mel­te stil­le Reser­ven kon­se­quent sicher­ge­stellt wer­den. Hier­zu sieht der Ent­wurf ver­schie­de­ne Ent­stri­ckungs­tat­be­stän­de für grenz­über­schrei­ten­de Sach­er­hal­te vor, die die Auf­de­ckung und Besteue­rung stil­ler Reser­ven in Fäl­len, in denen ein Rechts­trä­ger­wech­sel statt­fin­det, Ver­mö­gen die betrieb­li­che Sphä­re ver­lässt, die Steu­er­pflicht endet oder Wirt­schafts­gü­ter dem deut­schen Besteue­rungs­zu­griff ent­zo­gen wer­den, sicher­stel­len sol­len. Für den betrieb­li­chen Bereich sieht das SEStEG die Sofort­ver­steue­rung vor – im Gegen­satz zur Stun­dungs­lö­sung hin­sicht­lich der Besteue­rung stil­ler Reser­ven natür­li­cher Per­so­nen, wie sie der EuGH in sei­nem Urteil "Hug­hes de Las­tey­rie du Sail­lant" noch vor­ge­ge­ben hat­te.