Die ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tung bei ver­deck­ter Treu­hand

Eine ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tung ist einem min­der­jäh­ri­gen Gesell­schaf­ter einer GmbH nicht zuzu­rech­nen, wenn er auf­grund eines ver­deck­ten Treu­hand­ver­hält­nis­ses nicht wirt­schaft­li­cher Eigen­tü­mer des von Fami­li­en­mit­glie­dern unent­gelt­lich über­tra­ge­nen GmbH-Anteils ist.

Die ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tung bei ver­deck­ter Treu­hand

Die Zurech­nung von Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen aus einer vGA rich­tet sich nach § 20 Abs. 2a EStG. Anteils­eig­ner i.S. die­ser Vor­schrift ist der­je­ni­ge, dem nach § 39 AO die Antei­le an der Kapi­tal­ge­sell­schaft zuzu­rech­nen sind.

Nach § 39 Abs. 1 AO sind Wirt­schafts­gü­ter dem Eigen­tü­mer zuzu­rech­nen. Eigen­tü­mer i.S. die­ser Rege­lung ist der zivil­recht­li­che Eigen­tü­mer bzw. Inha­ber des Wirt­schafts­guts. Abwei­chend von § 39 Abs. 1 AO bestimmt § 39 Abs. 2 Nr. 1 Satz 2 AO, dass bei Treu­hand­ver­hält­nis­sen die Wirt­schafts­gü­ter dem Treu­ge­ber zuzu­rech­nen sind. Die­se Vor­schrift greift jedoch nur dann ein, wenn im kon­kre­ten Ein­zel­fall ein steu­er­lich anzu­er­ken­nen­des Treu­hand­ver­hält­nis besteht.

Nach stän­di­ger höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung ist ein Treu­hand­ver­hält­nis nur dann gege­ben, wenn die mit der recht­li­chen Eigen­tü­mer- bzw. Inha­ber­stel­lung ver­bun­de­ne Ver­fü­gungs­macht so zu Guns­ten des Treu­ge­bers ein­ge­schränkt ist, dass das recht­li­che Eigen­tum bzw. die recht­li­che Inha­ber­schaft als "lee­re Hül­le" erscheint 1. Der Treu­ge­ber muss das Treu­hand­ver­hält­nis beherr­schen, und zwar nicht nur nach den mit dem Treu­hän­der getrof­fe­nen Abspra­chen, son­dern auch bei deren tat­säch­li­chem Voll­zug. Es muss zwei­fels­frei erkenn­bar sein, dass der Treu­hän­der aus­schließ­lich für Rech­nung des Treu­ge­bers han­delt. Wesent­li­ches und im Grund­satz unver­zicht­ba­res Merk­mal einer sol­chen Beherr­schung ist eine Wei­sungs­be­fug­nis des Treu­ge­bers –und damit kor­re­spon­die­rend die Wei­sungs­ge­bun­den­heit des Treu­hän­ders– in Bezug auf die Behand­lung des Treu­guts. Zudem muss der Treu­ge­ber berech­tigt sein, jeder­zeit die Rück­ga­be des Treu­guts zu ver­lan­gen 2.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 6. August 2013 – VIII R 10/​10

  1. BFH, Urteil vom 20.01.1999 – I R 69/​97, BFHE 188, 254, 258, BSt­Bl II 1999, 514, 516[]
  2. BFH, Urteil vom 24.11.2009 – I R 12/​09, BFHE 228, 195, BSt­Bl II 2010, 590, m.w.N.[]