EK-Umglie­de­rung beim Über­gang vom Anrech­nungs- zum Halb­ein­künf­te­ver­fah­ren

Die in § 36 Abs. 4 KStG 2002 i.d.F. des § 34 Abs. 13f KStG 2002 i.d.F. des JStG 2010 getrof­fe­ne Rege­lung zur Umglie­de­rung der Teil­be­trä­ge des vEK in ein Kör­per­schaft­steu­er­gut­ha­ben ist nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar 1. Ins­be­son­de­re erkennt der Bun­des­fi­nanz­hof kei­nen Ver­stoß gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG.

EK-Umglie­de­rung beim Über­gang vom Anrech­nungs- zum Halb­ein­künf­te­ver­fah­ren

Nach dem im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall ein­schlä­gi­gen § 36 KStG 2002 n.F. wer­den auf den Schluss des letz­ten Wirt­schafts­jah­res, das in dem Ver­an­la­gungs­zeit­raum endet, für den das Kör­per­schaft­steu­er­ge­setz 1999 letzt­mals anzu­wen­den ist, die End­be­stän­de der Teil­be­trä­ge des vEK aus­ge­hend von den gemäß § 47 KStG 1999 fest­ge­stell­ten Teil­be­trä­gen in einer bestimm­ten ‑im Gesetz näher beschrie­be­nen- Wei­se ermit­telt (Abs. 1 bis 6a) und die­ser Ermitt­lung gemäß geson­dert fest­ge­stellt (Abs. 7). Auf der Basis die­ser Fest­stel­lung wird auf den Schluss des nach­fol­gen­den Wirt­schafts­jah­res ein Kör­per­schaft­steu­er­gut­ha­ben errech­net, das sich auf 15/​55 des mit einer Kör­per­schaft­steu­er von 45 % belas­te­ten Teil­be­trags zuzüg­lich 1/​6 des End­be­stands des mit einer Kör­per­schaft­steu­er von 40 % belas­te­ten Teil­be­trags beläuft (§ 37 Abs. 1 Satz 2 i.d.F. des § 34 Abs. 13g KStG 2002 n.F.). Die­se gesetz­li­che Rege­lung schließt an den BVerfG, Beschluss in BVerfGE 125, 1 an, mit dem das BVerfG die zuvor gel­ten­den Vor­schrif­ten in § 36 Abs. 3 und 4 KStG 1999 n.F. für mit Art. 3 Abs. 1 GG unver­ein­bar befun­den hat­te. Sie ist in allen Fäl­len anzu­wen­den, in denen die End­be­stän­de i.S. des § 36 Abs. 7 KStG 2002 n.F. ‑wie im Streit­fall- noch nicht bestands­kräf­tig fest­ge­stellt sind (§ 34 Abs. 13f KStG 2002 n.F.).

Die recht­li­che und wirt­schaft­li­che Fol­ge der in §§ 36 ff. KStG 2002 n.F. ‑und zuvor in §§ 36 ff. KStG 1999 n.F.- ent­hal­te­nen Rege­lung besteht dar­in, dass das für eine Kapi­tal­ge­sell­schaft ermit­tel­te Kör­per­schaft­steu­er­gut­ha­ben zu einer Ver­min­de­rung der fest­zu­set­zen­den Kör­per­schaft­steu­er füh­ren kann. Eine sol­che knüpf­te unter der Gel­tung des Kör­per­schaft­steu­er­ge­set­zes 1999 n.F. an bestimm­te nach­fol­gen­de Gewinn­aus­schüt­tun­gen an (§ 37 Abs. 2 KStG 1999 n.F.); seit der Gel­tung des § 37 KStG 2002 i.d.F. des Geset­zes über steu­er­li­che Begleit­maß­nah­men zur Ein­füh­rung der Euro­päi­schen Gesell­schaft und zur Ände­rung wei­te­rer steu­er­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 07.12 2006 2 ‑KStG 2002 a.F.- wird das Kör­per­schaft­steu­er­gut­ha­ben letzt­ma­lig auf den 31.12 2006 ermit­telt (§ 37 Abs. 4 Satz 1 KStG 2002 a.F.) und in der Fol­ge­zeit in zehn glei­chen Jah­res­be­trä­gen aus­ge­zahlt (§ 37 Abs. 5 Satz 1 KStG 2002 a.F.).

Im Streit­fall hat das Finanz­amt die End­be­stän­de des vEK in der Wei­se fest­ge­stellt, dass es zunächst das nega­ti­ve EK 02 mit dem posi­ti­ven End­be­stand des EK 03 ver­rech­net hat; der ver­blei­ben­de (wei­ter­hin) nega­ti­ve Betrag an EK 02 wur­de sodann mit dem posi­ti­ven EK 30 und der sich hier­aus erge­ben­de "Rest­be­trag" mit dem posi­ti­ven Bestand an EK 40 ver­rech­net. Im Ergeb­nis ist nach der vom Finanz­amt ange­stell­ten Berech­nung durch die Kom­pen­sa­ti­on mit EK 02 in Höhe von ./.192.392 DM das EK 40 teil­wei­se ver­braucht wor­den, wäh­rend das EK 45 voll­stän­dig erhal­ten blieb. Das ent­spricht, was zwi­schen den Betei­lig­ten unstrei­tig ist, den Vor­ga­ben des § 36 Abs. 4 KStG 2002 n.F. Dies bedarf inso­weit kei­ner wei­te­ren Aus­füh­run­gen des Bun­des­fi­nanz­hofs.

Die in § 36 Abs. 4 KStG 2002 n.F. getrof­fe­ne Rege­lung ist, obwohl es ‑wie im Streit­fall- wei­ter­hin zu einem umglie­de­rungs­be­ding­ten Ver­brauch von Kör­per­schaft­steu­er­gut­ha­ben kom­men kann, mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar. Der Bun­des­fi­nanz­hof konn­te nicht die Über­zeu­gung gewin­nen, dass die Vor­schrift gegen Art. 3 Abs. 1 GG ver­stößt. Bereits im Urteil vom 20.04.2011 – I R 65/​05 3 ist der Bun­des­fi­nanz­hof nicht von einem Ver­stoß der Umglie­de­rungs­vor­schrift des § 36 Abs. 4 KStG 2002 n.F. gegen das Grund­ge­setz aus­ge­gan­gen und hier­an hält er auch für den Streit­fall fest.

Das BVerfG hat in sei­nem Beschluss in BVerfGE 125, 1 nur die in § 36 Abs. 3 KStG 1999 n.F. ange­ord­ne­te ‑und in der heu­te gel­ten­den Geset­zes­fas­sung nicht mehr erwähn­te- Umglie­de­rung von EK 45 in EK 40 für ver­fas­sungs­wid­rig erach­tet, nicht dage­gen die in § 36 Abs. 4 KStG 1999 n.F. bestimm­te ‑und nach heu­ti­gem Recht und auch für den Streit­fall wei­ter­hin nach § 36 Abs. 4 KStG 2002 n.F. vor­ge­se­he­ne- Ver­rech­nung von nega­ti­vem nicht belas­te­tem vEK (EK 01, EK 02 und EK 03) mit belas­te­tem vEK. Aus­schlag­ge­bend dafür war für das BVerfG, dass der gesetz­li­chen Über­gangs­re­ge­lung die Fik­ti­on einer Voll­aus­schüt­tung des gesam­ten vEK zugrun­de lie­ge. Danach habe bei den betrof­fe­nen Kör­per­schaf­ten der Kör­per­schaft­steu­er­min­de­rungs­be­trag erhal­ten blei­ben sol­len, der sich bei einer Voll­aus­schüt­tung im Anrech­nungs­ver­fah­ren auf den Zeit­punkt des Sys­tem­wech­sels erge­ben hät­te. Aus­ge­hend davon sei es fol­ge­rich­tig, den Erhalt des Kör­per­schaft­steu­er­min­de­rungs­be­trags dar­an zu knüp­fen, ob nach Ablauf die­ses Jah­res die Rea­li­sie­rung des Kör­per­schaft­steu­er­min­de­rungs­po­ten­ti­als mög­lich gewe­sen wäre. Das wie­der­um habe maß­geb­lich vom Bestand eines nega­ti­ven EK 02 abge­han­gen; ein sol­ches wir­ke näm­lich im Anrech­nungs­ver­fah­ren wie eine han­dels­recht­li­che Aus­schüt­tungs­sper­re, da das laut Glie­de­rungs­rech­nung vor­han­de­ne Eigen­ka­pi­tal nur in Höhe des vor­han­de­nen bilan­zi­el­len Eigen­ka­pi­tals zu Aus­schüt­tun­gen habe ver­wen­det wer­den kön­nen 4. Soweit indes­sen ein nega­ti­ver Bestand des EK 02 allein durch die Tech­nik der Umglie­de­rung des EK 45 in EK 40 ent­stan­den sei, beru­he ein sich dar­auf erge­ben­der Ver­lust an Kör­per­schaft­steu­er­min­de­rungs­po­ten­zi­al nicht auf der Fik­ti­on der Voll­aus­schüt­tung und kön­ne er daher nicht mit die­ser Annah­me gerecht­fer­tigt wer­den 4. Dem ist zu ent­neh­men, dass das BVerfG die in § 36 Abs. 4 KStG 1999 n.F. vor­ge­se­he­ne Ver­rech­nung von nega­ti­vem nicht belas­te­tem EK 02 mit posi­ti­vem belas­te­tem vEK im Grund­satz für sach­ge­recht und nur inso­weit als dem Gleich­heits­satz wider­spre­chend ansieht, als ein nega­ti­ves EK 02 auf der in § 36 Abs. 3 KStG 1999 n.F. ange­ord­ne­ten Umglie­de­rung beruht.

Die­se auf den Aus­füh­run­gen des BVerfG basie­ren­den Erwä­gun­gen las­sen sich auf den vor­lie­gen­den Streit­fall über­tra­gen, der dadurch gekenn­zeich­net ist, dass zwar die Sum­me der nicht (mit Kör­per­schaft­steu­er) belas­te­ten Teil­be­trä­ge des EK 01, EK 02 und EK 03 nega­tiv, die Sum­me des EK 0 ‑also EK 01, EK 02, EK 03 und EK 04- aber ins­ge­samt posi­tiv ist. Der Sach­ver­halt des Streit­falls unter­schei­det sich damit nicht von dem im BVerfG, Beschluss in BVerfGE 125, 1. Hier wie dort ergab sich ins­ge­samt ‑trotz einer nega­ti­vem Sum­me aus EK 01, EK 02 und EK 03- ein posi­ti­ver Betrag des EK 0, d.h. der posi­ti­ve Betrag des EK 04 führ­te hier wie dort dazu, dass die nega­ti­ve Sum­me aus EK 01, EK 02 und EK 03 aus­ge­gli­chen wer­den konn­te. Wenn nun das BVerfG in die­ser Sach­ver­halts­kon­stel­la­ti­on die Umglie­de­rungs­vor­schrift des § 36 Abs. 4 KStG 1999 n.F. (jetzt § 36 Abs. 4 KStG 2002 n.F.) dar­an misst, ob im Fall der "Voll­aus­schüt­tung des gesam­ten ver­wend­ba­ren Eigen­ka­pi­tals" eine Rea­li­sie­rung des vor­han­de­nen Kör­per­schaft­steu­er­min­de­rungs­po­ten­ti­als mög­lich gewe­sen wäre, dann legt dies die Annah­me nahe, dass das BVerfG ‑wor­auf das BMF hin­weist- von der Fik­ti­on einer "modi­fi­zier­ten Voll­aus­schüt­tung", d.h. einer Aus­schüt­tung des Eigen­ka­pi­tals ohne Rück­zah­lung von Ein­la­gen, aus­ge­gan­gen ist. Nur so wird auch die Über­le­gung des BVerfG ver­ständ­lich, wonach eine Rea­li­sie­rung des Kör­per­schaft­steu­er­min­de­rungs­po­ten­ti­als maß­geb­lich vom Bestand eines nega­ti­ven EK 02 abge­han­gen habe, denn ein sol­ches wir­ke im Anrech­nungs­ver­fah­ren "wie eine han­dels­recht­li­che Aus­schüt­tungs­sper­re" 4.

Die Über­le­gun­gen des BVerfG ver­deut­li­chen wei­ter die Prä­mis­se des Gesetz­ge­bers, der bei der Aus­ge­stal­tung der Umglie­de­rungs­vor­schrift des § 36 Abs. 4 KStG 1999 n.F. (jetzt § 36 Abs. 4 KStG 2002 n.F.) ersicht­lich von der Fik­ti­on einer "modi­fi­zier­ten Voll­aus­schüt­tung", d.h. einer Aus­schüt­tung des Eigen­ka­pi­tals ohne Rück­zah­lung von Ein­la­gen, und gera­de nicht von der Fik­ti­on einer "tota­len Voll­aus­schüt­tung" unter Ein­be­zug der Ein­la­gen aus­ge­gan­gen ist.

Zwar erhö­hen Beträ­ge, die aus der Auf­lö­sung der Kapi­tal­rück­la­ge stam­men, den Bilanz­ge­winn, über den die Gesell­schaf­ter im Rah­men der gesetz­li­chen Vor­schrif­ten (vgl. § 57 Abs. 3 des Akti­en­ge­set­zes, §§ 30, 31 des Geset­zes betref­fend die Gesell­schaf­ten mit beschränk­ter Haf­tung) unein­ge­schränkt ver­fü­gen kön­nen. Dies hat zur Fol­ge, dass nach Han­dels­recht die näm­li­chen Beträ­ge aus­ge­schüt­tet wer­den kön­nen; ein nega­ti­ver Betrag an EK 02 hat­te damit ‑soweit ein Aus­gleich durch posi­ti­ves EK 04 mög­lich war- im (alten) kör­per­schaft­steu­er­recht­li­chen Anrech­nungs­ver­fah­ren kei­ne "han­dels­recht­li­che Aus­schüt­tungs­sper­re" zur Fol­ge gehabt 5. Wenn aber der Gesetz­ge­ber im Rah­men der Umglie­de­rungs­vor­schrift des § 36 Abs. 4 KStG 1999 n.F. (jetzt § 36 Abs. 4 KStG 2002 n.F.) ledig­lich die Teil­be­trä­ge des EK 01, EK 02 und EK 03 mit­ein­an­der ver­rech­net, ohne den Teil­be­trag des EK 04 und damit die ein­ge­zahl­ten Ein­la­gen der Gesell­schaf­ter ein­zu­be­zie­hen, liegt dem wie­der­um die Annah­me einer (ledig­lich) "modi­fi­zier­ten Voll­aus­schüt­tung" zugrun­de.

Der Gesetz­ge­ber hat auf die­ser Basis den ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben in aus­rei­chen­dem Maße Rech­nung getra­gen; er war von Ver­fas­sungs wegen nicht ver­pflich­tet, das EK 04 in die Ver­rech­nung der nicht belas­te­ten Teil­be­trä­ge des vEK nach § 36 Abs. 4 KStG 1999 n.F. (jetzt § 36 Abs. 4 KStG 2002 n.F.) mit ein­zu­be­zie­hen. Die Klä­ge­rin weist zwar zu Recht dar­auf hin, dass Unter­neh­men, deren nega­ti­ves EK 02 durch posi­ti­ves EK 04 aus­ge­gli­chen wer­den kann (ins­ge­samt posi­ti­ver Bestand an EK 0), gegen­über Unter­neh­men mit eben­falls nega­ti­vem EK 02, deren Bestand an EK 01 bis EK 03 aber ins­ge­samt in glei­cher Höhe posi­tiv ist, zu einer Schlech­ter­stel­lung bei Anwen­dung von § 36 Abs. 4 KStG 2002 n.F. kom­men kann, obwohl die Unter­neh­men vom Umfang der (Eigen)Kapitalausstattung ver­gleich­bar sind. Dar­aus kann ein Ver­stoß gegen den Gleich­heits­satz aber schon des­halb nicht abge­lei­tet wer­den, weil die kon­kre­ten Aus­wir­kun­gen einer Über­gangs­re­ge­lung stets von den indi­vi­du­el­len Rah­men­da­ten der betrof­fe­nen Unter­neh­men abhän­gen und der Gesetz­ge­ber nicht ver­pflich­tet ist, Unter­neh­men mit unter­schied­li­cher (Eigen)Kapitalstruktur exakt gleich zu behan­deln. Die Struk­tur der Kapi­tal­aus­stat­tung bil­det viel­mehr nicht nur nach der Ein­schät­zung des BVerfG in des­sen Beschluss in BVerfGE 125, 1, son­dern auch nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs einen aus­rei­chen­den Grund dafür, dass in bei­den Fäl­len unter­schied­li­che steu­er­recht­li­che Fol­gen ein­tre­ten.

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs besteht kein ver­fas­sungs­recht­li­ches Gebot, der Über­gangs­re­ge­lung anstatt einer "modi­fi­zier­ten Voll­aus­schüt­tung" eine "tota­le Voll­aus­schüt­tung" unter Ein­be­zug der geleis­te­ten Ein­la­gen der Umglie­de­rungs­vor­schrift des § 36 Abs. 4 KStG 2002 n.F. zugrun­de zu legen. Denn der Gesetz­ge­ber hat bei dem Über­gang vom kör­per­schaft­steu­er­recht­li­chen Anrech­nungs­ver­fah­ren zum sog. Halb­ein­künf­te­ver­fah­ren mit den neu ein­ge­füg­ten §§ 36 bis 40 KStG 1999 n.F. eine bis­her vor­ge­nom­me­ne Unter­schei­dung zwi­schen ver­schie­de­nen Teil­be­trä­gen des nicht mit Kör­per­schaft­steu­er belas­te­ten vEK (ledig­lich) fort­ge­führt. So wur­de bei Aus­schüt­tun­gen aus dem EK 01 (bis 1993), EK 02 und EK 03 die sog. Aus­schüt­tungs­be­las­tung auf Ebe­ne der Kapi­tal­ge­sell­schaft her­ge­stellt 6, wäh­rend bei einer Aus­schüt­tung aus dem EK 04 eine sol­che nicht her­zu­stel­len war 7. Die­se grund­le­gen­de Unter­schei­dung wur­de im Sys­tem des sog. Halb­ein­künf­te- bzw. Teil­ein­künf­te­ver­fah­rens auf­recht erhal­ten und der Bestand des EK 04 nach § 39 Abs. 1 KStG 1999 n.F. als Anfangs­be­stand des steu­er­li­chen Ein­la­ge­kon­tos i.S. des § 27 KStG 1999 n.F. über­nom­men. Die bis­he­ri­ge von den übri­gen Teil­be­trä­gen des vEK zu unter­schei­den­de Funk­ti­on des EK 04 bleibt damit über das Ein­la­ge­kon­to wei­ter­hin erhal­ten. Es erscheint nahe­lie­gend, die­se Unter­schei­dung auch im Rah­men der Umglie­de­rung des vor­han­de­nen vEK fort­zu­füh­ren. Dies stellt nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs auch einen trag­fä­hi­gen Sach­grund für die durch die Umglie­de­rungs­vor­schrift des § 36 Abs. 4 KStG 2002 n.F. je nach der Struk­tur der (Eigen)Kapitalausstattung ver­ur­sach­ten Ver­lus­te an Kör­per­schaft­steu­er­min­de­rungs­po­ten­ti­al dar. Ins­be­son­de­re ist der Bun­des­fi­nanz­hof auch nicht davon über­zeugt, dass aus dem Ver­fas­sungs­ge­bot der Fol­ge­rich­tig­keit einer Geset­zes­re­ge­lung abzu­lei­ten wäre, dass es im Rah­men der Umglie­de­rungs­vor­schrift des § 36 Abs. 4 KStG 2002 n.F. in kei­nem Fall zu einem Ver­lust des Kör­per­schaft­steu­er­min­de­rungs­po­ten­ti­als kom­men darf.

Im Übri­gen wäre bei der Fik­ti­on einer "tota­len Voll­aus­schüt­tung" unter Ein­be­zug der geleis­te­ten Ein­la­gen nicht sicher­ge­stellt, dass eine ent­spre­chen­de Min­de­rung des Buch­wer­tes der Betei­li­gung, wie bei einer Rück­zah­lung von Ein­la­gen, vor­ge­nom­men wer­den könn­te, da die Ein­la­gen tat­säch­lich nicht zurück­ge­zahlt wer­den und damit trotz Redu­zie­rung des EK 04 kei­ne "Leis­tung" an die Gesell­schaf­ter erfolgt wäre. Infol­ge­des­sen wür­de die Ver­knüp­fung zwi­schen den im EK 04 reprä­sen­tier­ten Ein­la­gen und dem Buch­wert der Betei­li­gung dau­er­haft aus­ein­an­der­fal­len. Auch dies stellt für sich einen sach­li­chen Grund für die Ungleich­be­hand­lung im Rah­men der Anwen­dung des § 36 Abs. 4 KStG 2002 n.F. dar.

Dem kann nicht ent­ge­gen gehal­ten wer­den, dass Unter­neh­men, deren nega­ti­ves EK 02 durch posi­ti­ves EK 04 nicht aus­ge­gli­chen wer­den konn­te, im alten kör­per­schaft­steu­er­recht­li­chen Anrech­nungs­ver­fah­ren über ent­spre­chen­de Ein­la­gen ihrer Gesell­schaf­ter die noch vor­han­de­nen Bestän­de steu­er­be­las­te­ten Eigen­ka­pi­tals (vgl. §§ 28 ff. KStG 1999) hät­ten "mobi­li­sie­ren" kön­nen (sog. Leg-ein-Hol-zurück-Ver­fah­ren, vgl. Wal­ter in Ernst & Young, KStG, § 14 Rz 828) und es des­halb ver­fas­sungs­recht­lich gebo­ten sei, sol­chen Unter­neh­men, die über ent­spre­chen­des posi­ti­ves EK 04 bereits ver­fü­gen, eine der­ar­ti­ge "Mobi­li­sie­rung" im Rah­men der Umglie­de­rungs­vor­schrift des § 36 Abs. 4 KStG 2002 n.F. zu ermög­li­chen.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des BVerfG ver­stößt eine gesetz­li­che Rege­lung gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz, wenn sie ent­we­der von der Inter­es­sen­la­ge her gleich lie­gen­de Lebens­sach­ver­hal­te ungleich behan­delt oder bei der Behand­lung unglei­cher Sach­ver­hal­te eine sach­lich gebo­te­ne Dif­fe­ren­zie­rung nicht vor­nimmt. Gera­de bei der Umstruk­tu­rie­rung kom­ple­xer Rege­lungs­sys­te­me hat das BVerfG dem Gesetz­ge­ber aller­dings einen beson­ders wei­ten Spiel­raum bei der Aus­ge­stal­tung der Über­gangs­vor­schrif­ten ein­ge­räumt 8. Die­ser Spiel­raum ist im Streit­fall nicht über­schrit­ten. Die blo­ße Mög­lich­keit, im alten Sys­tem des kör­per­schaft­steu­er­recht­li­chen Anrech­nungs­ver­fah­rens das vor­han­de­ne Kör­per­schaft­steu­er­min­de­rungs­po­ten­ti­al zu rea­li­sie­ren, ver­mag nicht die ver­fas­sungs­recht­li­che Ein­ord­nung der Umglie­de­rung des vor­han­de­nen vEK im Rah­men einer Über­gangs­vor­schrift in Fra­ge zu stel­len. Hier­bei ist auch zu berück­sich­ti­gen, dass eine Son­der­be­hand­lung von Unter­neh­men mit hohen EK 04-Bestän­den wei­te­re Dif­fe­ren­zie­run­gen nach sich gezo­gen hät­te und die ange­streb­te Ver­ein­fa­chung in Fra­ge gestellt hät­te. Wei­ter ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die "Mobi­li­sie­rung" des Kör­per­schaft­steu­er­min­de­rungs­po­ten­ti­als im Ergeb­nis nur mög­lich war, weil infol­ge der Ver­wen­dungs­fik­ti­on in § 28 KStG 1999 das zusätz­li­che Ver­mö­gen zuerst zu einer Ver­wen­dung der belas­te­ten Tei­le des vEK geführt hat. Von daher stellt sich schon die Fra­ge, ob die Sach­ver­hal­te über­haupt ver­gleich­bar sind.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 25. Febru­ar 2015 – I R 86/​12

  1. Bestä­ti­gung des BFH, Urteils vom 20.04.2011 – I R 65/​05, BFHE 234, 385, BSt­Bl II 2011, 983[]
  2. BGBl I 2006, 2782, BSt­Bl I 2007, 4[]
  3. BFHE 234, 385, BSt­Bl II 2011, 983[]
  4. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 125, 1, dort unter B.I. 5.b[][][]
  5. vgl. BFH, Urteil vom 08.08.2001 – I R 25/​00, BFHE 196, 485, BSt­Bl II 2003, 923[]
  6. vgl. hier­zu auch BVerfG, Beschluss in BVerfGE 125, 1 mit Hin­weis auf BT-Drs. 14/​2683, S. 121[]
  7. vgl. z.B. G. Frot­scher in Frotscher/​Maas, KStG/​GewStG/​UmwStG, § 36 KStG Rz 2c[]
  8. vgl. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 125, 1, unter B.I. 1., m.w.N. aus der Recht­spre­chung des BVerfG[]