Gemein­sa­me kon­so­li­dier­te Kör­per­schaft­steu­er-Bemes­sungs­grund­la­ge

Auf einer inter­na­tio­na­len Steu­er­kon­fe­renz wird der­zeit über eine gemein­sa­me kon­so­li­dier­te Kör­per­schaft­steu­er-Bemes­sungs­grund­la­ge (GKKB) dis­ku­tiert.

Gemein­sa­me kon­so­li­dier­te Kör­per­schaft­steu­er-Bemes­sungs­grund­la­ge

Das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um beschreibt die bis­he­ri­gen Ergeb­nis­se die­ser Steu­er­kon­fe­renz so:

Gemein­sa­me Struk­tur­ele­men­te

Die fach­li­chen Arbei­ten zu den gemein­sa­men Struk­tur­ele­men­ten des steu­er­pflich­ti­gen Unter­neh­mens­ge­winns haben schon recht kon­kret Gestalt ange­nom­men und sind weit fort­ge­schrit­ten. Auf der Ebe­ne von Exper­ten-Arbeits­grup­pen der EU-Kom­mis­si­on zur gemein­sa­men kon­so­li­dier­ten Kör­per­schaft­steu­er-Bemes­sungs­grund­la­ge, die seit dem Jahr 2005 regel­mä­ßig tagen, wur­den u. a. Eck­punk­te für ein stim­mi­ges und geschlos­se­nes Sys­tem erar­bei­tet. Zum Bei­spiel wur­den in den Berei­chen Abschrei­bun­gen und Rück­stel­lun­gen Kon­zep­te erar­bei­tet, die auf Kon­sens­fä­hig­keit hof­fen las­sen. Die Ergeb­nis­se die­ser Arbeits­grup­pen sind auf der Home­page der EU-Kom­mis­si­on ver­öf­fent­licht.

Die Dis­kus­si­on ist natur­ge­mäß noch nicht abge­schlos­sen, ein gemein­sa­mer Weg scheint aber mög­lich. Auf der Kon­fe­renz hat sich als ein noch sehr umstrit­te­ner Punkt ins­be­son­de­re die Fra­ge her­aus­kris­tal­li­siert, ob eine gemein­sa­me Bemes­sungs­grund­la­ge als Opti­on den Unter­neh­men zur Ver­fü­gung ste­hen soll, oder ob die­se ver­pflich­tend sein soll. Die EU-Kom­mis­si­on befür­wor­tet in ihrer Mit­tei­lung zur GKKB vom 2. Mai 2007 ein Wahl­recht zur GKKB. Eine Auf­fas­sung, die von vie­len Exper­ten – ins­be­son­de­re von Ver­tre­tern der Steu­er­ver­wal­tung sowie klei­ner und mitt­le­rer Unter­neh­men – aber nicht geteilt wird.

Inter­na­tio­na­le Aspek­te, Kon­so­li­die­rung & Auf­tei­lung

Noch nicht so weit fort­ge­schrit­ten sind nach Ein­schät­zung der Exper­ten die fach­li­chen Arbei­ten beim zwei­ten The­men­kom­plex "Inter­na­tio­na­le Aspek­te, Kon­so­li­die­rung und Auf­tei­lung", was man auch deut­lich an den Bei­trä­gen und Dis­kus­sio­nen spü­ren konn­te. Einig­keit bestand jedoch dar­über, dass zunächst eine Defi­ni­ti­on für die Grup­pe gefun­den wer­den müs­se. Hier­durch wird fest­ge­legt, wel­che Tei­le eines Kon­zerns in den Kon­so­li­die­rungs­kreis mit ein­zu­be­zie­hen sind. Fer­ner stand zur Debat­te, ob eine Grup­pe grund­sätz­lich als Ein­heit besteu­ert wer­den soll­te oder ob in beson­de­ren und ein­zeln fest­zu­le­gen­den Situa­tio­nen eine iso­lier­te steu­er­li­che Behand­lung bes­ser geeig­net wäre.

Die Kon­so­li­die­rung macht es not­wen­dig, die gemein­sa­me Bemes­sungs­grund­la­ge nach einem ein­heit­li­chen Auf­tei­lungs­me­cha­nis­mus auf die ein­zel­nen Mit­glied­staa­ten zu ver­tei­len. Hier­bei han­delt es sich um einen äußerst sen­si­blen Bereich mit weit rei­chen­den Kon­se­quen­zen ins­be­son­de­re für das Bud­get der ein­zel­nen Mit­glied­staa­ten. Vor dem Hin­ter­grund der Schlag­wör­ter "Ver­mei­dung öko­no­mi­scher Ver­zer­run­gen" und "Auf­kom­mens­ef­fek­te bei den Mit­glied­staa­ten" sind hier noch vie­le Dis­kus­sio­nen auf poli­ti­scher Ebe­ne zu erwar­ten.

In die­sem Zusam­men­hang sind die von meh­re­ren Dis­kus­si­ons­teil­neh­mern ein­ge­brach­ten Anre­gun­gen aus den lang­jäh­ri­gen Erfah­run­gen in den USA und Kana­da für die wei­te­re Debat­te von beson­de­rem Wert.

Im The­men­be­reich der inter­na­tio­na­len Aspek­te wur­den die fol­gen­den Fra­gen dis­ku­tiert:

  • Ist eine gemein­sa­me kon­so­li­dier­te Bemes­sungs­grund­la­ge mit den Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men der Mit­glied­staa­ten mit Dritt­staa­ten ver­ein­bar; sind sie zu ver­ein­heit­li­chen?
  • Wird die Pro­ble­ma­tik der Abwan­de­rung von Steu­er­sub­strat aus der EU in Dritt­staa­ten ver­schärft? Ist ein ein­heit­li­cher Stan­dard von Abwehr­vor­schrif­ten erfor­der­lich?

Es wur­de dar­auf hin­ge­wie­sen, dass eine gemein­sa­me kon­so­li­dier­te Bemes­sungs­grund­la­ge eine deut­li­che Abkehr von dem bis­he­ri­gen Kon­sens des Fremd­ver­gleichs­grund­sat­zes sei. Zwar wur­de unter­stri­chen, dass ein Neben­ein­an­der von unter­schied­li­chen Sys­te­men denk­bar ist, die­se müss­ten dann aber rei­bungs­los mit­ein­an­der funk­tio­nie­ren kön­nen. Wegen die­ser Fra­ge­stel­lun­gen war es beson­ders wert­voll, dass an der Kon­fe­renz auch Ver­tre­ter der OECD und Dis­ku­tan­ten aus Nicht-EU-Staa­ten mit­ge­wirkt haben.

Admi­nis­tra­ti­ve Aspek­te

Die admi­nis­tra­ti­ven Schwie­rig­kei­ten, mit denen Unter­neh­men der­zeit wegen der 27 unter­schied­li­chen Sys­te­me in der EU kon­fron­tiert sind, wur­den anschau­lich dar­ge­stellt. Auch hier könn­te eine GKKB eine mög­li­che Ant­wort sein. Es wur­den aber auch die Her­aus­for­de­run­gen dar­ge­legt, die sich als logi­sche Kon­se­quenz aus den in Panel 1 und Panel 2 dis­ku­tier­ten mate­ri­ell-recht­li­chen Grund­la­gen erge­ben. Denn gemein­sa­me Regeln machen nur Sinn, wenn auch ihr Funk­tio­nie­ren in der Pra­xis gewähr­leis­tet ist. Die Bedürf­nis­se sowohl der Ver­wal­tungs- als auch der Unter­neh­mens­sei­te wur­den geschil­dert:

  • Ein gemein­sa­mes Regel­werk muss prak­ti­ka­bel sein und gleich­mä­ßig umge­setzt wer­den kön­nen;
  • Eine ein­heit­li­che Bemes­sungs­grund­la­ge bedarf auch ein­heit­li­cher admi­nis­tra­ti­ver Rege­lun­gen;

Gemein­sa­me Rechts­grund­la­gen brau­chen ein zumin­dest ver­zahn­tes Ver­wal­tungs- und Gerichts­ver­fah­ren in den Mit­glied­staa­ten. Von der Mehr­heit der Dis­ku­tan­ten wur­den die bestehen­den Ver­fah­ren zur gegen­sei­ti­gen Amts­hil­fe als nicht aus­rei­chend beur­teilt. Neue, ange­mes­se­ne Struk­tu­ren müss­ten gefun­den wer­den. Die in der Kon­fe­renz erar­bei­te­ten Eck­punk­te und in der Dis­kus­si­on auf­ge­wor­fe­nen Fra­gen bie­ten einen guten Über­blick über die ver­schie­de­nen Aspek­te und leis­ten dadurch für die wei­te­re Dis­kus­si­on einen wert­vol­len Bei­trag.

Fazit:

Zusam­men­fas­send kann gesagt wer­den, dass die Inter­na­tio­na­le Steu­er­kon­fe­renz in einer sehr kon­zen­trier­ten Form die Kom­ple­xi­tät der Mate­rie auf­ge­zeigt hat und somit ein wich­ti­ger Schritt im Rin­gen um eine ange­mes­se­ne Gestal­tung einer Euro­päi­schen Unter­neh­mens­be­steue­rung im Bin­nen­markt ist. Sie bot ein umfas­sen­des Wis­sens- und Mei­nungs­spek­trum, auf das die KOM bei den Arbei­ten an dem für 2008 ange­kün­dig­ten Legis­la­tiv­vor­schlag zurück­grei­fen kann.