Gesell­schaf­ter-Dar­le­hen – und die Zin­sen als ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tung

Im Fal­le der Gewäh­rung eines Dar­le­hens durch die Gesell­schaft an ihren Gesell­schaf­ter muss die dem Dar­le­hen zugrun­de lie­gen­de Ver­ein­ba­rung klar, ein­deu­tig und zivil­recht­lich wirk­sam sein. Soweit dies zutrifft, muss dar­über hin­aus eine markt­üb­li­che Ver­zin­sung ver­ein­bart wor­den sein.

Gesell­schaf­ter-Dar­le­hen – und die Zin­sen als ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tung

Ober- und Unter­gren­ze der Markt­üb­lich­keit sind der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung zufol­ge die bank­üb­li­chen Haben- und Soll­zin­sen, wobei bis­lang regel­mä­ßig davon aus­ge­gan­gen wur­de, dass sich Gesell­schaft und Gesell­schaf­ter die dazwi­schen lie­gen­de Span­ne tei­len [1].

Aller­dings sind in Recht­spre­chung und Schrift­tum Zwei­fel geäu­ßert wor­den, inwie­weit die­se Auf­fas­sung nach wie vor Bestand haben kann [2]. So hat bei­spiels­wei­se das Finanz­ge­richt Sach­sen-Anhalt ent­schie­den, dass eine ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tung nicht ange­nom­men wer­den kön­ne, wenn die zwi­schen einer Gesell­schaft und ihren Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rern ver­ein­bar­ten Zin­sen für von den Geschäfts­füh­rern aus­ge­reich­te Dar­le­hen nicht oder nur gering­fü­gig über den maxi­mal mög­li­chen Ober­gren­zen der Streu­brei­te für Soll­zin­sen der Bank­kre­di­te lie­gen [3]. In der Kom­men­tar­li­te­ra­tur heißt es etwa: Soll-Grö­ße eines fremd­ver­gleichs­ge­rech­ten Ver­hal­tens kön­ne regel­mä­ßig immer nur jener Zins­satz sein, den der ver- oder ent­lei­hen­de Geschäfts­part­ner auf dem „frei­en“ Markt errei­chen kön­ne. Die „Band­brei­ten­be­trach­tung“ der Recht­spre­chung sei inso­weit unan­ge­bracht; eher schon müs­se gefragt wer­den, ob der Kapi­tal­ge­sell­schaft auf dem „frei­en“ Markt eine ander­wei­ti­ge (alter­na­ti­ve) Ver­wen­dung der Dar­le­hens­mit­tel zur Ver­fü­gung gestan­den hät­te und wel­chen „Preis“ sie dabei hät­te erzie­len kön­nen [4].

Auf die­ser Grund­la­ge ist ernst­lich zwei­fel­haft, ob das Abstel­len auf den durch­schnitt­li­chen Zins­satz für Über­zie­hungs­kre­di­te, geschätzt auf 10 %, ange­mes­sen ist. Damit wird vom Antrags­geg­ner maß­geb­lich auf die Kon­di­tio­nen abge­stellt, die der Gesell­schaf­ter bei einer Bank für einen ent­spre­chen­den Dis­po­kre­dit hät­te ein­ge­hen müs­sen. Für die Fra­ge der Ange­mes­sen­heit der Ver­zin­sung und damit einer unter­las­se­nen Ver­mö­gens­meh­rung ist aber maß­geb­lich auf die Sicht­wei­se eines ordent­li­chen und gewis­sen­haf­ten Geschäfts­lei­ters der GmbH abzu­stel­len und zu fra­gen, wel­che markt­ge­rech­te Zins­hö­he er ver­ein­bart hät­te, wobei unter ande­ren die oben genann­ten Kri­te­ri­en eine Rol­le spie­len kön­nen. Dies wird der Antrags­geg­ner im Ein­spruchs­ver­fah­ren zu berück­sich­ti­gen haben. Dabei sind auch die Grün­de zu ermit­teln, die für die ursprüng­li­che Zins­hö­he von 6 % maß­geb­lich waren und war­um ab 2012 eine Redu­zie­rung auf 3 % erfolgt ist.

Finanz­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 2. März 2016 – 2 V 278/​15

  1. vgl. BFH, Urtei­le vom 28.02.1990 – I R 83/​87, BStBl II 1990, 649; vom 19.01.1994 – I R 93/​93, BStBl II 1994, 725; und vom 22.12 2003 – I R 36/​03, BStBl II 2004, 307; FG Ham­burg Urteil vom 12.09.2012 6 K 110/​10[]
  2. vgl. FG Ham­burg, Urteil vom 12.09.2012 6 K 110/​10[]
  3. FG Ham­burg, Urteil vom 21.02.2008 – 3 K 305/​01; s. dazu auch BFH, Beschluss vom 22.09.2008 – I B 69- 71/​08[]
  4. Gosch in Gosch, KStG, 3. Aufl.2015, § 8 Rz. 693; vgl. auch Häu­ßer­mann in Ernst & Young, KStG, § 8 Rz. 1235; a. A. hin­ge­gen Ren­gers, in: Blü­mich, KStG, § 8 Rz. 594 f.[]