Gestal­tungs­miss­brauch bei Cum-cum-Geschäf­ten

Das Hes­si­sche Finanz­ge­richt hat nun­mehr erst­ma­lig über den Kapi­tal­steu­er­ab­zug bei "Cum-cum-Geschäf­ten" ent­schie­den. Dabei hat es der kla­gen­den inlän­di­schen Gesell­schaft einen Gestal­tungs­miss­brauch unter­stellt und man­gels wirt­schaft­li­chen Eigen­tums an den Akti­en den bean­trag­ten Kapi­tal­ertrag­steu­er­ab­zug ver­sagt.

Gestal­tungs­miss­brauch bei Cum-cum-Geschäf­ten

Bei den "Cum-cum-Geschäf­ten" wer­den Akti­en aus­län­di­scher Anteils­eig­ner vor dem Divi­den­den­stich­tag an inlän­di­sche Gesell­schaf­ten, zumeist Ban­ken, ver­kauft oder ver­lie­hen und nach dem Divi­den­den­stich­tag zurück­über­tra­gen mit dem Ziel, die gesetz­lich vor­ge­se­he­ne pau­scha­le Ver­steue­rung aus­län­di­scher Divi­den­den­er­trä­ge zu umge­hen.

Das Hes­si­sche Finanz­ge­richt befand nun, dass bei der Über­tra­gung der Akti­en über den Divi­den­den­stich­tag auf­grund der ver­trag­li­chen Gestal­tung ledig­lich eine for­ma­le zivil­recht­li­che Rechts­po­si­ti­on an den Akti­en, eine lee­re Eigen­tums­hül­le, ver­schafft wor­den ist und die Geschäf­te von vorn­her­ein dar­auf ange­legt waren, dem ursprüng­li­chen Akti­en­in­ha­ber die Erträ­ge aus den Akti­en im wirt­schaft­li­chen Sin­ne zukom­men zu las­sen. Dies hat zur Fol­ge, dass der aus­län­di­sche Akti­en­in­ha­ber wirt­schaft­li­cher Eigen­tü­mer und damit Anteils­eig­ner geblie­ben ist, dem die Divi­den­den­er­trä­ge, die zum Kapi­tal­ertrag­steu­er­ab­zug berech­ti­gen, zuzu­rech­nen sind. Der kla­gen­den inlän­di­schen Gesell­schaft wur­de damit durch das Gericht man­gels wirt­schaft­li­chen Eigen­tums an den Akti­en der bean­trag­te Kapi­tal­ertrag­steu­er­ab­zug ver­sagt.

Zusätz­lich hat der Senat zur Besei­ti­gung der sons­ti­gen steu­er­li­chen Fol­gen des geschei­ter­ten Cum-/cum-Gestal­tungs­mo­dells für die ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen einen steu­er­li­chen Gestal­tungs­miss­brauch nach § 42 AO bejaht. Nach § 42 AO ist eine Gestal­tung rechts­miss­bräuch­lich, wenn sie ‑gemes­sen an dem erstreb­ten wirt­schaft­li­chen Ziel- einen unan­ge­mes­se­nen Weg wählt, der nur einer den Wer­tun­gen des Gesetz­ge­bers wider­spre­chen­den Steu­er­min­de­rung die­nen soll, ohne dass sons­ti­ge beacht­li­che nicht­steu­er­li­che Grün­de für die Gestal­tung vor­lie­gen. Die Beur­tei­lung als Gestal­tungs­miss­brauch führt steu­er­lich zur Rück­ab­wick­lung der Geschäf­te.

Hes­si­sches Finanz­ge­richt, Urteil vom 28. Janu­ar 2010 – 4 K 890/​17