Kör­per­schaft­steu­er­mo­ra­to­ri­um ver­fas­sungs­ge­mäß

Das Kör­per­schaft­steu­er-Mora­to­ri­um ist nach einem jetzt ver­öf­fent­lich­tem Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs ver­fas­sungs­ge­mäß. Mit Urteil vom 8. Novem­ber 2006 hat der Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­den, dass das in § 37 Abs. 2a des Kör­per­schaft­steu­er­ge­set­zes (KStG) 2002 ange­ord­ne­te, für die Zeit vom 12. April 2003 bis zum 31. Dezem­ber 2005 gel­ten­de "Kör­per­schaft­steu­er-Mora­to­ri­um" mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar ist.

Kör­per­schaft­steu­er­mo­ra­to­ri­um ver­fas­sungs­ge­mäß

Bis Ende 2000 galt im Kör­per­schaft­steu­er­recht das "Anrech­nungs­ver­fah­ren", nach dem Gewinn­aus­schüt­tun­gen einer Kapi­tal­ge­sell­schaft regel­mä­ßig dazu führ­ten, dass sich die von der Gesell­schaft selbst geschul­de­te Kör­per­schaft­steu­er min­der­te. Die­ses Ver­fah­ren wur­de abge­schafft; inzwi­schen gilt ? für die meis­ten Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten seit 2001 ? das "Halb­ein­künf­te­ver­fah­ren", bei dem Aus­schüt­tun­gen die Höhe der Kör­per­schaft­steu­er nicht berüh­ren. Jedoch haben vie­le Gesell­schaf­ten aus frü­he­rer Zeit noch "Kör­per­schaft­steu­er­gut­ha­ben", die sie durch Gewinn­aus­schüt­tun­gen rea­li­sie­ren kön­nen. Dar­auf berief sich im kon­kre­ten Fall eine AG, die im Mai 2003 eine Divi­den­den­zah­lung an ihre Aktio­nä­re beschlos­sen hat­te.

Inzwi­schen war aber § 37 Abs. 2a KStG 2002 in Kraft getre­ten, der für Aus­schüt­tun­gen nach dem 11. April 2003 und vor dem 1. Janu­ar 2006 eine Min­de­rung der Kör­per­schaft­steu­er aus­schließt. Das Finanz­amt ver­sag­te der AG des­halb die­sen Steu­er­vor­teil. Dage­gen wand­te die AG ein, die genann­te Vor­schrift sei ver­fas­sungs­wid­rig. Sie rüg­te zum einen Feh­ler im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren und zum ande­ren, dass die Ver­sa­gung der aus­schüt­tungs­be­ding­ten Steu­er­min­de­rung ent­eig­nend wir­ke und zudem gegen den ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­heits­satz ver­sto­ße. Dem ist der BFH nicht gefolgt.

Nach sei­ner Ansicht war der Gesetz­ge­ber berech­tigt, zur Siche­rung des Steu­er­auf­kom­mens die vor­han­de­nen Steu­er­gut­ha­ben zeit­wei­lig "ein­zu­frie­ren". Eine Ent­eig­nung lie­ge nicht vor, da die betrof­fe­nen Gesell­schaf­ten nur zeit­wei­lig an der Nut­zung ihrer Gut­ha­ben gehin­dert sei­en. Auch der Gleich­heits­satz sei nicht ver­letzt; dass nur die in dem genann­ten Zeit­raum erfolg­ten Aus­schüt­tun­gen vom Steu­er­min­de­rungs­ef­fekt aus­ge­schlos­sen wur­den, sei eine ver­tret­ba­re Reak­ti­on des Gesetz­ge­bers auf den dama­li­gen Rück­gang des Kör­per­schaft­steu­er­auf­kom­mens gewe­sen. Das Gesetz ent­fal­te auch kei­ne unzu­läs­si­ge Rück­wir­kung; zur Ver­mei­dung von Ankün­di­gungs­ef­fek­ten habe die Neu­re­ge­lung mit Wir­kung vom Tag des maß­geb­li­chen Bun­des­tags­be­schlus­ses in Kraft gesetzt wer­den dür­fen. Der BFH hat des­halb die Ent­schei­dung des Finanz­amts bestä­tigt und nicht, wie von der AG begehrt, die Sache dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor­ge­legt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 08.11.06 – I R 69, 70/​05