Lauf­zeit eines Gewinn­ab­füh­rungs­ver­tra­ges

Gemäß §§ 17, 14 Nr. 4 Satz 1 KStG 1999 ist, wenn sich eine GmbH mit Geschäfts­lei­tung und Sitz im Inland (Organ­ge­sell­schaft) durch einen Gewinn­ab­füh­rungs­ver­trag im Sin­ne des § 291 Abs. 1 des Akti­en­ge­set­zes ver­pflich­tet, ihren gan­zen Gewinn an ein ande­res inlän­di­sches gewerb­li­ches Unter­neh­men abzu­füh­ren, das Ein­kom­men der Organ­ge­sell­schaft, soweit sich aus § 16 KStG nichts ande­res ergibt, dem Trä­ger des Unter­neh­mens (Organ­trä­ger) zuzu­rech­nen, wenn der Gewinn­ab­füh­rungs­ver­trag bis zum Ende des Wirt­schafts­jahrs der Organ­ge­sell­schaft, für das Satz 1 erst­mals ange­wen­det wer­den soll, auf min­des­tens fünf Jah­re abge­schlos­sen ist und bis zum Ende des fol­gen­den Wirt­schafts­jahrs wirk­sam wird.

Lauf­zeit eines Gewinn­ab­füh­rungs­ver­tra­ges

Wie der Bun­des­fi­nanz­hof aus­ge­führt hat, ist bei der Prü­fung, ob ein Gewinn­ab­füh­rungs­ver­trag auf min­des­tens fünf Jah­re abge­schlos­sen ist, der Ver­trag nach objek­ti­ven Gesichts­punk­ten aus­zu­le­gen. Die Ent­ste­hungs­ge­schich­te und die Vor­stel­lun­gen der am Ver­trags­schluss betei­lig­ten Per­so­nen kön­nen bei der Ver­trags­aus­le­gung nicht berück­sich­tigt wer­den 1.

Kor­po­ra­ti­ons­recht­li­che Bestim­mun­gen – wie die Bestim­mung über die Mög­lich­keit der ordent­li­chen Kün­di­gung eines Beherr­schungs- und Gewinn­ab­füh­rungs­ver­tra­ges – sind nach objek­ti­ven Gesichts­punk­ten ein­heit­lich aus sich her­aus aus­zu­le­gen. Wort­laut, Sinn und Zweck der Rege­lung kommt dabei eben­so maß­ge­ben­de Bedeu­tung zu wie dem sys­te­ma­ti­schen Bezug der Klau­sel zu ande­ren Sat­zungs­vor­schrif­ten. Umstän­de, für die sich kei­ne aus­rei­chen­den Anhalts­punk­te in der Sat­zung fin­den, kön­nen zur (ergän­zen­den) Aus­le­gung grund­sätz­lich nicht her­an­ge­zo­gen wer­den. Außer­halb der Sat­zung lie­gen­de Sach­zu­sam­men­hän­ge sind bei der Kün­di­gungs­klau­sel eines Beherr­schungs- und Gewinn­ab­füh­rungs­ver­tra­ges auch dann nicht ein­zu­be­zie­hen, wenn deren Kennt­nis bei den Mit­glie­dern und Orga­nen all­ge­mein vor­aus­ge­setzt wer­den kann 2.

Nicht all­ge­mein erkenn­ba­re Umstän­de außer­halb der zum Han­dels­re­gis­ter ein­ge­reich­ten Unter­la­gen, wie z.B. die Ent­ste­hungs­ge­schich­te, die vom beur­kun­den­den Notar gefer­tig­ten Vor­ent­wür­fe und die Vor­stel­lun­gen und Äuße­run­gen der am Ver­trags­schluss betei­lig­ten Per­so­nen, kön­nen im Rah­men der objek­ti­vier­ten Aus­le­gung nicht berück­sich­tigt wer­den. Selbst wenn also die am Ver­trags­schluss betei­lig­ten Ver­tre­ter der Ver­trags­par­tei­en sich kon­kre­te Gedan­ken über die Län­ge der Min­dest­ver­trags­dau­er gemacht und über­ein­stim­mend eine erst­ma­li­ge Kün­di­gungs­mög­lich­keit erst zum 31. Dezem­ber 2003 gewollt haben soll­ten, wäre dies für die Ver­trags­aus­le­gung nicht bedeut­sam. Der aus § 133 BGB abzu­lei­ten­de und grund­sätz­lich auch auf form­be­dürf­ti­ge Ver­trä­ge anzu­wen­den­de Grund­satz "fal­sa demons­tra­tio non nocet", nach dem ohne Rück­sicht auf einen abwei­chen­den Wort­laut das von den Ver­trag­schlie­ßen­den tat­säch­lich Gemein­te als Inhalt des Ver­trags gilt, kann im Bereich der objek­ti­vier­ten Aus­le­gung kör­per­schaft­li­cher Ver­ein­ba­run­gen nicht unein­ge­schränkt ange­wen­det wer­den. Fin­det sich näm­lich im Ver­trag und in den all­ge­mein zugäng­li­chen Unter­la­gen kein ein­deu­ti­ger Beleg für den dem Wort­laut ent­ge­gen­ste­hen­den sub­jek­ti­ven Wil­len der Ver­trags­par­tei­en, ist kein Raum für des­sen Berück­sich­ti­gung 3.

Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 12. Dezem­ber 2011 – 6 K 3103/​09

  1. BFH, Beschluss vom 02.11.2010 – I B 71/​10, BFH/​NV 2011, 849[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 28.11.2007 – I R 94/​06, BFHE 220, 51, m.w.N.[]
  3. BFH, Urteil vom 28.11.2007 – I R 94/​06, BFH/​NV 2008, 1270[]