Schach­tel­be­tei­li­gun­gen

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat in zwei heu­te ver­öf­fent­lich­ten Grund­satz­ur­tei­len über Streit­fra­gen zu Schach­tel­be­tei­li­gun­gen nach § 8b des Kör­per­schaft­steu­er­ge­set­zes ent­schie­den. Nach die­sen Ent­schei­dun­gen konn­ten zum einen vor 2008 Abschrei­bun­gen auf sog. kapi­ta­ler­set­zen­de Dar­le­hen steu­er­min­dernd vor­ge­nom­men wer­den. Ande­rer­seits wer­den vom BFH Hol­ding-Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten einem Finanz­un­ter­neh­men gleich­ge­stellt, so dass sich Gewin­ne und Ver­lus­te aus den Betei­li­gungs­ge­sell­schaf­ten auf die Kör­per­schaft­steu­er aus­wir­ken.

Schach­tel­be­tei­li­gun­gen

§ 8b KStG betrifft sog. Schach­tel­be­tei­li­gun­gen, wel­che eine Kör­per­schaft (Ober­ge­sell­schaft) an einer ande­ren Kör­per­schaft (Unter­ge­sell­schaft) hält. Um wirt­schaft­li­che Dop­pel­be­steue­run­gen zu ver­mei­den, blei­ben Divi­den­den, die aus einer der­ar­ti­gen Betei­li­gung bezo­gen wer­den, bei der Ermitt­lung des Ein­kom­mens außer Ansatz (§ 8b Abs. 1 KStG). Glei­ches gilt für Gewin­ne aus der Ver­äu­ße­rung ent­spre­chen­der Antei­le (§ 8b Abs. 2 KStG). Die­sen Vor­tei­len ste­hen Nach­tei­le gegen­über: Es gel­ten 5% der jewei­li­gen Bezü­ge als Aus­ga­ben, die nicht als Betriebs­aus­ga­ben abge­zo­gen wer­den dür­fen1. Außer­dem wer­den Gewinn­min­de­run­gen aus sol­chen Antei­len nicht berück­sich­tigt (§ 8b Abs. 3 KStG). Sowohl die Schach­tel­vor­tei­le als auch die Schach­tel­nach­tei­le gel­ten jedoch u.a. nicht für Kre­dit­in­sti­tu­te und Finanz­dienst­leis­tungs­in­sti­tu­ten sowie für Finanz­un­ter­neh­men (§ 8b Abs. 7 KStG). Die­se Aus­nah­me bezweckt vor allem, den Abzug von Ver­lus­ten aus dem Han­del von Wert­pa­pie­ren zu erhal­ten.

Die Finanz­ver­wal­tung nimmt an, dass auch Wert­ab­schrei­bun­gen auf sog. eigen­ka­pi­ta­ler­set­zen­de Dar­le­hen, die die Ober­ge­sell­schaft der Unter­ge­sell­schaft gewährt, als nicht abzugs­fä­hi­ge Gewinn­min­de­run­gen im Sin­ne von § 8b Abs. 3 KStG anzu­se­hen sind. Die­se Streit­fra­ge hat der BFH nun zuguns­ten der Kapi­tal­ge­sell­schaft ent­schie­den und die Wert­ab­schrei­bun­gen steu­er­lich berück­sich­tigt. Das gilt jedoch nur für die Ver­gan­gen­heit. Für Ver­an­la­gungs­zeit­räu­me ab 2008 wur­de das Gesetz ent­spre­chend ver­schärft; seit­her blei­ben Wert­min­de­run­gen aus Gesell­schaf­ter­dar­le­hen grund­sätz­lich unbe­rück­sich­tigt.

Die Finanz­ver­wal­tung wen­det § 8b KStG wegen der Aus­nah­me­re­ge­lung in § 8b Abs. 7 KStG nicht nur auf Kre­dit­in­sti­tu­te, son­dern auch auf Betei­li­gungs­ge­sell­schaf­ten (sog. Indus­trie-Hol­dings) nicht an. Das hat der BFH in dem zwei­ten heu­te ver­öf­fent­lich­ten Urteil bestä­tigt. Ent­spre­chen­de Divi­den­den und Ver­äu­ße­rungs­ge­win­ne sind also steu­er­pflich­tig; sog. M & A‑Geschäfte wer­den dadurch erschwert. Kon­se­quenz die­ser Ent­schei­dung ist aber auch, dass Ver­lus­te und ande­re Gewinn­min­de­run­gen aus den Betei­li­gun­gen unein­ge­schränkt zu berück­sich­ti­gen sind. Ins­be­son­de­re in wirt­schaft­li­chen Kri­sen­zei­ten wie gegen­wär­tig dürf­te das von Vor­teil sein.

Teil­wert­ab­schrei­bun­gen auf sog. eigen­ka­pi­ta­ler­set­zen­de Dar­le­hen sind kei­ne bei der Gewinn­ermitt­lung nicht zu berück­sich­ti­gen­de Gewinn­min­de­run­gen i.S. von § 8b Abs. 3 KStG 2002 i.d.F. bis zur Ände­rung durch das Jah­res­steu­er­ge­setz 2008 vom 20. Dezem­ber 2007 (BGBl I 2007, 3150, BSt­Bl I 2008, 218).

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 14. Janu­ar 2009 – I R 52/​08

Zu den Finanz­un­ter­neh­men i.S. des § 8b Abs. 7 Satz 2 KStG 2002 gehö­ren auch Hol­ding- und Betei­li­gungs­ge­sell­schaf­ten i.S. von § 1 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 KWG.

Der Begriff des Eigen­han­dels­er­fol­ges gemäß § 8b Abs. 7 Satz 2 KStG 2002 bestimmt sich nach eigen­stän­di­gen kör­per­schaft­steu­er­recht­li­chen Maß­stä­ben. Er umfasst den Erfolg aus jeg­li­chem „Umschlag” von Antei­len i.S. des § 8b Abs. 1 KStG 2002 auf eige­ne Rech­nung und erfor­dert nicht das Vor­lie­gen eines Eigen­han­dels als Finanz­dienst­leis­tung i.S. von § 1 Abs. 1a Satz 1 Nr. 4 KWG.

Die Absicht, einen kurz­fris­ti­gen Eigen­han­dels­er­folg i.S. von § 8b Abs. 7 Satz 2 KStG 2002 zu erzie­len, bezieht sich auf den Zeit­punkt des Anteils­er­werbs. Spä­te­re Maß­nah­men des Erwer­bers, um den Wert der Antei­le bis zum Wei­ter­ver­kauf zu beein­flus­sen, ste­hen einer sol­chen Absicht nicht ent­ge­gen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 14. Janu­ar 2009 – I R 36/​08

  1. sog. Schach­tel­stra­fe, § 8b Abs. 5 KStG