Spen­den­be­schei­ni­gun­gen – und die Ver­an­las­ser­haf­tung

Gemäß § 9 Abs. 3 Satz 2 KStG haf­tet für die ent­gan­ge­ne (Körperschaft-)Steuer, wer vor­sätz­lich oder grob fahr­läs­sig eine unrich­ti­ge Bestä­ti­gung aus­stellt (Aus­stel­l­er­haf­tung) oder ver­an­lasst, dass Zuwen­dun­gen nicht zu den in der Bestä­ti­gung ange­ge­be­nen steu­er­be­güns­tig­ten Zwe­cken ver­wen­det wer­den (Ver­an­las­ser­haf­tung).

Spen­den­be­schei­ni­gun­gen – und die Ver­an­las­ser­haf­tung

Bei der Prü­fung der tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen einer Haf­tungs­norm han­delt es sich nicht um eine Ermes­sens­ent­schei­dung i.S. des § 5 AO und des § 102 FGO, son­dern um eine vom Finanz­ge­richt in vol­lem Umfang zu über­prü­fen­de, recht­lich gebun­de­ne Ent­schei­dung. Erst die nach § 191 AO zu tref­fen­de Ent­schei­dung, ob bzw. gegen wen ein Haf­tungs­be­scheid erge­hen soll (Ent­schlie­ßungs- und Aus­wahler­mes­sen) unter­liegt den Beschrän­kun­gen des § 102 FGO 1.

Die Ver­an­las­ser­haf­tung setzt nach § 9 Abs. 3 Satz 2 Alter­na­ti­ve 2 KStG ‑unter den zeit­li­chen Vor­ga­ben des hier ent­schie­de­nen Streit­falls aus dem Jahr 2011- im sub­jek­ti­ven Tat­be­stand min­des­tens gro­be Fahr­läs­sig­keit vor­aus.

Zwar ord­net § 34 Abs. 8a letz­ter Satz KStG i.d.F. des Ehren­amts­stär­kungs­ge­set­zes an, dass § 9 Abs. 3 Satz 2 KStG in der durch das Ehren­amts­stär­kungs­ge­setz geän­der­ten Fas­sung ‑die nun­mehr ein Ver­schul­dens­er­for­der­nis auch für die Ver­an­las­ser­haf­tung vor­sieht- "erst­mals für den Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2013 anzu­wen­den" ist. Da es vor­lie­gend um Zuwen­dun­gen des Ver­an­la­gungs­zeit­raums 2011 geht, könn­te die gesetz­li­che Über­gangs­re­ge­lung so ver­stan­den wer­den, dass die ‑begüns­ti­gen­de- Neu­re­ge­lung im Streit­fall noch nicht anwend­bar ist.

Das Finanz­ge­richt Ham­burg 2 hat hier­zu in der Vor­in­stanz aber zu Recht aus­ge­führt, dass die Ver­wirk­li­chung des Haf­tungs­tat­be­stands neben der Leis­tung einer Zuwen­dung auch die Nicht­ver­wen­dung der Mit­tel "zu den in der Bestä­ti­gung ange­ge­be­nen steu­er­be­güns­tig­ten Zwe­cken" vor­aus­setzt. Ohne die Aus­stel­lung einer Zuwen­dungs­be­stä­ti­gung kann daher der Tat­be­stand der Ver­an­las­ser­haf­tung nicht ver­wirk­licht wer­den 3. Die Zuwen­dungs­be­stä­ti­gung ist vor­lie­gend aber erst am 12.09.2013 aus­ge­stellt wor­den. Mit­hin ist der Haf­tungs­tat­be­stand erst im Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2013 ver­wirk­licht wor­den.

Glei­ches wür­de sich im Übri­gen ‑auch hier­auf hat das Finanz­ge­richt Ham­burg hin­ge­wie­sen- erge­ben, wenn man den Zeit­punkt des Erge­hens des Haf­tungs­be­scheids für maß­geb­lich hal­ten wür­de 4. Auch die­ser lag im Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2013.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 20. März 2017 – X R 13/​15

  1. zum Gan­zen BFH, Urtei­le vom 13.04.1978 – V R 109/​75, BFHE 125, 126, BSt­Bl II 1978, 508, unter 1.; vom 13.06.1997 – VII R 96/​96, BFH/​NV 1998, 4, unter 1.; vom 11.03.2004 – VII R 52/​02, BFHE 205, 14, BSt­Bl II 2004, 579, unter II. 1.a; und vom 20.09.2016 – X R 36/​15, BFH/​NV 2017, 593, unter II. 1.a; Werns­mann in HHSp, § 5 AO Rz 59, 120[]
  2. FG Ham­burg, Urteil vom 25.02.2015 – 5 K 135/​12[]
  3. für das Abstel­len auf den Zeit­punkt der Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung Krä­mer in Dötsch/​Pung/​Möhlenbrock, Kom­men­tar zum KStG und EStG, § 9 KStG Rz 384[]
  4. so Schauhoff/​Kirchhain, Finanz-Rund­schau 2013, 301, 310 f.[]