Steu­ern fürs Oster­feu­er

Die Ver­an­stal­tung eines Oster­feu­ers liegt als kul­tu­rel­les und sozia­les Ereig­nis in dem hoheit­li­chen Auf­ga­ben­kreis, der den Frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren Ham­burgs per Gesetz über­tra­gen wor­den ist. Es kann nicht davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Mit­glie­der der Frei­wi­li­gen Feu­er­wehr durch die Durch­füh­rung einer sol­chen Ver­an­stal­tung still­schwei­gend einen eigen­stän­di­gen, nicht­rechts­fä­hi­gen Ver­ein grün­den.

Steu­ern fürs Oster­feu­er

Mit die­ser Begrün­dung hat das Finanz­ge­richt Ham­burg in dem hier vor­lie­gen­den Fall eine Steu­er­pflicht ver­neint. Geklagt hat­te eine Frei­wil­li­ge Feu­er­wehr, für die das Finanz­amt für die letz­ten 6 Jah­re Beschei­de über Kör­per­schaft­steu­er und Gewer­be­steu­er­mess­be­trä­ge von ins­ge­samt über 20.000 Euro fest­ge­setzt hat­te. Die Feu­er­wehr war der Ver­an­stal­ter eines jähr­lich ent­fach­ten Oster­feu­ers. Der Erlös floss in die Kame­rad­schafts­kas­se. Das Finanz­amt mein­te nun, die Mit­glie­der der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr hät­ten, indem sie das Oster­feu­er ver­an­stal­te­ten und über ihre Kas­se abrech­ne­ten, still­schwei­gend einen nicht­rechts­fä­hi­gen Ver­ein gegrün­det. Des­we­gen erließ das Finanz­amt Beschei­de über Kör­per­schaft­steu­er und Gewer­be­steu­er­mess­be­trä­ge für einen Zeit­raum von 6 Jah­ren, die fest­ge­setz­ten Steu­ern sum­mier­ten sich auf über 20.000 €. Damit war die Frei­wil­li­ge Feu­er­wehr nicht ein­ver­stan­den und klag­te vor dem Finanz­ge­richt Ham­burg, denn sie mein­te, in der Durch­füh­rung des Oster­feu­ers lie­ge kei­nes­falls eine steu­er­pflich­ti­ge Geschäfts­tä­tig­keit.

Nach Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts Ham­burg haben die Ange­hö­ri­gen der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr bei der Ver­an­stal­tung der Oster­feu­er und auch bei dem Ver­kauf von Spei­sen und Geträn­ken im Rah­men des ihnen durch lan­des­recht­li­che Bestim­mun­gen über­tra­ge­nen Ehren­am­tes und somit als Ange­hö­ri­ge der zustän­di­gen Behör­de für Inne­res und Sport gehan­delt. Die Ver­an­stal­tung eines Oster­feu­ers liegt als kul­tu­rel­les und sozia­les Ereig­nis in dem hoheit­li­chen Auf­ga­ben­kreis, der den Frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren Ham­burgs per Gesetz über­tra­gen wor­den ist. Jede Ein­satz­ab­tei­lung einer Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr ist durch die Ham­bur­ger Ver­ord­nung über die Frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren zudem ver­pflich­tet, zur Pfle­ge der Kame­rad­schaft eine Kame­rad­schafts­kas­se ein­zu­rich­ten. Da Ver­an­stal­tun­gen wie das Oster­feu­er über die Brauch­tums­pfle­ge hin­aus der Infor­ma­ti­on der Bevöl­ke­rung sowie der Selbst­dar­stel­lung der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr und der Mit­glie­der­wer­bung die­nen, kann nicht davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Mit­glie­der der Wehr durch die Durch­füh­rung einer sol­chen Ver­an­stal­tung still­schwei­gend einen eigen­stän­di­gen, nicht­rechts­fä­hi­gen Ver­ein grün­den – selbst dann nicht, wenn mit dem Fest der Auf­ga­ben­kreis der Feu­er­wehr tat­säch­lich über­schrit­ten wor­den wäre. Denn auch dann hät­te die Frei­wil­li­ge Feu­er­wehr noch immer als Teil der Innen­be­hör­de gehan­delt, der sie per Gesetz ein­ge­glie­dert ist; eine Steu­er­pflicht ist auch des­we­gen nicht gege­ben. Das Finanz­ge­richt hob die Steu­er­be­schei­de auf.

Finanz­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 31. Janu­ar 2014 – 5 K 122/​11