Streit­wert für einen Frei­stel­lungs­be­scheid

Für Kla­gen auf Ertei­lung eines Spen­den­be­schei­des ist der Streit­wert mit dem zu erwar­ten­den durch­schnitt­li­chen Spen­den­auf­kom­men des Klä­gers anzu­set­zen.

Streit­wert für einen Frei­stel­lungs­be­scheid

In Ver­fah­ren vor den Gerich­ten der Finanz­ge­richts­bar­keit ist, soweit nichts ande­res bestimmt ist, der Streit­wert nach der sich aus dem Antrag des Klä­gers für ihn erge­ben­den Bedeu­tung der Sache nach Ermes­sen zu bestim­men (§ 52 Abs. 1 GKG). Betrifft der Antrag des Klä­gers eine bezif­fer­te Geld­leis­tung oder einen hier­auf gerich­te­ten Ver­wal­tungs­akt, ist deren Höhe maß­ge­bend (§ 52 Abs. 3 GKG). Bie­tet der Sach- und Streit­stand für die Bestim­mung des Streit­werts kei­ne genü­gen­den Anhalts­punk­te, ist ein Streit­wert von 5.000 € anzu­neh­men (§ 52 Abs. 2 GKG).

Im hier vom Finanz­ge­richt Müns­ter ent­schie­de­nen Streit­fall hat­te der Klä­ger bean­tragt, unter Auf­he­bung der Kör­per­schaft­steu­er­be­schei­de 2006 und 2007 sowie der Ein­spruchs­ent­schei­dung den Beklag­ten zu ver­pflich­ten, Frei­stel­lungs­be­schei­de zu erlas­sen und dar­in fest­zu­stel­len, dass der Klä­ger nach § 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG von der Kör­per­schaft­steu­er befreit ist. Das Rechts­schutz­be­dürf­nis für die Kla­ge auf Ertei­lung von Frei­stel­lungs­be­schei­den und die Bedeu­tung der Sache für den Klä­ger folg­te des­halb nicht aus der Höhe der jeweils mit 0 EUR fest­ge­setz­ten Kör­per­schaft­steu­er 2006 und 2007, son­dern beruh­te auf dem Kla­ge­be­geh­ren, die Steu­er­be­frei­ung wegen Ver­fol­gung gemein­nüt­zi­ger Zwe­cke (§ 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG) bestä­tigt zu bekom­men. Damit ver­bun­den war das Ziel des Klä­gers, sich für Zwe­cke der Aus­stel­lung von (künf­ti­gen) Zuwen­dungs­be­schei­ni­gun­gen auf den begehr­ten Frei­stel­lungs­be­scheid für das Jahr 2007 beru­fen zu kön­nen. Denn bereits in einem vor­her­ge­hen­den Ver­fah­ren zur Gewäh­rung vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes hat­te der Klä­ger unwi­der­spro­chen vor­ge­tra­gen, dass ihm im Fal­le der feh­len­den Abzieh­bar­keit der Spen­den auf Sei­ten der Groß­spen­der inner­halb kür­zes­ter Zeit die wirt­schaft­li­che Grund­la­ge für sei­ne Ver­eins­tä­tig­keit ent­zo­gen wür­de.

Will ein Klä­ger mit sei­ner Kla­ge aber vor­ran­gig errei­chen, wei­ter­hin steu­er­be­güns­tig­te Spen­den zu erlan­gen, bestimmt sich die Bedeu­tung der Sache für ihn nach den künf­ti­gen jähr­li­chen Spen­den­ein­nah­men (so für Zwe­cke des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes durch eine einst­wei­li­ge Anord­nung im Ansatz auch BFH, Beschluss vom 14.10.1998 – I B 82/​98, BFH/​NV 1999, 352, wenn­gleich dort in Anbe­tracht der Vor­läu­fig­keit und beschränk­ten Gel­tungs­dau­er der einst­wei­li­gen Anord­nung der Streit­wert auf 1/​3 des durch­schnitt­li­chen Spen­den­auf­kom­mens redu­ziert wur­de; dem BFH zustim­mend Bran­dis in Tipke/​Kruse, AO/​FGO, Vor § 135 FGO Tz. 185 "Einst­wei­li­ge Anord­nung"; wie hier evtl. auch Rat­schow in Grä­ber, FGO, Vor § 135 Rz. 110 "Gemein­nüt­zig­keit")). Dies gilt aller­dings nach Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts Müns­ter nur für den jeweils letz­ten begehr­ten Frei­stel­lungs­be­scheid, weil nur die­sem Bedeu­tung für die Aus­stel­lung künf­ti­ger Zuwen­dungs­be­schei­ni­gun­gen zukommt. Bezieht die Kla­ge sich auf meh­re­re Streit­jah­re, für wel­che die Kör­per­schaft­steu­er jeweils mit 0 EUR fest­ge­setzt wor­den ist, ist für die übri­gen Streit­jah­re regel­mä­ßig ledig­lich der Auf­fangst­reit­wert anzu­set­zen.

Der vor­ge­nann­ten Beur­tei­lung steht der BFH-Beschluss vom 5. Janu­ar 1998 1 nicht ent­ge­gen. Danach soll zwar der Auf­fangst­reit­wert je ange­foch­te­ner Steu­er­fest­set­zung anzu­set­zen sein, wenn die Auf­he­bung meh­re­rer auf 0 DM lau­ten­der Kör­per­schaft­steu­er­be­schei­de begehrt wird, um die Steu­er­be­frei­ung wegen Ver­fol­gung gemein­nüt­zi­ger Zwe­cke bestä­tigt zu bekom­men 2. Den Ent­schei­dungs­grün­den des Bun­des­fi­nanz­hofs lässt sich aber nicht ent­neh­men, ob und ggf. in wel­cher Höhe dort neben den als "Spen­den" dekla­rier­ten Ent­gel­ten für Segel­törns ander­wei­ti­ge ("ech­te") Spen­den ver­ein­nahmt wur­den und inwie­weit etwai­ge zu erwar­ten­de Spen­den­ein­nah­men von der Aner­ken­nung des Ver­eins als gemein­nüt­zig abhin­gen. Ent­spre­chen­des gilt für die Ent­schei­dung des Finanz­ge­richts Ber­lin vom 15. Janu­ar 2002 3, in der es – soweit ersicht­lich – nicht um den Spen­den­ab­zug ging. Das FG Baden-Würt­tem­berg hat den Ansatz des Auf­fangst­reit­werts in sei­nem Beschluss vom 26. Janu­ar 1995 4 dar­auf gestützt, dass sich im dor­ti­gen Rechts­streit nicht erken­nen las­se, in wel­chem Umfan­ge dem Klä­ger bei und allein auf­grund steu­er­li­cher Abzieh­bar­keit Spenden(mehr)beträge zuge­flos­sen wären. Damit hat es aber kei­ne ande­re recht­li­che Beur­tei­lung als das Finanz­ge­richt Müns­ter zugrun­de gelegt, son­dern ist im Ergeb­nis von einem ande­ren, mit dem vor­lie­gen­den Streit­fall nicht ver­gleich­ba­ren Sach­ver­halt aus­ge­gan­gen.

Ent­spre­chend den vor­ge­nann­ten Grund­sät­zen ist für das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren der Streit­wert betref­fend die Kla­ge wegen Kör­per­schaft­steu­er 2007 mit dem zu erwar­ten­den durch­schnitt­li­chen Spen­den­auf­kom­men des Klä­gers anzu­set­zen.

Finanz­ge­richt Müns­ter, Beschluss vom 6. Janu­ar 2012 – 9 K 2649/​10 K

  1. BFH, Beschluss vom 05.01.1998 – I E 2/​97, BFH/​NV 1998, 879[]
  2. für einen Ansatz des Auf­fangst­reit­werts auch Bran­dis in Tipke/​Kruse, AO/​FGO, Vor § 135 FGO Tz. 196 "Gemein­nüt­zig­keit"; Brandt in Beermann/​Gosch, AO/​FGO, § 139 FGO Rz. 80 "Gemein­nüt­zig­keit"[]
  3. FG Ber­lin, Beschluss vom 15.01.2002 – 7 K 8618/​99, EFG 2002, 518[]
  4. FG Baden-Würt., Beschluss vom 26.01.1995 – 6 K 10/​92, EFG 1995, 855[]