Ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tung – und die Ände­rung von Steu­er­be­schei­den

Nach § 32a Abs. 1 Satz 1 KStG kann ein Steu­er­be­scheid oder ein Fest­stel­lungs­be­scheid gegen­über dem Gesell­schaf­ter, dem die vGA zuzu­rech­nen ist, erlas­sen, auf­ge­ho­ben oder geän­dert wer­den, soweit gegen­über einer Kör­per­schaft ein Steu­er­be­scheid hin­sicht­lich der Berück­sich­ti­gung einer vGA erlas­sen, auf­ge­ho­ben oder geän­dert wird.

Ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tung – und die Ände­rung von Steu­er­be­schei­den

Die Rege­lung des § 32a KStG ent­hält eine for­mel­le Ände­rungs­mög­lich­keit, begrün­det jedoch kei­ne mate­ri­el­le Bin­dung der Steu­er­fest­set­zung gegen­über dem Gesell­schaf­ter [1]. Sie dient dem Ziel, die ver­fah­rens­recht­li­chen Hemm­nis­se, die einer zutref­fen­den mate­ri­el­len Besteue­rung von Kör­per­schaf­ten und Anteils­eig­nern ent­ge­gen­ste­hen, zu besei­ti­gen [2]. Die Rege­lung ist danach im Ergeb­nis auf die Kon­gru­enz der Besteue­rung der Ebe­nen der Gesell­schaft und des Anteils­eig­ners ange­legt [3] und gewährt einer mate­ri­ell rich­ti­gen Ein­kom­men­steu­er­fest­set­zung Vor­rang gegen­über dem Ver­trau­en des Steu­er­pflich­ti­gen in die Bestands­kraft der bereits erfolg­ten Steu­er­fest­set­zung.

Gleich­wohl folgt hier­aus nicht, dass § 32a KStG eine unein­ge­schränk­te Anpas­sungs­mög­lich­keit für bestands­kräf­ti­ge Beschei­de eröff­net, denn § 32a KStG regelt ‑anders als § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 der Abga­ben­ord­nung (AO)- nicht die Anpas­sung eines Fol­ge­be­schei­des an den Grund­la­gen­be­scheid.

Dem­entspre­chend stellt sich zumin­dest die Fra­ge, ob eine auf § 32a KStG gestütz­te Kor­rek­tur eines bestands­kräf­ti­gen Ein­kom­men­steu­er­be­schei­des des Gesell­schaf­ters jeden­falls dann aus­ge­schlos­sen ist, wenn ‑wie im Streit­fall- dem Finanz­amt nicht nur das Vor­lie­gen der vGA dem Grun­de nach bekannt war, son­dern zudem der Kör­per­schaft­steu­er­be­scheid, an des­sen Fest­set­zung eine Anpas­sung erfol­gen soll, im Zeit­punkt des Erlas­ses des bestands­kräf­tig gewor­de­nen Ein­kom­men­steu­er­än­de­rungs­be­schei­des bereits vor­lag. Folgt das Finanz­amt in einem sol­chen Fall der in Bezug auf die Höhe der vGA abwei­chen­den Erklä­rung des Steu­er­pflich­ti­gen und setzt des­sen Ein­kom­men­steu­er unter Auf­he­bung des Vor­be­halts der Nach­prü­fung erklä­rungs­ge­mäß fest, so erscheint es zumin­dest frag­lich, ob es eine spä­te­re Durch­bre­chung der ein­ge­tre­te­nen Bestands­kraft die­ses Beschei­des auf § 32a KStG stüt­zen kann, ohne dass der Kör­per­schaft­steu­er­be­scheid geän­dert wird [4].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 5. Juni 2015 – VIII B 20/​15

  1. z.B. BFH, Urtei­le vom 02.12 2014 – VIII R 45/​11, BFH/​NV 2015, 683; vom 18.09.2012 – VIII R 9/​09, BFHE 238, 512, BStBl II 2013, 149; BFH, Beschluss vom 20.03.2009 – VIII B 170/​08, BFHE 224, 439, BFH/​NV 2009, 1029[]
  2. BT-Drs. 16/​2712, S. 71; BFH, Beschluss vom 29.08.2012 – VIII B 45/​12, BFHE 238, 187, BStBl II 2012, 839[]
  3. BFH, Beschluss in BFHE 238, 187, BStBl II 2012, 839; BFH, Urteil vom 06.09.2011 – VIII R 55/​10, BFH/​NV 2012, 269, 270[]
  4. zwei­felnd wohl auch Inte­mann in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 32a KStG Rz 9; Blümich/​Rengers, § 32a KStG Rz 38[]