Ver­fas­sungs­wid­ri­ge Pau­scha­lie­rung nicht abzieh­ba­rer Betriebs­aus­ga­ben?

Das Finanz­ge­richt Ham­burg hält die Pau­scha­lie­rung nicht abzieh­ba­rer Betriebs­aus­ga­ben bei Betei­li­gung von Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten nach § 8 b Abs. 3 und 5 KStG wegen Ver­sto­ßes gegen den Gleich­heits­satz für ver­fas­sungs­wid­rig und hat die­se Rechts­fra­ge des­halb dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zur Ent­schei­dung vor­ge­legt.

Ver­fas­sungs­wid­ri­ge Pau­scha­lie­rung nicht abzieh­ba­rer Betriebs­aus­ga­ben?

Die Klä­ge­rin, eine in Ham­burg ansäs­si­ge GmbH, betreibt den Erwerb und die Ver­wal­tung von in- und aus­län­di­schen Betei­li­gun­gen, Finanz­an­la­gen und Immo­bi­li­en. Das gel­ten­de Kör­per­schaft­steu­er­ge­setz sieht in einer ab 2004 gel­ten­den Neu­re­ge­lung vor, dass bei Kör­per­schaf­ten, die an einer Toch­ter­ge­sell­schaft betei­ligt sind, Divi­den­den­be­zü­ge und Gewin­ne aus der Ver­äu­ße­rung eines Anteils an der Toch­ter­ge­sell­schaft grund­sätz­lich steu­er­frei blei­ben, aller­dings mit der Ein­schrän­kung, dass 5 % der steu­er­frei­en Divi­den­denbezü­ge und Ver­äu­ße­rungs­ge­win­ne fik­tiv als Betriebs­aus­ga­ben gel­ten, die nicht abge­zo­gen wer­den dür­fen und dadurch das Ein­kom­men der Kör­per­schaft erhö­hen. Wirt­schaft­lich wer­den damit im Ergeb­nis nur 95 % der Betei­li­gungs­er­trä­ge von der Steu­er frei­ge­stellt. Hat die Kör­per­schaft im Zusam­men­hang mit den Betei­li­gun­gen gar kei­ne oder gerin­ge­re Auf­wen­dun­gen als die­se fik­ti­ven 5 %, erhöht sich ihr Ein­kom­men gleich­wohl um den pau­scha­len Betrag von 5 %.

In dem beim Finanz­ge­richt Ham­burg anhän­gi­gen Ver­fah­ren führt die­se Pau­scha­lie­rung der nicht abzugs­fä­hi­gen Betriebs­aus­ga­ben in Höhe von 5 % zu einer Erhö­hung der Ein­künf­te um mehr als 600.000 €, obwohl die Klä­ge­rin im strei­ti­gen Ver­an­la­gungs­zeit­raum tat­säch­lich Betriebs­aus­ga­ben ledig­lich von rund 27.000 € hat­te. Nach Auf­fas­sung des 5. Senats des Finanz­ge­richts Ham­burg ver­stößt dies gegen das Gebot der Gleich­mä­ßig­keit der Besteue­rung, weil den von die­ser Rege­lung betrof­fe­nen Kör­per­schaf­ten der Nach­weis und die Berück­sich­ti­gung nied­ri­ger Betriebs­aus­ga­ben ver­wehrt ist.

Nun muss das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt dar­über ent­schei­den, ob die Rege­lung des Kör­per­schaft­steu­er­ge­set­zes gegen den Gleich­heits­satz ver­stößt; denn die Befug­nis, eine Vor­schrift wegen Ver­sto­ßes gegen das Grund­ge­setz für ver­fas­sungs­wid­rig zu ver­wer­fen, steht allein den Rich­tern in Karls­ru­he zu.

Finanz­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 7. Novem­ber 2007 – 5 K 153/​06