Ver­lust­über­gang bei Ver­schmel­zung

Die Finanz­ver­wal­tung schließt sich der Auf­fas­sung des BFH (Urteil vom 31. Mai 2005, I R 68/​03), dass bei der Ver­schmel­zung von Kör­per­schaf­ten ein im Über­tra­gungs­jahr bei der über­tra­gen­den Kör­per­schaft ein­ge­tre­te­ner lau­fen­der Ver­lust mit Gewin­nen der über­neh­men­den Kör­per­schaft im Über­tra­gungs­jahr ver­rech­net wer­den kann, nicht an.

Ver­lust­über­gang bei Ver­schmel­zung

In dem Urteil vom 31. Mai 2005 -I R 68/​03 ‑hat der BFH im Zusam­men­hang mit der Ermitt­lung der Bezugs­grö­ße für die Berech­nung der Anrech­nungs­höchst­be­trä­ge nach § 26 Abs. 6 Satz 1 KStG 1991 i.V.m. § 34c Abs. 1 Satz 2 EStG 1990 ent­schie­den, dass bei der Ver­schmel­zung von Kör­per­schaf­ten ein im Über­tra­gungs­jahr bei der über­tra­gen­den Kör­per­schaft ein­ge­tre­te­ner lau­fen­der Ver­lust mit Gewin­nen der über­neh­men­den Kör­per­schaft des Über­tra­gungs­jahrs ver­rech­net wer­den kann, sofern die Vor­aus­set­zun­gen des § 12 Abs. 3 Satz 2 UmwStG 1995 erfüllt sind. Der Ver­lust der über­tra­gen­den Kör­per­schaft aus dem Über­tra­gungs­jahr sei nicht Bestand­teil des nach § 12 Abs. 3 Satz 2 UmwStG 1995 ver­blei­ben­den Ver­lust­ab­zugs i.S.d. § 10d Abs. 3 Satz 2 EStG 1990.

Nach Ansicht des BMF sind die Grund­sät­ze des BFH-Urteils ins­be­son­de­re aus den nach­fol­gen­den Grün­den über den ent­schie­de­nen Ein­zel­fall hin­aus nicht anzu­wen­den:

  • Die Fol­ge­run­gen des BFH, bei der Ver­schmel­zung von Kör­per­schaf­ten kön­ne ein im Über­tra­gungs­jahr bei der über­tra­gen­den Kör­per­schaft ein­ge­tre­te­ner (lau­fen­der) Ver­lust mit Gewin­nen der über­neh­men­den Kör­per­schaft des Über­tra­gungs­jahrs im Wege des hori­zon­ta­len Ver­lust­aus­gleichs als „eige­ne Ver­lus­te“ ver­rech­net wer­den, kann nicht aus den Rege­lun­gen des § 2 und des § 12 Abs. 3 Satz 2 UmwStG 1995 her­ge­lei­tet wer­den. Die in § 12 Abs. 3 Satz 2 UmwStG 1995 zitier­te Vor­schrift des § 10d Abs. 3 Satz 2 EStG 1990 erfasst aus­drück­lich nur den Ver­lust­vor­trag. Der Ver­lust­aus­gleich ist dar­in nicht ent­hal­ten.
  • Ein Anspruch der Über­neh­me­rin auf den lau­fen­den Ver­lust der Über­tra­ge­rin kann auch nicht auf § 45 Abs. 1 Satz 1 AO und ihre Eigen­schaft als Rechts­nach­fol­ge­rin gestützt wer­den. Die Norm regelt nicht die mate­ri­ell­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen zur Ent­ste­hung von For­de­run­gen und Schul­den aus dem Steu­er­schuld­ver­hält­nis, son­dern ledig­lich den Über­gang sol­cher Ansprü­che auf den Rechts­nach­fol­ger. Der Abzug von Ver­lus­ten des Rechts­vor­gän­gers gehört nicht zu die­sen Ansprü­chen.
  • Das Urteil steht im Wider­spruch zu ande­ren BFH-Urtei­len. In den Urtei­len I R 38/​01 vom 29. Janu­ar 2003 (BFH/​NV 2004 S. 305) und eben­falls I R 38/​01 vom 5. Juni 2003 (BSt­Bl II S. 822) hat der BFH ent­schie­den, dass nach der Ver­schmel­zung einer GmbH auf eine ande­re Gesell­schaft die­je­ni­gen Besteue­rungs­grund­la­gen, die die über­tra­gen­de
    GmbH in der Zeit vor der Ver­schmel­zung ver­wirk­licht hat, wei­ter­hin die­ser Gesell­schaft zuzu­rech­nen sind. Sie sind in den Steu­er­be­schei­den und Fest­stel­lungs­be­schei­den
    zu berück­sich­ti­gen, die an die über­neh­men­de Gesell­schaft als Rechts­nach­fol­ge­rin
    der über­tra­gen­den Gesell­schaft zu rich­ten sind.

Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finanz­schrei­ben, Schrei­ben vom 07.04.2006 – IV B 7 ‑S 1978b ‑1/​06