Ver­lust­über­nah­me bei kör­per­schaft­steu­er­li­cher Organ­schaft

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat unter Hin­weis auf eine ver­gleich­ba­re Klau­sel in der Ver­fü­gung der Ober­fi­nanz­di­rek­ti­on Rhein­land vom 12. August 2009 1 unter ande­rem ent­schie­den, dass es nicht ernst­lich zwei­fel­haft ist, dass mit der Ver­trags­klau­sel

Ver­lust­über­nah­me bei kör­per­schaft­steu­er­li­cher Organ­schaft

"Die (Organ­trä­ge­rin) ist ent­spre­chend den Vor­schrif­ten des § 302 AktG ver­pflich­tet, jeden wäh­rend der Ver­trags­dau­er sonst ent­ste­hen­den Jah­res­fehl­be­trag aus­zu­glei­chen, soweit die­ser nicht dadurch aus­ge­gli­chen wird, dass den ande­ren Gewinn­rück­la­gen Beträ­ge ent­nom­men wer­den, die wäh­rend der Ver­trags­dau­er in sie ein­ge­stellt wor­den sind"

eine Ver­lust­über­nah­me ent­spre­chend den Vor­schrif­ten des § 302 AktG ver­ein­bart wird 2. Dabei geht der Bun­des­fi­nanz­hof von sei­ner stän­di­gen Recht­spre­chung aus, nach der es für die kör­per­schaft­steu­er­li­che Organ­schaft mit einer GmbH als Organ­ge­sell­schaft einer aus­drück­li­chen Ver­ein­ba­rung zur Ver­lust­über­nah­me bedarf.

Auf die­ses Urteil hat nun das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen mit einer Aus­le­gungs­hil­fe reagiert: Hier­nach sind die Grund­sät­ze die­ser Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs über den ent­schie­de­nen Ein­zel­fall hin­aus in die­sen oder ähn­li­chen Fäl­len nicht nur in AdV-Ver­fah­ren, son­dern auch im Rah­men der Steu­er­fest­set­zung in allen noch offe­nen Fäl­len anzu­wen­den. Für die Anwen­dung des § 17 Satz 2 Num­mer 2 KStG gilt daher Fol­gen­des:

Eine Bezug­nah­me auf die Vor­schrift des § 302 AktG in ihrer Gesamt­heit liegt vor, wenn die Ver­trags­klau­sel zunächst ins­ge­samt auf die "Vor­schrif­ten des § 302 AktG" ver­weist. Im Anschluss an einen sol­chen Ver­weis erfol­gen­de wei­te­re Aus­füh­run­gen, z. B. durch Wie­der­ga­be des Wort­lauts des § 302 Absatz 1 AktG, ste­hen einer wirk­sa­men Bezug­nah­me auf § 302 AktG in sei­ner Gesamt­heit nur dann ent­ge­gen, wenn sie erkenn­bar dar­auf gerich­tet sind, die umfas­sen­de Bezug­nah­me auf § 302 AktG zu rela­ti­vie­ren und bestimm­te Absät­ze der Vor­schrift von der Ein­be­zie­hung in die Ver­ein­ba­rung über die Ver­lust­über­nah­me aus­zu­schlie­ßen. Von einer erkenn­bar ein­ge­schränk­ten Ver­ein­ba­rung ist nur dann aus­zu­ge­hen, wenn der Wort­laut der Ver­ein­ba­rung die Ein­schrän­kung ein­deu­tig vor­sieht oder über den Wort­laut hin­aus kon­kre­te wei­te­re Anhalts­punk­te vor­lie­gen.

Danach ist ins­be­son­de­re auch die in der Ver­fü­gung der Ober­fi­nanz­di­rek­ti­on Rhen­land ange­spro­che­ne Klau­sel:

Die … GmbH ver­pflich­tet sich, ent­spre­chend § 302 AktG jeden wäh­rend der Ver­trags­dau­er sonst ent­ste­hen­den Jah­res­fehl­be­trag der … GmbH aus­zu­glei­chen, soweit die­ser nicht dadurch aus­ge­gli­chen wird, dass den frei­en Gewinn­rück­la­gen Beträ­ge ent­nom­men wer­den, die wäh­rend der Ver­trags­dau­er in sie ein­ge­stellt wor­den sind.”

nicht zu bean­stan­den.

Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen, Schrei­ben vom 19. Okto­ber 2010 – IV C 2 – S 2770/​08/​10004 [DOK 2010/​0769613]

  1. OFD Rhein­land, DStR 2010, 1136[]
  2. BFH, Beschlüs­se vom 28.07.2010 und 15.09.2010 – I B 27/​10[]