Ver­lust­über­nah­me bei Organ­schaft

Es ist, wie der Bun­des­fi­nanz­hof nun erneut bestä­tigt [1] hat, nicht ernst­lich zwei­fel­haft, dass die für die ertrag­steu­er­li­che Organ­schaft mit einer GmbH als Organ­ge­sell­schaft erfor­der­li­che Ver­ein­ba­rung einer Ver­lust­über­nah­me ent­spre­chend den Vor­schrif­ten des § 302 AktG zwar nicht die Ver­ein­ba­rung einer Rege­lung gemäß § 302 Abs. 2 AktG, wohl aber die Ver­ein­ba­rung der Ver­jäh­rungs­re­ge­lung ent­spre­chend § 302 Abs. 4 AktG vor­aus­setzt.

Ver­lust­über­nah­me bei Organ­schaft

Ist eine Kapi­tal­ge­sell­schaft Organ­ge­sell­schaft i.S. der §§ 14, 17 oder 18 KStG 2002, so gilt sie gemäß § 2 Abs. 2 Satz 2 GewStG 2002 gewer­be­steu­er­recht­lich als Betriebs­stät­te des Organ­trä­gers (gewer­be­steu­er­recht­li­che Organ­schaft). Eine Kapi­tal­ge­sell­schaft mit Sitz im Inland ist dann Organ­ge­sell­schaft nach den genann­ten kör­per­schaft­steu­er­recht­li­chen Vor­schrif­ten, wenn sie sich ver­pflich­tet, ihren gan­zen Gewinn an ein ande­res Unter­neh­men i.S. des § 14 KStG 2002 –den Organ­trä­ger– abzu­füh­ren. Han­delt es sich bei der Organ­ge­sell­schaft um eine ande­re als die in § 14 Abs. 1 Satz 1 KStG 2002 bezeich­ne­te Kapi­tal­ge­sell­schaft mit Geschäfts­lei­tung und Sitz im Inland –und damit auch eine inlän­di­sche GmbH–, ver­langt § 17 Satz 2 Nr. 2 KStG 2002 als wei­te­re Vor­aus­set­zung für die Aner­ken­nung der Organ­schaft u.a., dass eine Ver­lust­über­nah­me ent­spre­chend den Vor­schrif­ten des § 302 AktG ver­ein­bart wird.

Nach stän­di­ger Spruch­pra­xis des Bun­des­fi­nanz­hofs [2] muss der Ergeb­nis­ab­füh­rungs­ver­trag eine dem § 302 AktG ent­spre­chen­de Ver­ein­ba­rung ent­hal­ten. Das Rege­lungs­er­for­der­nis erstreckt sich auf § 302 Abs. 1 und Abs. 3 AktG [3] und nach der Ein­fü­gung des § 302 Abs. 4 AktG durch das Gesetz zur Anpas­sung von Ver­jäh­rungs­vor­schrif­ten an das Gesetz zur Moder­ni­sie­rung des Schuld­rechts mit Wir­kung vom 15. Dezem­ber 2004 auch auf die­sen. Der Bun­des­fi­nanz­hof hat Letz­te­res –eben­falls nach sum­ma­ri­scher Prü­fung in einem AdV-Ver­fah­ren– bereits in sei­nem Beschluss vom 28. Juli 2010 [4], ent­schie­den; dar­an ist fest­zu­hal­ten.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 22.12.2010, I B 83/​10

  1. BFH, Beschluss vom 28.07.2010 – I B 27/​10, BFHE 230, 167, BStBl II 2010, 932, berich­tigt durch Beschluss vom 15.09.2010 – I B 27/​10, BFHE 230, 208, BStBl II 2010, 935[]
  2. vgl. zuletzt BFH, Urteil vom 03.03.2010 – I R 68/​09, BFH/​NV 2010, 1132, m.w.N., die dage­gen erho­be­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­de wur­de vom BVerfG nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men, sie­he BVerfG, Beschluss vom 31.08.2010 – 2 BvR 998/​10[]
  3. vgl. BFH, Urtei­le vom 17.12.1980 – I R 220/​78, BFHE 132, 285, BStBl II 1981, 383; vom 29.03.2000 – I R 43/​99, BFH/​NV 2000, 1250; vom 22.02.2006 – I R 74/​05, BFH/​NV 2006, 1513[]
  4. BFH, Beschluss vom 28.07.2010 – I B 27/​10, BFHE 230, 167, BStBl II 2010, 932; berich­tigt durch Beschluss vom 15.09.2010, BFHE 230, 208, BStBl II 2010, 935[]