Besteue­rung der Wert­auf­ho­lung im Wert­pa­pier-Alt­be­stand

Die Wert­auf­ho­lung des Wert­pa­pier-Alt­be­stan­des unter­fällt nicht der Steu­er­frei­stel­lung des § 8b Abs. 2 Satz 1, 3 KStG.

Besteue­rung der Wert­auf­ho­lung im Wert­pa­pier-Alt­be­stand

Nach § 8b Abs. 2 Satz 1 KStG blei­ben bei der Ermitt­lung des Ein­kom­mens Gewin­ne aus der Ver­äu­ße­rung eines Anteils an einer Kör­per­schaft oder Per­so­nen­ver­ei­ni­gung, deren Leis­tun­gen beim Emp­fän­ger zu Ein­nah­men i.S. des § 20 Abs. 1 Nr. 1, 2, 9 und 10 Buchst. a EStG gehö­ren, oder an einer Organ­ge­sell­schaft i.S. der §§ 14, 17 oder 18 außer Ansatz.

Nach Satz 3 der Rege­lung gilt dies ent­spre­chend für Gewin­ne aus der Auf­lö­sung oder der Her­ab­set­zung des Nenn­ka­pi­tals oder aus dem Ansatz des in § 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 3 EStG bezeich­ne­ten Werts, aller­dings dann nicht (Satz 4), soweit der Anteil in frü­he­ren Jah­ren steu­er­wirk­sam auf den nied­ri­ge­ren Teil­wert abge­schrie­ben und die Gewinn­min­de­rung nicht durch den Ansatz eines höhe­ren Werts aus­ge­gli­chen wor­den ist.

§ 8b Abs. 2 Satz 4 KStG ver­folgt den Zweck, dass außer­halb des zeit­li­chen Anwen­dungs­be­reichs von § 8b Abs. 3 KStG steu­er­wirk­sa­me Teil­wert­ab­schrei­bun­gen bei einer Wert­auf­ho­lung der Wirt­schafts­gü­ter sys­tem­kon­se­quent (im Sin­ne einer "Nach­ver­steue­rung" 1) von der Steu­er­be­frei­ung des § 8b Abs. 2 KStG aus­ge­schlos­sen wer­den; Ziel ist es daher, zu ver­hin­dern, dass es nach dem Sys­tem­wech­sel zum sog. Halb­ein­künf­te­ver­fah­ren zu einer steu­er­frei­en Rea­li­sa­ti­on der stil­len Reser­ven kommt, die nach frü­he­rer Rechts­la­ge steu­er­pflich­tig gewe­sen wäre 2.

Auch wenn das Tat­be­stands­merk­mal der Steu­er­wirk­sam­keit in der Regel dahin aus­ge­deu­tet wird, es müs­se eine Aus­wir­kung auf den steu­er­li­chen Gewinn vor­lie­gen 3, ist damit nicht die Vor­aus­set­zung ver­bun­den, dass sich die Teil­wert­ab­schrei­bung unmit­tel­bar auf die Höhe der Steu­er­be­las­tung die­ses Ver­an­la­gungs­zeit­raums aus­wir­ken muss. Ein­be­zo­gen ist viel­mehr eine mit­tel­ba­re Aus­wir­kung sowohl auf die Steu­er­be­las­tung in einem Ver­lust-Rück­trags­jahr als auch die (poten­ti­el­le) Aus­wir­kung auf die Höhe der Steu­er­be­las­tung eines Ver­lust-Vor­trags­jah­res 4.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 21. Sep­tem­ber 2016 – I R 65/​14

  1. so Pung in Dötsch/​Pung/​Möhlenbrock, Die Kör­per­schaft­steu­er, § 8b Rz 157[]
  2. BFH, Urteil vom 19.08.2009 – I R 2/​09, BFHE 226, 235, BSt­Bl II 2010, 760[]
  3. BT-Drs. 14/​2683, S. 124; s.a. Gosch, KStG, 3. Aufl., § 8b Rz 242; Her­ling­haus in Rödder/​Herlinghaus/​Neumann, KStG, § 8b Rz 261; Blümich/​Rengers, § 8b KStG Rz 251; Schnit­ger in Schnitger/​Fehrenbacher, KStG, § 8b Rz 363[]
  4. s. aus­drück­lich zur Ver­lust­si­tua­ti­on Water­mey­er in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 8b KStG Rz 92[]