Ände­rung der Steu­er­an­rech­nung nach Ände­rung der Steu­er­fest­set­zung

Nach § 36 Abs. 2 Nr. 2 EStG wird auf die Ein­kom­men­steu­er die durch Steu­er­ab­zug erho­be­ne Ein­kom­men­steu­er ange­rech­net, soweit sie auf die bei der Ver­an­la­gung erfass­ten Ein­künf­te ent­fällt und nicht die Erstat­tung bean­tragt oder durch­ge­führt wor­den ist. Die Vor­schrift stellt, wie der Bun­des­fi­nanz­hof ins­be­son­de­re in sei­nem Urteil vom 19. Dezem­ber 2000 1 näher aus­ge­führt hat, eine inhalt­li­che Ver­knüp­fung zwi­schen Steu­er­fest­set­zungs- und Steu­er­erhe­bungs­ver­fah­ren her; die im Wege des Steu­er­ab­zugs erho­be­ne Ein­kom­men­steu­er darf nur ange­rech­net wer­den, "soweit sie auf die bei der Ver­an­la­gung erfass­ten Ein­künf­te ent­fällt". Der Grund­satz der Anre­chen­bar­keit der tat­säch­lich ein­be­hal­te­nen Lohn­steu­er gilt also nicht unein­ge­schränkt. Eine Steu­er­an­rech­nung ist nicht gebo­ten, wenn und soweit die mit Steu­ern belas­te­ten Ein­nah­men bei der Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung nicht erfasst wor­den sind. Denn dann ver­hin­der­te die Anrech­nung nicht eine dop­pel­te Besteue­rung ‑durch Lohn­steu­er­ab­zug und nach­fol­gen­de Belas­tung mit ver­an­lag­ter Einkommensteuer‑, son­dern gewähr­te dem Steu­er­pflich­ti­gen etwas, mit dem sei­ne steu­er­li­che Belas­tung im Rah­men sei­ner Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung nicht "kor­re­spon­diert" 2.

Ände­rung der Steu­er­an­rech­nung nach Ände­rung der Steu­er­fest­set­zung

Steu­er­ab­zü­ge, die auf Ein­kunfts­tei­le ent­fal­len, die bei der Ver­an­la­gung nicht erfasst, d.h. ‑soweit nicht steu­er­frei- mit Ein­kom­men­steu­er belas­tet wor­den sind ‑z.B. weil sie dem Steu­er­pflich­ti­gen nur ver­spro­chen, aber nicht auch tat­säch­lich gewährt wor­den, ihm also nicht zuge­flos­sen sind und die des­halb gemäß § 11 Abs. 1 Satz 1 EStG nicht zu den Ein­nah­men gehören‑, sind danach von der Anrech­nung aus­ge­schlos­sen. Der gegen den Steu­er­pflich­ti­gen erlas­se­ne Steu­er­be­scheid hat mit­hin für die Anrech­nungs­ver­fü­gung bzw. einen Abrech­nungs­be­scheid ähn­lich einem Grund­la­gen­be­scheid bin­den­de Wir­kung.

Die auf recht­lich unzu­tref­fen­den Über­le­gun­gen in der vom Arbeit­ge­ber aus­ge­stell­ten Lohn­steu­er­be­schei­ni­gung beru­hen­den Anga­ben ver­mö­gen dar­an nichts zu ändern.

Das Finanz­amt hat­te auf­grund der geän­der­ten Steu­er­fest­set­zung die Anrech­nungs­ver­fü­gung –unge­ach­tet des­sen, ob sie ursprüng­lich recht­mä­ßig oder rechts­wid­rig war– gemäß § 131 Abs. 2 Nr. 3 AO zu ändern 3; dass es statt­des­sen sei­ne Ver­fü­gung vor­lie­gend auf § 130 Abs. 1 AO gestützt hat, ist dabei ohne Belang. Die Anrech­nungs­ver­fü­gung setzt den am glei­chen Tag erlas­se­nen Ein­kom­men­steu­er­be­scheid zutref­fend um und ist folg­lich recht­mä­ßig. Ob die­ser recht­mä­ßig oder –ggf. mit der Fol­ge einer erneu­ten Ände­rung der Steu­er­an­rech­nung– zu ändern ist, bedarf hier kei­ner Erör­te­rung.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 12. Novem­ber 2013 – VII R 28/​12

  1. BFH, Urteil vom 19.12 2000 – VII R 69/​99, BFHE 194, 162, BSt­Bl II 2001, 353[]
  2. auch dazu BFH, Urteil in BFHE 194, 162, BSt­Bl II 2001, 353[]
  3. vgl. zuletzt BFH, Urteil vom 08.09.2010 I – R 90/​09, BFHE 231, 97, BSt­Bl II 2013, 11[]