Arbeit­ge­ber­bei­trä­ge an eine Pensionskasse

Finan­zie­rungs­an­tei­le der Arbeit­neh­mer, die in dem Gesamt­ver­si­che­rungs­bei­trag des Arbeit­ge­bers an eine Pen­si­ons­kas­se (Zusatz­ver­sor­gungs­kas­se) ent­hal­ten sind, sind als Arbeit­ge­ber­bei­trä­ge nach § 3 Nr. 63 EStG steu­er­frei. Für die Qua­li­fi­zie­rung einer Zah­lung als Bei­trag des Arbeit­ge­bers im Sin­ne des § 3 Nr. 63 EStG ist die ver­si­che­rungs­ver­trag­li­che Außen­ver­pflich­tung maß­geb­lich. Es kommt dage­gen nicht dar­auf an, wer die Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge finan­ziert, d.h. wer durch sie wirt­schaft­lich belas­tet wird.

Arbeit­ge­ber­bei­trä­ge an eine Pensionskasse

Zu den Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit gehö­ren gemäß § 19 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG u.a. Gehäl­ter, Löh­ne, Gra­ti­fi­ka­tio­nen, Tan­tie­men und ande­re Bezü­ge und Vor­tei­le, die für eine Beschäf­ti­gung im öffent­li­chen oder pri­va­ten Dienst gewährt wer­den. Arbeits­lohn ist jeder gewähr­te Vor­teil, der durch das indi­vi­du­el­le Arbeits­ver­hält­nis ver­an­lasst ist.

Zum Arbeits­lohn kön­nen auch Aus­ga­ben gehö­ren, die ein Arbeit­ge­ber leis­tet, um einen Arbeit­neh­mer oder die­sem nahe­ste­hen­de Per­so­nen für den Fall der Krank­heit, des Unfalls, der Inva­li­di­tät, des Alters oder des Todes abzu­si­chern (Zukunfts­si­che­rung). Die Arbeits­lohn­qua­li­tät von Zukunfts­si­che­rungs­leis­tun­gen, bei denen die Leis­tung des Arbeit­ge­bers an einen Drit­ten (Ver­si­che­rer) erfolgt, hängt davon ab, ob sich der Vor­gang –wirt­schaft­lich betrach­tet– so dar­stellt, als ob der Arbeit­ge­ber dem Arbeit­neh­mer Mit­tel zur Ver­fü­gung gestellt und der Arbeit­neh­mer sie zum Zweck sei­ner Zukunfts­si­che­rung ver­wen­det hat. Davon ist aus­zu­ge­hen, wenn dem Arbeit­neh­mer gegen die Ver­sor­gungs­ein­rich­tung, an die der Arbeit­ge­ber die Bei­trä­ge geleis­tet hat, ein unent­zieh­ba­rer Rechts­an­spruch auf die Leis­tung zusteht [1]. Erlangt der Arbeit­neh­mer einen eige­nen Rechts­an­spruch gegen den Ver­si­che­rer, so fließt im Zeit­punkt der Bei­trags­zah­lung des Arbeit­ge­bers Arbeits­lohn zu. Der Lohn­zu­fluss liegt dabei in den gegen­wär­ti­gen Bei­trä­gen des Arbeit­ge­bers, mit denen die­ser den Ver­si­che­rungs­schutz des Arbeit­neh­mers finan­ziert [2]. Bei­trä­ge zur Zukunfts­si­che­rung der Arbeit­neh­mer, die vom Arbeit­ge­ber nur abge­führt, aber aus bereits indi­vi­du­ell ver­steu­er­tem Net­to­ein­kom­men des Arbeit­neh­mers geleis­tet wer­den, haben dage­gen kei­ne Arbeits­lohn­qua­li­tät [3].

Nach § 3 Nr. 63 Satz 1 EStG sind eigent­lich als steu­er­pflich­ti­ger Arbeits­lohn zu erfas­sen­de Bei­trä­ge des Arbeit­ge­bers aus dem ers­ten Dienst­ver­hält­nis an einen Pen­si­ons­fonds, eine Pen­si­ons­kas­se oder für eine Direkt­ver­si­che­rung zum Auf­bau einer kapi­tal­ge­deck­ten betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung, bei der eine Aus­zah­lung der zuge­sag­ten Alters‑, Inva­li­di­täts- oder Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gungs­leis­tun­gen in Form einer Ren­te oder eines Aus­zah­lungs­plans vor­ge­se­hen ist, soweit die Bei­trä­ge im Kalen­der­jahr 4% der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze in der all­ge­mei­nen Ren­ten­ver­si­che­rung nicht über­stei­gen, steuerfrei.

Unter den Begriff „Bei­trä­ge des Arbeit­ge­bers“ fal­len dabei alle Bei­trä­ge, die vom Arbeit­ge­ber als Ver­si­che­rungs­neh­mer selbst geschul­det und an die Ver­sor­gungs­ein­rich­tung geleis­tet wer­den. Dies ergibt sich bereits aus der all­ge­mei­nen Wort­be­deu­tung des Begriffs des „Bei­trags“, dem auf­grund der Bezug­nah­me des Geset­zes auf die genann­ten Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen eine spe­zi­fisch zivilrechtliche/​versicherungsrechtliche Bedeu­tung zukommt. Im Ver­si­che­rungs­we­sen ist danach der Bei­trag als die Sum­me anzu­se­hen, die der Ver­si­che­rungs­neh­mer ent­rich­tet, um Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen zu erhal­ten (vgl. hier­zu auch § 1 VVG). Eige­ne Bei­trä­ge des Arbeit­neh­mers sind dage­gen jeden­falls dann anzu­neh­men, wenn auf­grund der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen mit der Ver­sor­gungs­ein­rich­tung eine ori­gi­nä­re Bei­trags­pflicht des Arbeit­neh­mers besteht.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 9. Dezem­ber 2010 – VI R 57/​08

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. BFH, Urtei­le vom 30.05.2001 – VI R 159/​99, BFHE 195, 364, BStBl II 2001, 815; vom 14.09.2005 – VI R 148/​98, BFHE 210, 443, BStBl II 2006, 532; vom 12.04.2007 – VI R 55/​05, BFHE 217, 558, BStBl II 2007, 619; vom 05.07.2007 – VI R 47/​02, BFH/​NV 2007, 1876; vom 15.11.2007 – VI R 30/​04, BFH/​NV 2008, 550; vom 11.12.2008 – VI R 9/​05, BFHE 224, 70, BStBl II 2009, 385; vom 07.05.2009 – VI R 8/​07, BFHE 225, 68, BStBl II 2010, 194; jeweils m.w.N.[]
  2. vgl. z.B. BFH, Urtei­le in BFH/​NV 2007, 1876; und in BFHE 224, 70, BStBl II 2009, 385[]
  3. BFH, Urteil in BFHE 217, 558, BStBl II 2007, 619[]